Mit viel Spannung hatte ich dieses Album erwartet. Dabei sind seit dem Vorgänger „Hard times and nursery rhymes“ doch gerade einmal 15 Jahre verstrichen… Aber Spaß beiseite. Dass überhaupt nochmal ein neuer Longplayer von SOCIAL DISTORTION erscheint, ist alles andere als selbstverständlich. Vor allem die Mitte 2023 öffentlich gemachte Mandelkrebs-Erkrankung von Frontmann Mike Ness ließ befürchten, dass eingangs erwähntes Werk den Schlussstrich in der Diskographie der 1978 gegründeten Band aus Orange County markieren könnte. Doch das Schicksal meinte es offenbar gut mit dem Sänger, der Band und zuletzt natürlich auch ihren Fans: Bereits im Folgejahr standen SOCIAL DISTORTION schon wieder auf der Bühne, wovon ich mich bei einem Konzertbesuch an der amerikanischen Ostküste persönlich überzeugen konnte. Aber kommen wir zurück zu „Born to kill“, ihrem mittlerweile achten Longplayer. Nachdem ich mich mit dem letzten sehr soul- bluesrocklastigen Werk nicht so wirklich anfreunden konnte, deutete bereits der als Vorabsingle veröffentlichte Titeltrack eine Rückkehr zu den Wurzeln an. Zwar gibt es mit „Crazy dreamer“ zwar auch wieder ein Stück im Motown-beeinflussten „Hard times and nursery rhymes“-Stil, doch insgesamt lässt sich das Album soundmäßig am ehesten in die erfolgreiche Zeitspanne zwischen „Somewhere between heaven and hell“ und „Sex, love & Rock´n´Roll“ einordnen. Ich wage sogar zu behaupten, dass sich Songs wie „Tonight“, „Partners in crime“ oder „Over you“ gänzlich ohne Qualitätsverlust auch in die Tracklist des Über-Albums „White light, white heat, white trash“ einreihen ließen. Wer im Zeitstrahl hingegen noch weiter zurückgehen möchte, der/dem sei „No way out“ ans Herz gelegt, in dem die ruppige Punk-Attitüde aus den Anfangstagen der Band noch am ehesten durchschimmert. Und die Frage, warum SOCIAL DISTORTION bisher noch nie „Wicked game“ von CHRIS ISSAK gecovert haben, hatte ich mir tatsächlich schon mal gestellt – das passt einfach wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Zeit also für ein Fazit: „Born to kill“ ist ein Album, das die alten Stärken der Band wieder in den Fokus rückt und mit seiner melancholiegeschwängerten Mischung aus Punkrock, Rock´n´Roll und Country wieder voll und ganz den Nerv der zahlreichen SOCIAL DISTORTION-Fans treffen dürfte. Dass dabei vielleicht ein, zwei ganz große Hits fehlen, die sofort beim ersten Hördurchgang herausstechen, ist dabei nur Nebensache. Was letztendlich zählt, ist in diesem Fall die Gesamtqualität der Platte. Und natürlich die Tatsache, dass SOCIAL DISTORTION auch im Jahr 2026 noch existieren und die Welt mit neuer Musik beglücken.
SOCIAL DISTORTION – Born to kill
- Beitrags-Autor:Bernd Cramer
- Beitrag veröffentlicht:14. Mai 2026
- Beitrags-Kategorie:Tonträger
Bernd Cramer
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber.
Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.