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Punk Rock Raduno – 16.-19.07.2026 (Bergamo)

Das Punk Rock Raduno hatte ich schon länger auf meiner Bucket List. Das kleine Umsonst-Festival im norditalienischen Bergamo findet (mit der obligatorischen Corona-Unterbrechung) seit 2016 statt und wird von den Veranstaltenden nicht zu unrecht als „Familienzusammenkunft“ (=Raduno) tituliert: Ein großes Zusammentreffen der italienischen Punkrock-Szene, musikliebenden Einwohner*innen Bergamos sowie Menschen mit einem generellen Faible für DIY-Kultur. Obwohl der Großteil des Festivals auf dem Gelände eines Jugendzentrums samt angrenzendem Park stattfindet, wird es mittlerweile von weiteren Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet ergänzt. Letztes Jahr gab es beispielsweise ein Roller Derby Match oder eine Akustik-Show in einem Linienbus, dazu wird das Festival von Workshops und Ausstellungen flankiert. Somit war ein erlebnisreiches langes Wochenende bereits beim Reiseantritt vorprogrammiert. Die Anreise selber erfolgte relativ unkompliziert. Aufgrund des mittlerweile ziemlich ausgedünnten Flugplans in Hamburg entschieden wir uns für eine Anreise am Mittwoch über den Flughafen Mailand-Linate, von dort ging es in etwas über anderthalb Stunden per Metro und Bus weiter bis ins Zentrum von Bergamo. Eigentlich schade, denn wer im Mittwoch direkt in Bergamo gelandet ist, kam möglicherweise in den Genuss eines musikalischen Empfangskomitees – die PRR Crew hat nämlich einfach mal eine Punkrock-Show im dortigen Empfangsterminal organisiert. Stattdessen endete der Abend für uns stilecht mit einer köstlichen Pizza vom nebenangelegenen Restaurant und einer erlesenen Auswahl italienischer Biere.

Am Donnerstag stand dann zunächst etwas Sightseeing auf dem Programm. Mit der Zugseilbahn ging es in die historische Oberstadt und nach einem ausgiebigen Bummel mit einer weiteren Zugseilbahn weiter auf den Hügel San Vigilio, von dem man einen atemberaubenden Blick über die Stadt und die Poebene hat. Wenn man es bis da oben hin geschafft hat, sollte man unbedingt in eines der dortigen Restaurants einkehren – ein wahrhaft malerischer Ausblick ist bei gutem Wetter garantiert! Aber genau genommen waren wir ja nicht wegen des Ausblicks und des guten Essens in Bergamo, sondern wegen des Festivals. Und so trafen wir pünktlich zum Auftritt des offiziellen Festival-Openers MEGA auf dem Gelände des Eingangs erwähnten Jugendzentrums Edoné ein. Diese spielten – ebenso wie die darauffolgenden RICOBELLIS – eingängigen Pop-Punk, was insofern nicht überrascht, da das Punk Rock Raduno seit jeher ein Faible für Bands hat, die früher auf amerikanischen Labels wie Lookout! oder Hopeless Records beheimatet waren. Vor allem die RICOBELLIS hatten mit Songs wie „You´re my Baby on LSD“ oder „Are you trying to escape“ ein paar Ohrwürmer auf Lager, die mich noch Tage später verfolgt haben. Im Anschluss ging es auf der Hauptbühne mit BEE BEE SEA weiter, deren Sound ich irgendwo zwischen Rock´n´Roll, Powerpop und Garage einordnen würde. In Italien scheinen sie auf jeden Fall keine Unbekannten mehr zu sein – ihre Shows dort sind immer häufiger ausverkauft und ihre Songs erreichen auf Spotify teilweise sechsstellige Klickzahlen. Die Hauptattraktion des Abends waren aber zweifelsohne THE DWARVES. Ich persönlich hatte nie einen besonderen Zugang zu der bereits seit Mitte der 1980er Jahre existierenden amerikanischen Punk-Band, was sicherlich auch daran lag, dass ich ihrem teils grenzüberschreitenden Humor nichts abgewinnen kann. Dennoch legte der Haufen um Frontman Blag Dahlia einen energievollen Auftritt hin und kamen mit aus heutiger Sicht sicherlich nicht immer politisch korrekten Klassikern wie „Everybodies Girl“ oder „Better be woman“ beim Publikum gut an. Auf dem anschließen den Heimweg zeigte sich dann die einzige Schwachstelle des Festivals, nämlich die Anbindung an den, wie sagen wir Deutschen doch so schön, öffentlichen Personennahverkehr. Während die Anreise zum etwas außerhalb gelegenen Edoné dank guter Bustaktung kein Problem darstellt, fährt der letzte Bus Richtung Innenstadt selbst am Wochenende bereits gegen 22 Uhr. Taxen haben wir während unseres mehrtägigen Aufenthalts nur äußerst selten gesehen, und wenn man sich ein Uber bucht kann es durchaus zu Wartezeiten von 20 Minuten oder länger kommen, da es in Bergamo und Umgebung offenbar kaum Fahrer gibt. Wenn man also in den Genuss der Headliner kommen möchte und im Zentrum wohnt, muss also entweder einen nächtlichen Fußmarsch (in unserem Fall 40 Minuten) in Kauf nehmen, oder auf Leih-Fahrräder oder -Roller setzen, wobei sich auch hier natürlich immer die Frage nach der Verfügbarkeit stellt.


