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THE CRIBS – Selling a vibe

Es gibt Bands, die ein Leben lang vergeblich daran herumdoktern, eingängige Popsongs zu schreiben. Andere zielen auf die Charts und greifen dabei auf allzu belanglose Melodien zurück. Oder – ein Trend der letzten Jahre – sie recyceln bereits erfolgreiche Songs, unterlegen sie mit neuen Beats und verkaufen das Ergebnis als eigenes Werk. Alles wenig erstrebenswert.
Und dann gibt es Bands wie THE BEATLES oder THE CRIBS, die scheinbar ein Naturrecht auf gute Melodien besitzen und mühelos Ohrwürmer aus dem Ärmel schütteln. Der Vergleich mit den BEATLES soll hier allerdings auch schon enden: Stilistisch könnten die drei Brüder aus Wakefield kaum weiter von der Band aus Liverpool entfernt sein. Auch wenn sie mit ihrer neuen Platte „Selling a vibe“ betonen, nicht mehr verkrampft in Richtung Indie oder Punk schielen zu wollen. Keine Sorge, Jungs – ich sortiere euch dort trotzdem ein.
Gepackt hatten mich die Jarman-Brüder bereits 2007, als sie im Hamburger Stadtpark für die großen KAISER CHIEFS eröffneten. Und ihnen mühelos den Schneid abkauften. Die bessere Band an diesem Abend waren eindeutig die mir bis dahin völlig unbekannten THE CRIBS. Zumindest für mich. Die Jungs waren Mitte zwanzig, der Auftritt hatte etwas angenehm Schluffiges, fast Slackermäßiges. Doch der mehrstimmige Gesang saß, die Melodien ebenso. Bei heutigen Sichtungen alter Live-Mitschnitte fällt zwar auf, dass man es mit der Intonation nicht immer ganz genau nahm – aber das Songmaterial war schlicht zu gut, um sich daran zu stören. Die ersten drei Alben zählen bis heute zu meinen Lieblingsplatten.
In den Jahren danach erschien regelmäßig neues Material, auch wenn die späteren Alben ein wenig an mir vorbeigingen. Zuletzt wurde es stiller um die Band. Eine längere Pause folgte, die Brüder konzentrierten sich auf ihr Privatleben – nicht zuletzt, weil sie mittlerweile über drei Zeitzonen hinweg voneinander getrennt lebten. Nach fünf Jahren Funkstille und einem gemeinsamen Sommer ohne Musik fanden sie jedoch wieder zueinander. Und mit der Nähe kam auch die Kreativität zurück.
Gemeinsam mit Produzent Patrick Wimberly (u. a. SOLANGE, MGMT) haben THE CRIBS nun zwölf neue Songs aufgenommen, die zeigen, dass ihnen weder das Gespür für einnehmende Melodien noch der familiäre Zusammenhalt abhandengekommen ist. „Selling a vibe“ wirkt persönlicher, offener und zugleich eingängiger als vieles zuvor.
Dass das Album mit dem programmatischen Titel „Brothers won’t break“ endet, passt da nur zu gut. Gary Jarman bringt es auf den Punkt: „Es gibt etwas Besonderes daran, mit meinen Brüdern in THE CRIBS zu sein.“
Wohl wahr. Auf dass es noch lange so weitergeht.

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