In den 80er und 90er Jahren war mit Oi!-Punk Bands nicht zu spaßen: Martialische Skinhead-Outfits (Bomberjacke, Domestos-Jeans & Springerstiefel), grimmig dreinschauende Protagonisten (in diesem Fall kein Grund zum gendern, da in dieser Szene damals fast ausschließlich männliche gelesene Personen auf der Bühne standen) und Texte, die sich entweder nicht sonderlich um politische Korrektheit scherten oder diese gar offen zum Feindbild erklärten. Zwar gab es auch früher bereits Bands wie SPRINGTOIFEL, bei denen schon immer der Spaß im Vordergrund stand, aber insgesamt waren Oi!-Konzerte zu jener Zeit definitiv keine Inseln der unbeschwerten Fröhlichkeit. Dass sich dies mittlerweile deutlich geändert hat, zeigen Bands wie SCHNOIZER, die sich nicht nur anschicken, den Oberlippenbart in Skinhead-Kreisen salonfähig zu machen, sondern auch in ihren Texten eine Brücke zwischen Szene-Nostalgie und -Ironie schlagen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Stück „Bla Bla Bla“, welches im Endeffekt lediglich eine Aneinanderreihung von allseits bekannten Punk- und Oi!-Phrasen besteht. Aber auch klassische Themen wie Alkoholkonsum oder die eingangs erwähnten Domestos-Jeans geben die Nordlichter auf „Ich will hier raus!“ mit einem besonders breitem Grinsen zum Besten. Und bevor ich es vergesse zu erwähnen: Wer den OIDORNO-Hit „Halt die Fresse, ich will saufen“ zu seinen Lieblingssongs zählt, findet hier mit „Fahr rechts ran (ich glaube ich muss kotzen)“ einen nahezu ebenbürtigen Nachfolger. Schönes Ding, ihr Eiernacken!
SCHNOIZER – Ich will hier raus!
- Beitrags-Autor:Bernd Cramer
- Beitrag veröffentlicht:4. September 2026
- Beitrags-Kategorie:Tonträger
Bernd Cramer
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber.
Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.