BONDAGE FAIRIES – Mal was anderes als Kunst!

Die BONDAGE FAIRIES sind eine Band, die eher live von sich reden macht als durch ihre von Konsolensounds umwobenen Musik. Klar, dass es mehr Spaß macht, Menschen mit Masken auf Bühnen herumturnen zu sehen als sich aufgedrehtes Spielzeuggeklimper durch heimische Boxen dröhnen zu lassen. Viel Spaß macht es auch, wenn man sich den Sänger einer solchen Band schnappen und ihm auf den Zahn fühlen darf. Dass hinter dem zappeligen Frontmann ein sensibler Mensch mit eigenen Komplexen und Songwriter-Ambitionen steckt, ist ebenso verwunderlich wie sympathisch. Lest selbst!

[F] Wie geht es dir?
[A] Ich bin müde.

[F] Müde? Zum Beginn der Tour?
[A] Ganz genau. Kein Schlaf, viel Stress und viele Proben, gerade zum Tourbeginn. Aber ansonsten ist alles top. Ich sollte mich gar nicht beschweren.

[F] Dann stell dich doch mal kurz vor, damit die Leser wissen, mit wem sie es hier zu tun haben.
[A] Oh, selbstverständlich. Mein Name ist Elvis Creep und ich bin von der Band BONDAGE FAIRIES. Meine Lieblingsfarbe ist Panic Attack Red. Das war´s.

[F] Freust du dich schon auf die Tour?
[A] Ja, obwohl es wahrscheinlich keine besonders gesunde Reise wird.

[F] Ich verstehe, was du meinst (und blicke auf sein Bier)? Was bedeutet denn Touren für dich?
[A] Ein niedriges Einkommen, Beschäftigung und etwas Spaß. Und ich bekomme Bier und Essen. Aber das kann ich auch zuhause haben. Natürlich will ich jetzt nicht verwöhnt klingen. Ich mag es nicht sehr, auf der Bühne zu stehen, das macht mir Angst. Ich mag es nicht, wenn ich angestarrt werde.

[F] Deshalb habt ihr auch eure Masken?
[A] Ganz richtig, so ähnlich hat das angefangen. Im Prinzip ging es um einen Mikrofonständer. Früher habe ich Gitarre gespielt und gleichzeitig gesungen. Da ich ein schlechter Gitarrenspieler war, musste ich immer runterschauen, und wenn man dann noch singen muss, ist das ziemlich kompliziert. Da haben wir uns gedacht, wenn wir jetzt einen Helm oder eine Maske hätten und da das Mikrofon irgendwo anbringen, ist das gut gelöst. Aber das war früher. Nun haben wir Bee Bee Prime, den Gitarristen, und ich habe nur noch das Keyboard bei manchen Songs. Jetzt kann ich also so tun, als wäre ich ein echter Sänger.

[F] Das ist der Grund, warum ihr einen neuen Gitarristen habt?
[A] Nein, natürlich nicht. Der Hauptgrund ist, dass wir unbedingt einen guten Soundtechniker brauchten, zusätzlich zu dem, den die Clubs uns stellen. Es ist immer gut, jemanden zu haben, der uns hilft. Meistens war der aber ziemlich arbeitslos, denn er macht nur den Soundcheck und das funktioniert meistens recht gut. Gleichzeitig konnte er aber zehnmal besser Gitarre spielen als ich, also hat er das auch übernommen. So hat das angefangen, und mittlerweile werde ich immer fauler.

[F] Aber einen neuen Drummer habt ihr auch! Auf euren vorherigen Alben habt ihr das Schlagzeug nur elektronisch eingespielt.
[A] Genau, jetzt haben wir programmierte und echte Drums. Wir können jetzt Fills einsetzen, das klingt viel interessanter. Besonders live macht es sehr viel Spaß mit unserem echten Drummer. Den Schritt zurück möchte ich nicht mehr machen, denn so ist es wirklich toll.

[F] Ihr habt euer aktuelles Musikvideo in Hamburg gedreht. Wie kam es dazu?
[A] Wir haben hier unser Management. Und Hamburg war schon immer die erste Anlaufstelle, weil es am nächsten an Schweden dran ist. Am Anfang haben wir nur ein paar Mal in Hamburg gespielt, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir hier die meisten Fans haben. Unser Management hat da irgendwas mit dem Musikbunker arrangiert. Ich mag diesen Ort sehr. Er ist irgendwie cool. Ich würde da drin zwar nicht schlafen und auch nicht leben wollen, aber es ist toll, dass sie für das Gebäude noch Verwendung gefunden haben und nach dem Krieg noch was damit anstellen konnten.

[F] Wie würdest du denn euren Musikstil beschreiben?
[A] Allgemein wird er als "Nintendo Death Punk" bezeichnet. Death Punk ist ein nettes Genre, aber ich nenne es eigentlich Synth Punk. In manchen Plattenläden sind wir auch unter Pop/Rock zu finden.

