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TRIBUTE TO NOTHING – How many times did we tour??

Es ist schon irgendwie alles ein wenig merkwürdig mit den Jungs von TRIBUTE TO NOTHING, nicht nur, dass ihr Bus die Schiebetür auf der falschen Seite hat, nein, sie sind ständig auf Tour, und trotzdem sehen sie kein bisschen ausgelaugt aus; wie machen die das bloß? Hat der Engländer von Haus aus eine Alkoholresistenz entwickelt? Oder ist es das Training? Naja, mir soll es recht sein, dass Sänger Sam im Interview äußert aufgeweckt und nicht total versoffen ist.

[F]Mal wieder auf Tour…
[A]Ja, das stimmt, aber ist doch schön, oder? Also ich hoffe zumindest, dass es nicht nur uns so geht…

[F]Dein wie vieltes Interview ist das heute?
[A]Heute geht es, das erste, aber es ist schon komisch, teilweise fünf Interviews vor einem Konzert zu geben.

[F]Gefällt es dir, dass plötzlich so ein reges Interesse an TTN aufkommt?
[A]Klar, das ist verdammt genial! Jedes Interview ist ein neues Gesicht, das sich mit dir und deiner Band, deiner Musik also auch deinem Leben beschäftigt, und das fühlt sich sehr gut an. Früher waren wir schon sehr stolz, wenn auf der ganzen Tour fünf Leute ein Interview gemacht haben, heute ist das alles noch viel besser.

[F]Fühlt es sich auch gut an, das Album aus den Händen gegeben zu haben? ("How many times did we live" erscheint bei Destiny Records und nicht mehr ausschließlich beim eigenen Label Lockjaw Records)
[A]Auf jeden Fall. Ich vertraue den Leuten bei Destiny sehr. Sie sind nicht nur verdammt nett und haben ein großes Netzwerk aufgebaut, sie kennen zudem noch den Gedanken des D.I.Y. und sind eng mit der Musik verbunden.

[F]Um mal bei den Gefühlen zu bleiben: wie hast du dich gefühlt, als du das erste Mal die von Jason Livermore gemasterten Aufnahmen gehört hast?
[A]Fantastisch! Ich habe Bill Stevenson auf der Deconstruction-Tour kennen gelernt und war schon vorher natürlich ein großer BLACK FLAG-Fan. Wir haben uns ein wenig unterhalten und er sagte, er mochte das, was wir gezeigt hatten, so kam der Kontakt in die USA zustande. Das er aber letztendlich wirklich an unserem Album beteiligt war, ist für uns nach wie vor unglaublich schön. Und was Jason Livermore aus unseren Aufnahmen gemacht hat, hat uns alle komplett umgehauen.

[F]Wie kam es, dass ihr euch für Destiny entschieden habt, man munkelt es gäbe auch größere Angebote…
[A]Ja, die gab es in der Tat. Aber zum einen habe ich ja vorhin schon gesagt, dass die Leute bei Destiny einfach super sind und einen sehr positiven Background haben, und zum anderen sehen wir uns einfach noch nicht so weit, dass wir bei einem großen Label gut aufgehoben wären. Wir füllen einfach noch nicht die großen Hallen, haben noch nicht die massiven Fans-Clubs. Das alles muss sich erst noch entwickeln, und das wollten wir selbst beeinflussen, mit einem guten Label und sehr viel ehrlicher, harter Arbeit.

[F]Für euer Album habt ihr euch relativ lange zurückgezogen und kaum Konzerte gespielt. Wie habt ihr diese Zeit finanziell überlebt?
[A]Wir sind nicht gerade eine reiche Band, haben auch keine wohlhabende Familie, sondern mussten immer tagsüber viel arbeiten, um dann nachts in einem Club an neuen Songs arbeiten zu können. Der Besitzer des Ladens war einfach super, wir konnten dort immer Shows spielen und proben, egal wann. Aber es war eine verdammt anstrengende Zeit, weil wir dann doch immer noch Shows gespielt haben, gearbeitet, aufgenommen, neue Sachen geschrieben und alles irgendwie nebenbei gemacht haben.

[F]Zwischen eurem letzten Album "Act without words" und diesem liegen knappe vier Jahre. Wie alt sind die Songs auf der neuen CD?
[A]Bis auf zwei sind sie alle verdammt neu. Eigentlich waren wir nur auf Tour, wir hatten gar keine Zeit, richtig zu proben oder neue Songs zu machen. Drei sind während der Tour entstanden, zumindest in den Ideen die dahinter stecken.

[F]Verändern sich Stimmungen und Texte in so einem Zeitraum, oder passen die alten Stücke immer noch in den neuen Rahmen?
[A]Ich finde, alles passt sehr gut zusammen. Unsere Stimmungen, Ideale und der Rückhalt in unserem Leben haben sich in den Jahren kaum verändert, wir lieben die Kontinuität. Daher fallen die älteren Sachen auch nicht auf, außer natürlich, dass manche "quicksand mindset" schon einmal gehört haben. Ich war auch sehr kritisch gegenüber dieser Sache, weil es natürlich ein Risiko ist, alte Sachen zu verwenden, aber in diesem Fall passt es perfekt.

