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KLEZ.E – 30.09.2026, Club Stereo (Nürnberg)

Man könnte meinen, KLEZ.E hätten den Zeitpunkt ihrer aktuellen Tour absichtlich in den Herbst gelegt. Die fallenden, bunten Blätter, die letzten Sonnenstrahlen, aber eben auch das zunehmende Grau passen wie die Faust aufs Auge zur melancholischen Musik der Band. So wundert es auch nicht, dass ein Track auf dem neuen Album „Im Herbst“ heißt. Würden sie ihn heute Abend auch spielen?
Zuerst galt es jedoch, der Vorband zu lauschen. Doch halt – gab es überhaupt eine? Im Vorfeld hatten sich das wohl einige gefragt, denn im Netz war dazu nichts zu finden. Und tatsächlich gab es keine klassische Vorband: Stattdessen stand ein alter Kassettenrecorder auf der Bühne. Eine Kassette lief, während zwei Mikrofone den Sound aus den Lautsprechern abnahmen. Davor lag ein Buch auf einem Notenständer, beschriftet mit dem Wort „Vorband“. Mal etwas anderes! Auch wenn die eingespielte Musik nicht schlecht war, hätte es – bis auf den kleinen optischen Effekt – kaum einen Unterschied gemacht, wenn sie direkt über die Clubanlage gelaufen wäre. Auf der anderen Seite passte diese Aktion natürlich perfekt zum Nostalgie-Faktor, den die Band ohnehin mit ihrer Musik bedient.


Dann betrat die Band – standesgemäß im Dunkeln – die Bühne und legte nach einem schönen Intro direkt mit „Hymnus“ los, dem großartigen Opener des aktuellen Albums „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“. Sofort fiel auf: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Der Sound war vom Allerfeinsten. Den dritten Song kündigte Sänger Tobias Siebert leicht abgewandelt an: „Nürnberg, wie schön Du bist“. So sammelt man kleine Sympathiepunkte. Nötig hatte die Band das zwar nicht, denn das Trio machte auf der Bühne ohnehin einen extrem sympathischen Eindruck. Auch nach dem Konzert am Merch-Stand nahmen sie sich viel Zeit zum Plaudern und Platten-Signieren. Tobias Siebert schrieb zudem stilecht auf jedes Album noch das Datum und die Stadt des Konzerts – eine sehr schöne Geste.


Der für mich stärkste Block im Set bestand aus „Melancholia“ und dem direkt anschließenden „Mailied“, beide vom neuen Album. Ersterer ist von der Stimmung her eher ein fröhlicher Uptempo-Song mit einem klassischen Refrain, der mit der Textzeile „Kein Sommer bleibt für immer“ jedoch schon ankündigt, wo die Reise im nächsten Song hingeht. Denn im Song „Mailied“ spürt man die bittersüße Melancholie dann so richtig. Es dauert zwei Minuten, bis der Gesang einsetzt – und diese zwei Minuten sind einfach nur wunderschön. Wenn ich mich bis zu diesem Moment um den typischen THE CURE-Vergleich gedrückt habe: Hier ist er so zutreffend, dass es nicht mehr anders geht. Mit geschlossenen Augen wusste man phasenweise nicht, welcher der beiden Bands man gerade zuhört. Aus meiner Sicht ist das vor allem ein Beleg dafür, wie verdammt gut KLEZ.E (geworden) sind.
Überhaupt muss man allen drei Musikern ein großes Lob aussprechen: Filip Pampuch am Schlagzeug spielt unaufgeregt, aber extrem präzise. Daniel Moheit an Synthesizer und Bass ist für die tragenden, sphärischen Soundteppiche zuständig. Und dass Tobias Siebert – mal an der Gitarre, mal am Bass – sein Handwerk versteht, dürfte sich in Indie-Kreisen ohnehin längst herumgesprochen haben.


Der ganze Abend war schlichtweg magisch – und lang. 21 Songs in zwei Stunden sind heutzutage eine Seltenheit. Und natürlich wurde auch „Im Herbst“ noch gespielt! War ich vor dem Konzert nur ein KLEZ.E-Sympathisant, bin ich nach diesem Auftritt zum astreinen Fan geworden.