THIS LOVE IS DEADLY – Rosinen des Indiekuchens

Als zu Beginn dieses Jahres das Debüt von THIS LOVE IS DEADLY wie aus dem Nichts erschien, war die Verwunderung allseits groß, denn selten kommt eine Band mit derartig ausgefeiltem Sound und einem ganzen Album voller guter Songs mal eben so aus dem Keller gestiefelt. Grund genug also für uns, ein bisschen Licht auf die Vita der Berliner Newcomer zu werfen.

[F]Euer Debüt-Album kam für Außerberlinersche wie aus dem Nichts. Seit wann gibt es euch und was habt ihr, außer fleißig fürs Recording zu üben, bisher gemacht?
[A]Lisa (Bass, Gitarre, Gesang): Naja, im Grunde genommen gibt es uns schon seit einigen Jahren. Louis und ich machen seit 2006 zusammen Musik, allerdings anfangs eher zurückgezogen und sehr eigenbrötlerisch. Wir haben uns lange Zeit nicht aus unserem Homestudio herausbewegt, sondern haben ununterbrochen Songs geschrieben, ausarrangiert und zuhause aufgenommen, produziert und "ins Archiv gelegt". Wir haben anderweitig wirklich nicht viel gemacht! Als wir HD dann 2009 kennen lernten, hatten wir endlich jemanden gefunden, mit dem wir unsere Musik auf eine professionellere Ebene und auf die Bühne bringen konnten.

[F]Der Sound eures Albums orientiert sich deutlich am Sound von Bands des 4AD-Labels. Ist das Zufall, oder habt ihr gezielt darauf hin gearbeitet, diese Klangästhetik wiederzubeleben?
[A]Louis (Gitarre, Bass, Gesang): Das ist wohl Zufall, denn wir haben unseren Sound nicht speziell nach dem Klangkonzept irgendwelcher Labels modelliert. Obwohl ich kein Problem damit hätte die Pixies als Einfluss gelten zu lassen.
Lisa: Es stimmt schon, dass wir den gängigen Sound heutzutage ziemlich langweilig finden. Es fehlen zu oft die Ecken und Kanten, das Unangenehme, der Dreck, die Elemente, die eine Reibungsfläche bieten, die Raum zur Auseinandersetzung lassen. Der Sound heutzutage ist so überproduziert und poliert und will im Grunde nur gefallen. Es wird nicht mehr gewagt, es kratzt nicht mehr, rauscht nicht mehr, alles ist harmonisch und schön. Das passt wunderbar zu der Schnelllebigkeit und Konsumorientiertheit dieser Gesellschaft. Alles fegt im rasanten Tempo an einem vorbei und Musik wird leider viel zu sehr als Unterhaltungsmedium eingesetzt als dass sie als Kunstform angesehen wird. Degradiert zur schnell konsumierbaren Ware. Das hat in uns natürlich große Energien freigesetzt einen Gegenentwurf abzuliefern und im Bereich Klangästhetik noch mal in andere Gefilde vorzudringen und zu versuchen eine interessante Mischung aus Lo- und Hi-Fi hinzubekommen.

[F]Neben Bands wie LUSH, MY BLOODY VALENTINE oder SONIC YOUTH, höre ich bei euch auch frühe HOLE oder gar ganz frühen englischen Punk heraus. Wo sortiert ihr euch selbst ein, und wer beeinflusst euch tatsächlich beim Sound und beim Songwriting?
[A]Louis: Die Energie des Punks hat uns anfangs sicherlich stark beeinflusst, vor allem die RAMONES Live Platte von 1977. Aber ganz speziell auch die Musik von den STOOGES, VELVET UNDERGROUND, BEACH BOYS, LOVE, THE UNITED STATES OF AMERICA…dieser ganze amerikanische Psychedelic Rock ist sicherlich unser größter Einfluss. Aber auch neuere Sachen wie PORTISHEAD, BROADCAST, AIR oder MOGWAI. HOLE mag ich nicht besonders. Ein starker Einfluss aus dieser Zeit sind allerdings DAISY CHAINSAW und DROP NINETEENS aber auch die besagten MBV, SY oder DINOSAUR JR. LUSH kenne ich überhaupt nicht. Dazu kommen noch Einflüsse aus Deutschland von NEU!, TOCOTRONIC und THE NOTWIST. Und dann noch Old-School Hip Hop von DE LA SOUL und PUBLIC ENEMY. Pop von MADONNA, SOUL, R’n’B., und und und… so viele Einflüsse aus allen Stilrichtungen und Epochen!!!
Somit wirklich schwer zu sagen was wir jetzt genau sind, aber ich schätze Alternative Pop/Rock könnte es schon sein.
Lisa: Unsere Einflüsse sind wahnsinnig viele, somit finde ich es unheimlich schwierig uns in ein bestimmtes Genre zu packen oder uns einem bestimmten Jahrzehnt zuzuordnen. Inspirationsquelle kann neben der Musik auch alles mögliche sein: ein Roman von Hermann Hesse, eine Geschichte von Anais Nin, ein Bild von Dali, ein Film von David Lynch, ein Blick der zwischen zwei Menschen ausgetauscht wird, die Magie des Moments…