Am nächsten Morgen führte uns der Weg zunächst aber ins Kino: Die NOFX-Doku „40 years of fuckin´up“ feierte im Rahmen des Punk Rock Raduno seine Italien-Premiere und lockte zu früher Stunde zahlreiche Punkrock-Fans in den angenehm klimatisierten Vorführungssaal. Anders als man es aus Deutschland kennt gab es hier keinen Snack- oder Getränkeverkauf, so dass mitgebrachte Supermarkt-Biere solidarisch durch die Reihen gereicht wurden. Der Film selber ist nicht nur für wehmütige NOFX-Fans sehenswert, sondern auch für Personen, die sich noch nicht tiefergehend mit der Geschichte der Band befasst haben, da er neben einem Abriss der Bandgeschichte auch schonungslos auf die Probleme eingeht, mit denen einige Bandmitglieder hinter den Kulissen zu kämpfen hatten. Auf jeden Fall keine leichte Kost. Im Anschluss zog es mich weiter in den Ink Club. In einem Hinterhof an einer Ausfallstraße verbirgt sich ein Musik-Club wie er sein soll: Schwarz gestrichene Wände, in der einen Ecke eine kleine, 30cm hohe Bühne, an der Wand gegenüber ein gut bestückter Tresen und dazwischen Platz für vielleicht 150 Personen, die den Laden bei Außentemperaturen von um die 30 Grad schnell Richtung Siedepunkt katapultiert haben. Mit CRANCY CROCK eröffnete eine lokale Band, die mittlerweile fester Bestandteil des Festivals ist und ihren melodischen Punkrock mit jeder Menge Spielfreude zum Besten gab. Gefiel mir ausgezeichnet! Die darauffolgenden RADIO DAYS aus Mailand blicken hingegen schon auf jede Menge überregionale Touren von Europa bis nach Japan zurück und hatten selbstverständlich auch das hier anwesende Publikum voll im Griff. In ihrem Powerpop spiegelten sich Einflüsse von den BEATLES über THE RUBINOOS und den RAMOINES wieder, stellenweise erinnerten sie mich auch etwas an THE BOYS. Da stieg schon einmal die Vorfreude auf das, was am Abend folgen sollte.

