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TOIFEL – Für immer euer Feind

Gleich mal vor ab: Der Band BERLINER WEISSE stehe ich mit eher gemischten Gefühlen gegenüber. Die Gründe hierfür liegen vor allem in den Anfangsjahren der Band, zu der neben einigen textlichen Ausrutschern (beispielsweise in Songs wie „Schlüpfer“ oder „13 Weiber“) vor allem eine zeitweise Nähe zu Bands und Labels aus dem Grauzonenbereich zählen. Seitdem ist jedoch eine ganze Menge Wasser die Spree herunter geflossen, und auch wenn ich mit dem Sound der Band, ihrer Attitüde und ihrem mitunter ziemlich toxisch-maskulinem Konzertpublikum bis heute nicht viel anfangen kann, muss man der ihnen immerhin zu Gute halten, dass sie sich in ihrem nicht immer ganz einfachen Umfeld inzwischen unmissverständlich gegen Nazis und rechte Umtriebe positionieren. Was das alles mit dieser LP zu tun hat? Ganz einfach: Bei „Für immer euer Feind“ handelt es sich um ein Solo-Projekt von BERLINER WEISSE-Frontmann Toifel, und zu meiner eigenen Überraschung weiß das Album trotz meiner Skepsis besagter Hauptband gegenüber über weite Strecken zu gefallen. Weniger Oi! und mehr Streetpunk lautet die Erfolgsformel, die für mich hier den Unterschied ausmacht. So bestechen Songs wie „Wo wart ihr?“, „Monster“ oder „Lass uns fliegen“ durch vereinnahmende Refrains und einprägsame Melodien, die einen schönen Gegenpol zu Toifels berüchtigter Reibeisen-Stimme bilden. Ein bisschen wie die EASTSIDE BOYS im Krawall-Modus. Inhaltlich dreht sich auf „Für immer euer Feind“ vieles um Depressionen, persönliche Enttäuschungen, falsche Freunde und die Ignoranz der Gesellschaft. Keine leichten Themen also, aber vielleicht genau die richtigen Zutaten, um einem Album wie diesen das nötige Herzblut zu verleihen.

Meine Bewertung

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.