Vieles läuft nicht richtig auf dieser Welt. Und, gebt es doch zu!, wir alle wünschen uns doch eigentlich im tiefsten Herzen nur, mit einer Flasche Wein am Strand zu sitzen und den Nebenmenschen zu fragen: „Willst du mit mir ungehorsam sein?“
DEINE NACHBARN beschäftigen sich mit vielen der aktuellen (oder auch subjektiven, oder auch allgemeinen) Probleme, bieten Lösungen an („Wir trinken kein Bier mit euch!“) und schaffen es, die Dunkelheit der Themen trotzdem auf die Tanzfläche zu führen, denn der drückende Punk zwingt fast dazu, sich zu bewegen. Das ist in jedem Fall einfacher, als die teilweise in Rekordtempo vorgetragenen Lyrics mitzusingen. Teilweise fällt es sogar schwer, so schnell zu denken, wie die Zeilen aus den Boxen drängen. Sicherlich wird hier nicht jeder Ton perfekt getroffen, das würde das Gesamtbild aber auch eher stören als perfektionieren.
Aber, das sei auch angemerkt, DEINE NACHBARN deuten zwischendurch auch immer wieder an, dass sie sowohl die Indieballade, als auch den Berliner Rapstyle absolut beherrschen. Die Neuköllner sind schon auf den ersten vier Tracks abwechslungsreicher als die meisten (oder alle?) Chartstürmer. Und spätestens mit „Ein guter Clown“ beweisen sie dann ihre Bandbreite endgültig.
Ob aufkommender Nationalismus, Klimawandel, Tierwohl, Erwachsenwerden oder Arbeitszeitbetrug: DEINE NACHBARN nehmen sich eigentlich alle Fragen vor, die mindestens ein Teil von uns auch schon immer gestellt hat oder stellen wollte. Und es ist durchaus möglich, in den Texten manch eine Antwort zu finden.
Neben den weltbewegenden stellen DEINE NACHBARN auch die existentiellen Fragen: Ist es eigentlich in Ordnung, wenn man beim Masturbieren an die geliebte Person denkt? Aber ernsthaft: Wenn du das Gefühl hast, alles wird irgendwie immer schlimmer und du stehst machtlos daneben, weil du ja alleine bist: Das bist du nicht! „Brandstiftung“ hilft dir dabei, deinen Rücken wieder zu stärken und deinen Mut ebenfalls. Es geht weiter, lasst es uns gemeinsam in die richtige Richtung drücken!