Vielleicht an dieser Stelle noch einmal ein paar Worte zum eigentlichen Festivalgelände, dem Edoné. Hier gibt es zunächst einmal einen relativ großen Gastronomiebereich, der an einen typischen Biergarten erinnert. Hier gibt es zu sehr fairen Preisen Pizza, Burger, Bowls und diverse andere Sachen – alles unglaublich lecker und Dank zahlreicher fleischloser Varianten auch für Veganer*innen ein Genuss! hinter dem Gastronomiebereich schließen sich dann zwei Bühnen an. Die kleine Bühne wird vor allem für die früheren Slots genutzt und bietet zugleich einen guten Schutz gegen die Hitze, da der Bereich vor der Bühne nicht nur durch ein Tarnnetz beschattet wird, sondern darüber hinaus auch noch ein Wasserbestäubungssystem für gelegentliche Abkühlung sorgt. Habe ich in dieser Form bisher noch nicht erlebt, aber das Konzept hat mich definitiv überzeugt. Mit fortschreitender Stunde verlagert sich das Geschehen dann zunehmend Richtung Hauptbühne. Los ging´s aber erstmal unter dem Tarnnetz, wo SLUDDER den Abend eröffneten. Der Fünfer aus Kroatien gab energievollen Melodycore zum Besten erinnerte mich immer wieder an NO USE FOR A NAME. Dazu versprühten sie jede Menge Spielfreude und zogen das Publikum entsprechend mit. Solltet ihr zufällig Shows veranstalten und nach einer motivierten, jungen Band suchen: SLUDDER freuen sich immer über Konzertanfragen, wie sie die Zuschauenden mehrmals wissen ließen. Die nachfolgenden Bands PROTON PACKS und F.A.N.T.A. hingegen sind Pop-Punk zugewandt, wobei Letztere aus Spanien kommen und in ihrer Landessprache singen. Viele Anwesende fieberten zu diesem Zeitpunkt hingegen innerlich schon dem darauf folgenden Auftritt von M.O.T.O. auf der Hauptbühne entgegen. Die Band wurde 1981 von ihrem Mastermind Paul Caporino gegründet und zählt somit zu Italiens Punk-Urgesteinen. Ich erinnere mich noch verschwommen an eine Solo-Show von ihm vor vielen, vielen Jahren in einem mittlerweile nicht mehr existierenden Plattenladen. Heute jedenfalls bekam er Unterstützung von den Mitgliedern der zuvor gesehenen PROTON PACKS und sorgte mit Songs wie „Choking on your inside“ oder „I hate my fucking job“ vor allem bei älteren Semestern für Nostalgietränen und ordentlich Tanzeifer vor der Bühne.

Für den nächsten Act ging es wiederum zurück zur kleinen Bühne. Mit MANDURIA stand dort ein Künstler auf der Bühne, dessen Auftritt mir in doppelter Hinsicht im Gedächtnis bleiben wird. Zum einen wegen seiner Art von Musik. Mit Gitarre, Loopstation und einem ganzen Arsenal an Amps ausgestattet begleitete der Solo-Musiker sich quasi selber und lieferte einen unglaublich wilden Mix aus Garagenrock, Psychedelic und Surf-Sound ab. Hypnotisierend und mitreißend gleichermaßen. Die andere Besonderheit war, dass sein Auftritt in zwei jeweils 20 Minuten Parts gesplittet wurde und er einfach wieder los gelegt hat, nachdem die Spanier von PRISION AFFAIR mit ihrem LoFi-Punk Set nebenan auf der Hauptbühne fertig waren. Ich sag mal so: Was die musikalischen Skills angeht, war MANDURIA für das PUNK ROCK RADUNO vielleicht ein wenig überqualifiziert, aber für die Veranstaltung als solches war er definitiv ein Gewinn! Zu den ersten Klängen von THE APERS ging es dann Richtung Apartment.

Für den dritten Tag hatten die Veranstaltenden eine mittägliche Warm-Up Veranstaltung auf die Beine gestellt. Vor einem Bistro in einem Park spielte mit den MINERS zunächst eine örtliche, antifaschistische Oi!-Band zum Pogo auf. Worum es in ihren Texten geht, ließ sich auch ohne tiefgreifende Italienisch-Kenntnisse problemlos rekonstruieren: Für Solidarität und Zusammenhalt, gegen Kapitalismus und Repression. Und vermutlich auch noch irgendwas mit Bier. Soweit, so unterhaltsam. Wir waren aber vor allem wegen LONE WOLF gekommen. Die Band aus Rotterdam war auch schon mal beim Hamburger Booze Cruise Festival zu Gast, und genau so klingen sie auch: Schnell, melodisch und mit jeder Menge eingängiger Hooklines. Eine großartige Vorstellung, die sich direkt im Kauf einer Platte niederschlug. Diese Messlatte musste beim abendlichen Besuch im Edoné erstmal gerissen werden. Einen guten Anfang machten hierzu erstmal MENAGRAMO, die mit Akustikgitarre und Waschbrett eine schwungvolle Folk-Punk Performance ablieferten. Die darauffolgenden Bands holten mich hingegen nicht so sehr ab. Sowohl JAGGER HOLY (u.a. mit ehemaligen Mitgliedern der DEE CRACKS), als auch SUCCO MARCIO klangen für meinen Geschmack schlichtweg zu durchschnittlich, und die aus Japan angereisten KINGONS bestätigten einmal mehr mein Empfinden, dass für die meisten Bands aus dem Land der aufgehenden Sonne die Bühnenshow mehr zählt als musikalische und inhaltliche Authentizität – mit ihren einheitlichen roten, an Zirkusdirektoren erinnernden Anzügen, dem Make-Up und den einstudierten Bühnenbewegungen erinnerte mich das Ganze eher an ein Musical, als an eine Punkrock-Show.


