14 Jahre sind eine lange Zeit. In dieser Zeit wurde Barack Obama in den USA wiedergewählt, Wladimir Putin kehrte als russischer Präsident zurück, die Costa Concordia havarierte vor der Insel Giglio und PSY veröffentlichte „Gangnam Style“. Außerdem erschien TAYLOR SWIFTs Album „Red“, und 2012 markierte den Moment, in dem Smartphones und soziale Medien endgültig den Alltag durchdrangen.
Ebenfalls 2012 spielten THE CRIBS ihr letztes Konzert im Hamburger Uebel & Gefährlich. Eine verdammt lange Zeit – und Anlass zur Frage, wie sehr das Hamburger Publikum das britische Geschwister-Trio heute noch auf dem Schirm hat, das sich 2002 in West Yorkshire gründete.
Ihr Debütalbum erschien 2004, 2007 begegneten sie mir erstmals live – als Support der KAISER CHIEFS im Hamburger Stadtpark. Die Band war mir damals unbekannt, doch am Ende des Abends hatte ich ohne Zweifel die bessere Band im Vorprogramm gesehen. In dieser Phase feierten THE CRIBS ihre größten Erfolge: mit dem Top-30-Hit „Hey scenesters!“, dem von der britischen Presse gefeierten Album „Men’s needs, women’s needs, whatever“ (Platz 13 der UK-Charts) sowie wachsender Anerkennung in der Indie-Szene – nicht zuletzt durch
FRANZ FERDINANDs Alex Kapranos als prominenten Unterstützer.
Nach einer Phase voller Brüche, Rechtsstreitigkeiten und Unsicherheit fanden THE CRIBS schließlich wieder zu sich zurück – räumlich wie musikalisch. Mit dem von Patrick Wimberly produzierten Album „Selling the vibes“ (bei blueprint zum Albumtipp gewählt) knüpfen sie an ihre alte Stärke an: eingängige Melodien, reduzierter Druck und der unverändert spürbare Zusammenhalt der Brüder, weitergetragen in gereifter Form.
Knapp 200 Menschen versammelten sich an diesem Mittwochabend im Kent Club unter dem Stage Theater Neue Flora – ein eher selten genutzter Ort für Konzerte dieser Größenordnung. Ein Umzug ins Molotow hätte vermutlich noch einmal rund 100 zusätzliche Besucher bedeutet, doch die Stimmung war bereits im aktuellen Rahmen gut gefüllt und sichtbar getragen von einem Publikum, das offensichtlich genau auf diese Band gewartet hatte. Viele alte Tour-Shirts waren im Raum zu sehen, die Vorfreude entsprechend hoch.
Nach einem halbstündigen Support von BABY SMITH aus Australien, inzwischen in Berlin ansässig, betraten THE CRIBS die Bühne mit „Dark luck“ vom neuen Album. Der Einstieg saß sofort, ohne Umwege. Es folgten mit „I’m a realist“, „Hey scenesters!“ und „I’m alright me“ gleich drei Songs aus den 2000ern, die das Publikum unmittelbar zurück in die Phase versetzten, in der die Band mit ihrem gitarrenlastigen Sound, Britpop-Anklängen, klaren Gesangsharmonien und prägnanten Riffs ihren Durchbruch erlebte.
Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein breit gefächertes Set, das die verschiedenen Phasen der Bandgeschichte sinnvoll miteinander verband. Dass dabei die Alben „24-7 rock star shit“ und „Night network“ komplett ausgespart blieben, wirkt dabei weniger wie ein Zufall als eine bewusste Setlist-Entscheidung: stilistisch stehen beide Veröffentlichungen etwas abseits des ansonsten sehr geradlinigen, gitarrengetriebenen Katalogs der Band und fügen sich daher nur bedingt in den dramaturgischen Bogen des Abends ein.
Mit dem hymnischen „Be safe“ leitete die Band schließlich die Schlussphase des Sets ein, bevor mit „Men’s needs“ und „Mirror kissers“ noch einmal zwei rauere ältere Stücke folgten, die die Intensität zum Ende hin deutlich anhoben. Zum Abschluss scherzte Sänger und Bassist Gary, sie würden „in 14 Jahren wiederkommen“, bevor mit „Pink snow“ das Set schließlich endgültig endete.
Bitte nicht, Jungs. Ein bisschen früher dürft ihr gern zurückkommen. Oder, in Anlehnung an die Weltlage: bitte vorher noch kurz Wladimir Putin in Russland absetzen und Barack Obama ein drittes Mal ins Amt hieven – idealerweise noch vor 2040.