Wir müssen es wohl alle zugeben: Es gab schon mal einfachere Zeiten, um auf dieser Welt zu leben. Die Generation, die in den 1980ern groß geworden ist und zu der ich mich auch zähle, hätte sich nie träumen lassen, dass es noch einmal soweit kommt, wie es jetzt gerade ist. Und FLUTEN sind mittendrin. „Wir sind jetzt hier.“, heißt es direkt im Opener, der den Hörenden keine Sekunde Zeit lässt, sich auf „Kalter Stern“ vorzubereiten. Nicht umsonst heißt dieser Opener „Monster“. Ja, das trifft es. Mit der Macht von KMPFSPRT und der Wut von Tausenden im Rücken, legen die Hamburger los.
Es ist düsterer geworden im Universum von FLUTEN, seit sie den Vorgänger „Splitter“ in die Welt entließen. Die Welt ist düsterer geworden, droht, zu kippen und zu brechen, wie FLUTEN es in „Schattenstapel“ verdeutlichen. Das ist einer der Songs, der mich an MUFF POTTER denken lässt, insbesondere, was den erzählenden Gesang angeht. Und so wird „Kalter Stern“ zu einem bitterbösen Postpunk-Gewitter, das sich auch im Screamo zu behaupten weiß. Christian Schütze (unterstützt von Timo Neuscheler) lässt seine Seele am Mikrofon, mit allen Facetten der Gefühlswelt. „Wenn nicht jetzt. Wenn nicht hier. Wenn nicht wir.“ Tja, was dann eigentlich? Wir wollen es nicht wissen und lieber gemeinsam etwas dafür tun, dass daraus ein „Jetzt, hier, wir!“ wird.
FLUTEN blicken mit offenen Augen in und auf die Welt, gestatten sich nicht, sie vor lauter Angst, Ekel oder Abscheu zu schließen, sondern fassen das in Worte, was sie sehen. Und das, da sind wir uns alle sicher, ist nicht schön – sollte aber unbedingt wieder schöner werden. Und da sind wir alle gefordert, vielleicht mit den Songs von „Kalter Stern“ als Rückhalt hinter uns. Aber nicht als Entschuldigung. Gerade in einer Zeit, in der es immer wieder heißt, Musik dürfe nicht politisch sein. Was für ein Bullshit. Sie muss es.
Dieses Album ist eine Kampfansage. Eine von der guten Sorte.