Wie viele andere Festivals auch bietet das Punk Rock Raduno auch regionalen Newcomer-Bands eine Plattform. Doch anstatt sie irgendwann am frühen Nachmittag, wo sowieso noch kaum jemand da ist, als Opener zu verheizen, wurden kurzerhand drei Rookie-Formationen mit einem jeweils 15minütigen Set zur besten Stage Time in den Umbaupausen platziert. Cleverer Schachzug! Vor allem im Gedächtnis geblieben sind mir dabei WIZARDS DIE FIRST. Drei Jungspunde (vielleicht Anfang 20), die auf der Bühne einfach nur Vollgas gegeben haben. Der Drummer prügelte sich die Seele aus dem Leib, der Bassist zog mit stoischer Miene und Zigarette im Mund sein Ding durch und der Gitarrist schrammelte nicht immer ganz sauber gespielte Powerchord-Folgen runter, die mich manchmal sogar etwas an die alten EXPLOITED erinnerten. Die Texte zwar auf Italienisch, doch der inflationär eingestreute Fachbegriff „Vaffanculo“ legt nahe, dass hier nicht nur über die Leichtigkeit des Seins philosophiert wurde. Wie ich schon einem meiner Begleiter während des Auftritts zuraunte: Die vermutlich erste wahre Punk-Band des Festivals… Auf der Hauptbühne bog der Abend währenddessen langsam auf die Zielgrade ein. Bei KEPI GHOULIE handelt es sich um den ehemaligen Frontmann der früheren US Pop-Punk Band GROOVIE GHOULIES, der hier mit Verstärkung zweier Mitmusiker deren musikalisches Vermächtnis noch einmal aufleben ließ. Eine ähnliche Vorliebe für B-Movies scheinen auch die darauffolgenden DISCOMOSTRO zu habe – zumindest was das Artwork ihrer Platten und ihres Merch anschaut. Das Letzteres von zahlreichen Festivalbesucher*innen getragen wurde, deutet darauf hin dass sie in der italienischen Punk-Szene längst keine Unbekannten mehr sind. Eine Mischung aus Punk, Hardcore und etwas Metal, die für reges Crowdsurfing gesorgt hat.

Zu diesem Zeitpunkt galt unsere Aufmerksamkeit übrigens nicht nur dem Geschehen auf der Bühne, sondern auch dem Regenradar auf unseren Handydisplays. Nachdem in den frühen Morgenstunden des Freitag bereits ein extremes Unwetter über Bergamo hinweg gefegt war, braute sich hier offensichtlich neue Gewitterfront zusammen. Kurze Zeit später gingen in den Bergen wenige Kilometer nördlich des Festivalgeländes die ersten Blitze nieder, nach ungefähr einer halben Stunde erleuchtete auch südlich des Geländes der Himmel im Sekundentakt. Doch wo Festivalveranstaltende in Deutschland vermutlich umgehend das Festival aufgrund von Sicherheitsbedenken unterbrochen hätten, nahmen die hiesigen witterungserprobten Organisator*innen die Lage lediglich routiniert zur Kenntnis. Und sie sollten Recht behalten! So bot sich zum Auftritt von THE QUEERS ein beeindruckendes Wetterschauspiel mit einer beinahe apokalyptisch anmutenden Kulisse, während zu Pop-Punk Evergreens wie „Punk Rock girls“ oder „Fuck the world“ munter das Tanzbein geschwungen wurde. So ganz trockenen Hauptes kamen wir allerdings am Ende doch nicht davon, denn die erfrischende Wolkendusche ereilte uns schließlich auf dem Heimweg.