[F] Als ich neulich eure Platte gehört habe, hatte ich den Eindruck, dass eure Musik so etwas wie eine Legitimation von Kindheitsmusikerinnerungen ist. Eine Art Peter Pan-Syndrom, dass ihr eigentlich alle gar nicht erwachsen werden wollt..
[A] Ah, ja. Das habe ich noch nie diagnostiziert bekommen. Aber klar, sobald ich diese Computersounds von alten Rechnern und Nintendoklänge verwende, fühlen sich Leute, die in den Achtzigern geboren wurden, automatisch an ihre Kindheit erinnert. Wie sagt man dazu? Nostalgie! Aber das trifft auch auf jede andere Band zu. Ich habe viele Freunde, die Psychedelic Garage spielen. Die sind ebenso von ihrer Kindheit beeinflusst worden.

[F] Kann es denn sein, dass ihr in zehn Jahren völlig andere Musik spielt?
[A] Nein, ich denke, man hat das, was man aus seiner Kindheit mitbringt. Ich hoffe jedenfalls, denn es wäre schrecklich, wenn wir irgendwann Rap oder so was machen würden.

[F] Aber ändert sich denn der Musikgeschmack nicht im Laufe eines Lebens? Oder hörst du immer noch dasselbe wie in deinen Kindheitstagen?
[A] Ja, irgendwie schon. Obwohl, nicht wirklich. Ich hab nicht so viel Musik gehört, als ich ein Kind war. Natürlich findet man neue Sachen, die man mag. Aber wer uns jetzt genau dazu inspiriert hat, diese Musik zu machen – keine Ahnung. Nintendo Death Punk war irgendwie immer dabei. Aber natürlich gehen wir irgendwann auch in andere Richtungen.

[F] Wie habt ihr euch eigentlich gefunden?
[A] Am Anfang waren es nur ich und ein anderer Typ, die die BONDAGE FAIRIES gegründet haben. Zu der Zeit wusste ich weder, wie man Gitarre, noch wie man Bass spielt. Damals habe ich mich nur mit der Elektronik befasst. Ich habe probiert, Gitarre zu spielen, aber es war schrecklich. Ein Mädchen in meiner Schule sagte dann, dass der Freund ihrer Schwester Gitarre spielt und unsere Musik ganz gut findet. Das war Deus. Er ist beigetreten und der andere Typ gegangen. Deus und ich haben dann viele Jahre zusammen gespielt. Er Bass und ich Gitarre, was ich in der Zwischenzeit etwas gelernt habe. Wir haben dann unsere ersten beiden Alben aufgenommen und Bee Bee Prime getroffen, der zu der Zeit unser Aufnahmetechniker war. Er hatte damals noch seine eigene Band, in der auch Drummer Boy mitgespielt hat. So kam eins zum anderen.

[F] Wovon handelt euer aktuelles Album? Oder haltet ihr euch jeglicher Festlegung fern?
[A] Es ist kein Konzeptalbum. Jeder Song handelt von einem speziellen Thema, aber im Zusammenhang haben sie nicht viel miteinander zu tun. Auf den vorherigen Alben habe ich versucht, die Musik so simpel wie möglich zu halten, um sie problemlos zu zweit auf der Bühne wiedergeben zu können. Auf dem aktuellen Album sind wir etwas davon weggekommen, denn wir wollten es so gut wie möglich machen. Es ist zwar ein sehr kurzes Album geworden, aber es steckt trotzdem viel Arbeit dahinter.

[F] Wie wichtig ist dir Songwriting?
[A] Für mich ist es schon sehr wichtig. Es ist die einzig wahre Profession, die ich bei der Musik habe. Es ist kein tiefgründiges Zeugs, sondern taucht eher im Unterbewussten auf. Oh fuck, das klingt ziemlich stereotyp (lacht). Es beginnt mit einer Melodie, und dann packe ich die passenden Lyrics dazu. Normalerweise macht das sehr viel Spaß, denn die Leute mögen die Texte nicht sehr. Sie denken dann eher: "Ja, es ist ganz gut, aber die Lyrics handeln nur von Pisse und Scheiße." Natürlich haben die Songs eine tiefere Bedeutung, aber vielleicht muss ich einfach noch besser darin werden.

[F] Eines Tages wirst du also noch ein ernsthafter Songwriter?
[A] Das bin ich schon. Das kam vielleicht gerade aus meiner dämlichen Erklärung nicht richtig hervor, aber ich versuche, so ernsthaft wie möglich zu sein. Vor ein paar Jahren habe ich das Versprechen gegeben, niemals Liebeslieder zu schreiben. Inzwischen gibt es aber bereits einige sehr verdrehte Liebeslieder, auch wenn es sich nie um positive Liebe handelt. Die Kategorien ernst und albern finde ich aber ziemlich stupide. Natürlich kann man auch Lieder schreiben wie "Pillemann, Fotze, Arsch", aber das ist dann eher Kunst (lacht).

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