Schweizerdeutsch wirkt ja einfach sofort sympathisch. Selbst dann, wenn es sich inhaltlich um überhaupt nicht sympathische Themen dreht, wie es bei FOLLIA durchaus einmal vorkommen kann. Die Schweizerin, die ihre neue EP „Verrutscht“ in Berlin aufgenommen und produziert hat, beschäftigt sich mit den Themen, die uns eigentlich alle betreffen, mal näher, mal ferner: Macht und Ohnmacht, wie sie in „Zündhölzli“ gespiegelt wird, die Liebe in ihren verschiedensten Formen, wie es „Fieberliebe“ und der Titelsong besingen und auch die Welt in all ihren verrückten, verrutschenden Geschehnissen, die wir alle miterleben (müssen), was in „Tausend Hälften“ – in sehr schwungvoller, fast weltmusikalischer Art – dargelegt wird.
Dabei spielt FOLLIA etwas, das sich Kontra-Pop nennt (man lernt wirklich nie aus, wie viele Schubladen es im Musikschrank gibt!), ihre Stimme und in erster Linie der Kontrabass bilden die Basis für die Songs, in die sich dann noch zarte Synthesizer und ein entspanntes Barpiano schleichen. Man merkt der Musik durchaus an, dass ihr Mastermind Lia Maria Neff eine studierte Musikerin ist, immer wieder leuchtet der Begriff „Kunstlied“ auf „Verrutscht“ auf, ohne dabei aber anstrengend oder enervierend zu werden. Vielmehr zeigen sich die Melodien und insbesondere auch die Gesangslinie als besonders und auch besonders interessant, nichts, was man überall und immer hören kann.
„Verrutscht“ ist ein zumeist ruhiges, dennoch inhaltlich aufbrausendes Werk geworden, mit dem FOLLIA in fünf Songs ihre gesamte Bandbreite des Könnens zeigt und damit durchaus zu begeistern versteht. Eine EP, um sich mit ihr zu beschäftigen, nicht, um sie nur nebenbei zu hören.