Nach drei Tagen Festival bei Temperaturen um die 30 Grad ließen wir den Sonntag etwas entspannter angehen und betraten erst am Nachmittag das Festivalgelände. Gerade rechtzeitig, um die DICK COMPLAINERS nicht zu verpassen! Von der Band aus dem italienischen Como hatte ich bislang noch nie etwas gehört, aber aber sie haben mich vom ersten Ton an umgeblasen. Nicht nur aufgrund ihrer extrem elanvollen Sängerin erinnern sie mich etwas an eine rauere AJZ-Variante von AMYL AND THE SNIFFERS – zieht euch mal beim Streamingdienst eures Vertrauens Songs wie „Spv“ oder „Woman“ rein, und ihr versteht was ich meine. Definitiv meine persönliche Neuentdeckung des Festivals. Es folgten GEOFF PALMER. Deren namensgebender Frontmann bringt bereits über drei Jahrzehnte Pop-Punk Erfahrung mit und stand in jungen Jahren auch schon mal bei THE QUEERS am Bass. Sein aktuelles Projekt klingt im Vergleich etwas relaxter, wobei die RAMONES-Einflüsse aber unverändert herauszuhören waren. Apropos THE QUEERS: Diese standen zwei Stunden später ebenfalls schon wieder auf der (diesmal kleinen) Bühne! Was war passiert? Wenn ich es richtig mitbekommen habe, hat die eigentlich für diesen Slot vorgesehene Band ihren Auftritt absagen müssen, woraufhin die Veranstaltenden kurzerhand beim Headliner des Vorabends angefragt haben, ob sie nicht ein weiteres Mal spielen möchten. Anstatt die gleiche Setlist erneut runter zu schrubben, wurde diesmal zudem ein spezielles Pop-Set zum Besten gegeben. Solche spontanen Änderungen sind heutzutage auf großen Festivals kaum noch denkbar, beim Punk Rock Raduno hingegen scheint alles möglich zu sein.

Die vorherigen Bands sollen an dieser Stelle aber auch noch kurz erwähnt werden. Da waren zum einen auf italienisch singenden MADBEAT, die irgendwo zwischen melodischem Punkrock und Streetpunk einzuordnen sind und – den Ansagen nach zu entnehmen – vor allem über politische Themen singen. So gab es zwischen ihren Liedern nicht nur das mittlerweile fast schon obligatorische Gaza-Statement, sondern in einer anderen Ansage wurde auch anlässlich des 25. Todestages an den beim G8-Gipfel 2001 in Genua von der Polizei erschossenen Carlo Giuliani erinnert. Weniger politisch, aber dafür umso eingängiger zeigten sich danach THE BAT BITES, bei denen u.a. mit der LONE WOLF-Sängerin und einem der APERS-Gitarristen schon wieder bekannte Gersichter der letzten Tage auf der Bühne standen. Vor allem der dreifache Wechselgesang verlieh ihrem Pop-Punk die nötige Würze. Entsprechend hart dann der Cut zur den darauffolgenden OJNE. Diese stehen nämlich für spielerisch versierten Screamo, wie man ihn hierzulande rund um die Jahrtausendwende von Bands wie YAGE oder ESCAPADO gehört hat – nur eben mit italienischen Texten. Trotz ihres Nischenband-Status kamen sie beim Großteil des Publikums gut an und lieferten einen weiteren Beweis dafür, dass sich das Punk Rock Raduno trotz seines grundsätzlichen Pop-Punk Schwerpunktes als Anlaufpunkt für die komplette Punk-Szene versteht. Das trifft auch auf NABAT zu. Gegründet 1979 (!) dürfte die Oi!-Band aus Bologna zu den ältesten noch (oder wieder) existierenden Punk-Formationen des Landes zählen. Entsprechend textsicher zeigte sich die Crowd vor der Bühne, wobei es auf dem Festivalgelände am Sonntag generell merklich leerer war als an den beiden Tagen zuvor. Auch bei uns machten sich erste Ermüdungserscheinungen breit und angesichts des frühen Rückreise am Folgetag beschlossen wir, auf den heutigen Headliner PANSY DIVISION zu verzichten. Somit war GIUDA die letzte Band für uns. Meinen Geschmack treffen sie mit ihrer Mischung aus Glamrock und Punk´n´Roll zwar nicht unbedingt, der Rest der Anwesenden zeigte sich jedoch auch hier sing- und tanzfreudig. Ein passender Abschluss für ein außergewöhnliches Festival.


Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.