[F]Wie schafft ihr es, einen Rückhalt zu finden und Kontinuität zu wahren, wenn ihr eigentlich permanent auf Tour seid? Wie wirkt sich das auf die Songs aus?
[A]Es gibt viele Songs, die sich um das Tourleben drehen und die halt auch diese Spannungen, die zwangsläufig entstehen, wenn man ständig weg ist, behandeln. Daher hat es also unbestritten einen Einfluss darauf.

[F]Könntest du dir jetzt vorstellen, heute dein Leben in eine andere Bahn zu lenken, mit einer eigenen Familie? Das wäre meine Vorstellung von Kontinuität…
[A]Da fragst du was… Diese Diskussion hatte ich schon mit meiner Freundin, und ich bin auch immer noch sehr hin und her gerissen, obwohl ich das Touren einfach brauche. Wenn ich drei Wochen auf Tour bin, vermisse ich meine Heimat, bin ich zu Hause, will ich auf Tour. Und natürlich möchte ich auch viele Kinder haben, eine eigene Familie gründen und das alles. Aber zurzeit kann ich das Touren noch nicht aufgeben. Vielleicht kann man ja dann auch ein paar Konzerte weniger spielen…

[F]Würden deine eigenen Kinder auch so eine musikalische Erziehung genießen wir ihr es getan habt?
[A]Auf jeden Fall, aber ich weiß nicht, ob ich sie so oft auf Tour gehen ließe… (deutet auf das Bier in seiner Hand)

[F]Für den Wortschatz und den Alkoholkonsum sicherlich nicht schlecht… Aber sind Tourerfahrungen ansonsten nicht auch in gewisser Weise etwas einzigartiges?
[A]Ja, das schon. Aber jetzt mal im Ernst, ob das so gut ist für ein Kind als Vorbild?

[F]Wie ist es, wenn du in deine Heimat zurückkehrst, deine Freunde triffst, die alle ein vollkommen anderes Leben leben, die sesshaft sind und die mit Sicherheit andere Erfahrungen machen als du, über andere Themen zu reden?
[A]Es ist schon immer komisch, obwohl viele meiner wirklichen Freunde nicht so sind, dass sie mich nicht verstehen würden oder einfach ganz anders denken würden. Aber ich denke mir immer, ich mache Erfahrungen fürs Leben, ich lerne Dinge kennen, die anderen verborgen bleiben, ich sehe viele verschiedene Orte, lerne Menschen der unterschiedlichsten Art kennen, und das nicht nur in England, sondern über viele Länder verteilt. Wer will so was schon mit einem "normalen" Beruf tun? Daher sind auch meine Freunde, eher so eingestellt, dass sie nicht ganz so normal leben und alle offen für Neues sind, was vielen Menschen in ihrem eingefahrenen Alltag einfach fehlt.

[F]Aber ist nicht dein Leben mittlerweile auch Routine?
[A]Nein, auf keinen Fall. Jeder Abend ist wieder anders, jeder Abend bringt wieder neue Gesichter, neue Geschichten, das wird niemals eine langweilige Routine. Du musst dich immer wieder neu auf das Publikum einstellen, sie jeden Abend wieder erobern.

[F]Und du warst auch noch nie an dem Punkt, dass du ein Konzert absagen wolltest, weil es zu langweilig war oder du dich einfach nicht motivieren konntest?
[A]Nein, das wird nie passieren. Wir haben bisher erst ganze zwei Konzerte absagen müssen. Und das war nicht wegen Krankheit oder keine Lust, sondern weil wir ganz einfach liegen geblieben sind und mit dem Auto nicht mehr weiterkamen. Ansonsten würde so etwas bei uns nie vorkommen.

[F] Zum Abschluss würde ich gerne von dir wissen, welche Songs ihr covern würdet, wenn ihr heute noch eine Top40 Coverband wärd, so wie deine Brüder damals?
[A]Hmm, ich war Gott sei Dank ja nicht dabei, aber ich würde einfach mal auf ROBBIE WILLIAMS tippen, der würde sich gut eigenen.

[F]Und welche Künstler sollten Songs von TTN covern, wenn es mal einen Tribute-Sampler für euch geben sollte?
[A]Oh, das ist mal eine harte Frage, da habe ich noch nie so recht drüber nachgedacht, aber das ist auf jeden Fall mal spannend. Also auf jeden Fall SLAYER, da wäre ich wirklich gespannt, was die machen würden. Dann auch die DESCENDENTS, ich denke Bill hätte da wohl ein paar Ideen… Und dann noch SPARKS LIGHTS AND FLAMES eine sehr technisch orientierte Hardcore-Band eines guten Freundes.

http://www.tributetonothing.com/