Wer den musikalischen Werdegang von LACK Anfang der Zweitausender verfolgt hat, konnte einer Band beim Wachsen zuhören. Das Debüt „Blues moderne: Danois explosifs“ war noch kompromissloses New-School-Hardcore-Geballer, politisch, wütend und auf den Punkt. Schon „Be there pulse“ von 2005 öffnete die Türen weit: Midtempo traf auf Hardcore, geschriene Vocals auf erstaunlich unverzerrte Gitarren, laute Passagen auf leise – und ausgerechnet diese Dynamik machte das Album weitaus kraftvoller als den brachialen Vorgänger. „Saturate every atom“ führte LACK schließlich noch weiter Richtung Indie, bevor sich die Kopenhagener 2008 auflösten.
18 Jahre später sind sie plötzlich wieder da. Die Freude darüber war groß – LACK bedeuteten uns damals viel, und natürlich war die Neugier entsprechend: Was macht eine Band nach fast zwei Jahrzehnten Pause mit ihrer eigenen Geschichte?
Erstaunlich wenig. Thomas‘ Gesang klingt noch immer so zornig wie vor 20 Jahren, die Texte sind mindestens ebenso kritisch, zynisch und hoffnungslos. Auch musikalisch erkennt man LACK sofort wieder. Der Opener „Boltguns are painless“ etwa könnte beinahe nahtlos an „Be there pulse“ anschließen: kantig, unberechenbar und mit einem Songwriting, das sich weiterhin nicht sonderlich um Konventionen schert.
Danach allerdings wird es schwierig. Das neue, unbetitelte Album wirkt weniger wie eine Weiterentwicklung als wie ein Blick ins offene Skizzenbuch. Die neun Songs wurden live auf einem alten Bauernhof in Seeland aufgenommen, und man hört ihnen diese Entstehungsgeschichte an: mehr Raum für Improvisation, mehr Experiment, weniger festgezurrte Strukturen. Bisweilen klingt es, als hätte man LACK im Proberaum überrascht, mitten in einem guten Moment – nur dass dieser Moment anschließend nicht mehr ganz zum fertigen Song ausgearbeitet wurde. Das hat seinen Reiz, lässt aber ausgerechnet jene Spannung vermissen, die „Be there pulse“ so stark machte: das präzise Gespür dafür, wann ein Song innehalten und wann er explodieren muss.
Vielleicht ist genau das der Preis für 18 Jahre Abstand. LACK klingen noch immer nach LACK – nur nicht mehr unbedingt nach der Band, die man von damals im Kopf behalten hat. Und vielleicht brauchen diese neuen Songs deshalb einfach noch ein bisschen Zeit. Im Moment fühlen sie sich eher wie der Anfang einer Wiederannäherung an als wie die triumphale Rückkehr, auf die ich gehofft hatte.