HARDCORE SUPERSTAR – Live at sticky fingers

Live-DVDs sind so eine Sache, so wirklich anschauen tut man sich die Dinger nicht, und schafft man sich die auch an, so kann man wenigstens auf reichlich Bonusmaterial hoffen: nette Backstage-Aufnahmen, Interviews, Bilder usw. Wenn aber bis auf das eigentliche Konzert nix weiter auf dem Silberling zu finden ist, stellt sich die Anschaffung der DVD in Frage. Dieses Problem hat auch die erste HARDCORE SUPERSTAR-DVD „Live At Sticky Fingers“. Es zeigt zwar ein gelungenes Live-Konzert in bester Bild- und Soundqualität, der sogar in Dolby Digital 5.1 und 2.0 oder in DTS genossen werden kann. Danach ist aber auch Sense. Es sei denn, man kann diese grottige und nur zweiminütige Backstage-Aufnahme in schwedischer Konversation als Bonusmaterial ansehen. Schade eigentlich.
Über die Show lässt sich aber nicht meckern. Die Bühne ist mit süßen und heimischen Wohnzimmerflair vermittelnden Tapeten geschmückt, die Jungs posensicher, selbstbewusst und zumindest für die ersten Songs perfekt gestylet. Los geht es mit einem typischen Intro, worauf gleich die zwei größten Gassenhauer der neuen Platte „Kick on the upperclass“ und „We don’t celebrate sundays“ in die Menge gefeuert werden. Das Publikum ist außer sich. Weiter geht es hauptsächlich mit den Songs der neuen Platte, worunter auffälligerweise nur vier Tracks gemischt sind, die nicht auf der 2006er Scheibe zu finden sind. Mit dem ZODIAC MINDWARP AND THE LOVE REACTION-Cover „Prime mover“ ist sogar ein Song dabei, der auf keiner Studioveröffentlichung zu finden ist. Dies aber kennt im Publikum wohl keine Sau, was nicht großartig wundert, da das Durchschnittsalter stark nach Gummibärchen riecht. Ansonsten sind die Kids aber ziemlich textsicher und grölen die fleißig gelernten Texte lauthals mit. Schade nur, dass man die Ansagen nicht ohne der schwedischen Sprache mächtig zu sein versteht. Die Stimmung rockt aber allemal, und alle scheinen euphorisiert zu sein. Sogar der Sänger Jocke scheint sich teilweise zu vergessen und tänzelt über die Bühne wie nicht mal Mick Jagger in seinen schlimmsten Zeiten. Und auch das knappe NEW YORK DOLLS-Leibchen, das er am Ende noch an hat, ist mir etwas zu viel des Guten. Aber egal, gleich darauf kommt auch das weg und der weibliche Teil des Publikums darf den Kreisch-Faktor steigern.
Tja, für Fans dieses Genres, die nicht über Geld nachdenken müssen, ist diese DVD durchaus zu empfehlen. Für alle anderen ist ein Live-Konzert alleine bestimmt ein ausreichender Genuss.

Surftipps:
http://www.hardcoresuperstar.com/
http://www.gain.se/

Release:
15.09.2006