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WAVING THE GUNS – Am Käfig rütteln

 
Bereits jetzt steht fest: 2022 wird ein gutes Jahr für Zeckenrap. Denn nachdem NEONSCHWARZ vor einigen Wochen bereits mit ihrem großartigen Album „Morgengrauen“ aus der Deckung kamen, legt mit WAVING THE GUNS nun der nächste Hochkaräter aus dem Hause Audiolith nach und versorgt die linksalternative HipHop-Community mit weiteren antifaschistisch motivierten Punchlines. Dass die Rostocker dabei in ihren Texten weniger auf einen theoretischen Unterbau setzen, sondern eher mit schlagfertiger Straßenattitüde unterwegs sind, dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben. Anstelle ein Blatt vor den Mund zu nehmen, rückt MC Milli Dance lieber kurz den Gebissschutz zurecht. Insofern ist es auch nicht wirklich überraschend, dass der Einstieg in das Album in Form von „Gran Canaria“ direkt mit einem Battletrack beginnt, denn „das hier ist immer noch WAVING THE GUNS, du Arschloch“. Dabei sind schlechte Rapper auf „Am Käfig rütteln“ lediglich eine Art Kollateralschaden, denn selbstverständlich führen nach wie vor Rassisten, Sexisten, die Deutschlandfahnenschwenk-Fraktion und neuerdings natürlich auch Corona-Schwurbler*innen die verbale Abschussliste an. Was das Soundfundament betrifft, dominieren immer noch samplebasierte Instrumentals mit dezentem 90er Jahre Flavour, wobei sich hin und wieder auch mal Songs mit moderne Trap-Beats wie die beiden Kinojunge-Produktionen „Gott zum Gruße“ und „Ich weiß nicht recht“ dazwischen mogeln. In puncto Soundvielfalt zahlt sich die Zusammenarbeit mit mehreren befreundeten Beat-Bastlern aus, während Milli Dance bei den Raps nach dem Ausstieg des ehemaligen Crew-Mitglieds Admiral Adonis lediglich in dem Track „Man tut was man kann“ Unterstützung von FATONI erhält. Insofern ist es durchaus als Qualitätsmerkmal zu deuten, dass WAVING THE GUNS auch in veränderter Besetzung die mit den Vorgänger-Alben eigens gesetzte Messlatte problemlos meistern.
 

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.