[F]Welchen Stellenwert haben bei euch die Texte? Sollen sie nur gut zur Musik klingen, oder wollt ihr bewusst Botschaften unters Volk bringen?
[A] Lisa: Die Texte sind für uns schon wichtig, aber insofern zweitrangig, als dass ein Song nicht auf sie angewiesen ist, um zu funktionieren. Die Stimmung eines Songs wird über die Musik transportiert. Den Gesang setzen wir sehr gerne als instrumentales und rhythmisches Element ein. Somit ist die Gesangsmelodie weitaus wichtiger als die Worte dahinter. Was nicht heißen soll, dass die Texte blödsinniger Stuss sind. Sie haben ihre eigenen Geschichten und Welten, aber basieren weniger auf einer intellektuellen Ebene als auf einer emotional-intuitiven. Zum Teil sind sie auch sehr surrealistisch, im "traumhaften" Sinne.

[F]Oft hören Musiker ganz andere Musik als die, die sie selber machen. Was flasht euch aktuell und welche Alben haben für euch auch über Jahre hinweg nichts an Attraktivität eingebüßt?
[A] Louis: Zuhause höre ich meistens immer noch gerne die Alben von NEIL YOUNG, SCOTT WALKER, BRIAN ENO, MARVIN GAYE und so Sachen, alles mögliche eigentlich. Gerne auch Filmmusik von NINO ROTA, LALO SCHIFRIN, HENRY MANCINI usw. Eines meiner zeitlosesten Lieblingsalben überhaupt ist das Debüt des Brasilianers ARTHUR VEROCAI.
Lisa: Ich höre nach wie vor gerne alte NINA SIMONE, BILLIE HOLIDAY und EDITH PIAF Platten. Eine Platte die mir sehr viel bedeutet ist "Anima Latina" von LUCIO BATTISTI – ein großartiges Werk. Die späteren TALK TALK begeistern mich nach wie vor. Zuletzt hat mich die neue PJ HARVEY Platte "Let England shake" sehr geflasht. Auch TAME IMPALA ist eine der wenigen neuen Bands, die ich sehr inspirierend finde.

[F]Wie habt ihr zusammengefunden?
[A] Lisa: Louis und ich haben uns vor circa 7 Jahren kennen gelernt. Ein leidenschaftliches Interesse an Musik und die Bewunderung der künstlerischen Kreativität des anderen, setzten den Wunsch in uns frei, miteinander Musik machen zu wollen. Louis war damals noch mit einer anderen Band unterwegs und ich bastelte zuhause – sehr isoliert und eigenbrötlerisch – an Eigenkompositionen herum, sehnte mich aber zunehmend nach musikalischem Austausch mit Gleichgesinnten. Wir befanden uns beide in Situationen in denen wir nach Veränderung strebten, es herrschte eine gewisse Aufbruchsstimmung. Die geteilte Liebe zu Krach, Chaos und Psychedelic trieb uns der Vision von TLiD entgegen. Wir fingen an ein Demo nach dem anderen aufzunehmen, alles mit begrenzten Mitteln und noch sehr dilettantisch, aber das war uns egal, wir sprudelten nur so vor Ideen und Songs und die wollten ja irgendwie festgehalten werden. Der Lo-Fi Sound trug eine gewisse charmante Note dazu bei, die wir uns bis heute bewahrt haben. 2010 lernten wir dann HD kennen und es stellte sich schnell heraus dass wir von da an zu dritt unterwegs sein würden.

[F]Mit Noisolution habt ihr ein kompetentes Label. Wie kam der Kontakt zustande?
[A] Lisa: Eigentlich so, wie es sich ein jeder Künstler wünscht! Arne sah uns live, schrieb uns daraufhin an und fragte, ob wir nicht zusammenarbeiten wollen.

[F]Was hat sich seit der Veröffentlichung von THIS LOVE IS DEADLY in eurem Leben verändert?
[A] Louis: Nichts Wesentliches. Es ist aber ein sehr gutes Gefühl, endlich schon mal was draußen zu haben, um darauf aufbauen zu können. Das gab es so vorher noch nicht.

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