TEN FOOT POLE – Mehr als eine Dekade Punkrock

Während in der Musikbranche Bands eher kurzlebig sind und Trends und Stilrichtungen wechseln wie Trainer in der Fußballbundesliga, bleibt man sich bei TEN FOOT POLE treu, zumindest im Stil. Bandmitglieder wechseln relativ häufig, manchmal leider auch durch tragische Fälle. Dennis, Sänger, Gitarrist und Motor von TEN FOOT POLE, sieht darin aber kein Problem.

In gut zehn Jahren ist einiges bei TEN FOOT POLE passiert. Wie denkst du jetzt über die Band?
Wir haben gerade ein Album aufgenommen, das mir persönlich sehr gut gefällt. Kevin und ich sind gute Freunde, und der Rest der Band hat sich gut eingefügt. Wir touren viel und haben viel Spaß – ich möchte zur Zeit nichts Anderes machen, als mit TEN FOOT POLE auf Tour sein. Es ist einfach eine gute Sache, auch eine Geschichte zu haben. Ich mache schon seit über 20 Jahren Musik und jetzt schon 10 Jahre TEN FOOT POLE, das ist doch Wahnsinn!

Wie ist dein Verhältnis zu Kevin, der auch schon lange mit dir Musik macht, im Vergleich zu den neuen Bandmitgliedern?
Es ist schon etwas Besonderes. Man kann sich aufeinander verlassen und weiß, wie der andere reagiert. Wir wussten auch genau, welche Eigenschaften unsere neuen Mitstreiter haben sollten, da viele oft nur Geld und Ruhm wollen, aber niemals an einer Platte arbeiten könnten. Aber mit den beiden Neuen ist das nicht der Fall. Wir sind ein gutes Team geworden. Es ist immer ein Wettbewerb, die besten Leute zu finden für das Album und für eine Tour. Aber Kevin ist da schon wichtig und ein guter Freund und ein harter Arbeiter. Auch wenn wir jetzt einen 70s Classic-Rock-Gitarristen in der Band haben, sind wir immer noch eine Punkband.

Würdest du sagen, dass dieses Line-Up nun Bestand hat?
Ich will mich da nicht unter Druck setzen. Fakt ist, wir haben eine gute Zeit auf Tour, haben ein gutes Album gemacht, und jetzt werden wir sehen, was passiert. Wenn es ihnen nicht gefällt und sie keinen Spaß mehr haben, dann sollen sie gerne gehen. Diese Band soll Spaß machen! Wer den Spaß verliert, sollte sich dann neu orientieren.

Wird man nicht irgendwann müde, wenn man immer wieder neue Bandmitglieder suchen und immer wieder die alten Songs mit ihnen komplett neu erarbeiten muss?
Ja, schon. Aber es ist immer noch einfacher, jemanden Neues zu motivieren und zu finden als jemanden zu halten, der unzufrieden ist.

Kannst du mittlerweile von TEN FOOT POLE leben?
Nein, keiner von uns lebt von der Musik. Wir haben alle Jobs. Ich arbeite zum Beispiel als Mischer. Wir verdienen zwar ein wenig Geld auf Tour, aber wir müssen einen Proberaum bezahlen, unser Van kostet Geld und so weiter. Wenn wir mehr Platten verkaufen würden, dann vielleicht. Aber wir sind nun mal eine kleine Underground-Band und kein Megaseller.

Dann lass uns doch mal über "Subliminable messages" reden! Es ist schon deutlich abwechslungsreicher als euer altes Material, gerade der Opener.
Ja, in der Tat. Ich finde es gut, dass wir mit etwas Hardcore beginnen. Wir haben viel Zeit investiert und vieles ausprobiert. Ich finde, das ist uns gut gelungen.

Welchen Einfluss hatte Victory auf eure Platte, obwohl sie nun auf Go-Kart erscheint?
Och, hör auf! Wir hatten so viele Streitigkeiten mit den Leuten bei Victory über alles Mögliche, und letztendlich haben sie dann gesagt: „Okay, das ist dein Budget, mach ein Album damit!“ Ich sagte „Fuck that“, habe mir dann verschiedene Kreditkarten besorgt und sie alle überzogen, damit ich ein Album machen konnte, das meinen Vorstellungen entspricht. Als es dann fertig war, habe ich ein Label gesucht, und Go-Kart hat das Album herausgebracht. Victory hätte sogar ein anderes Album-Cover verlangt, Go-Kart hat das Album so genommen, wie wir es ihnen angeboten haben.

Bei "Bad mother trucker" hatten sie aber schon einen Einfluss, oder?
Naja, über die Kohle, die sie uns gegeben haben, sicherlich, aber ansonsten eher weniger. "Bad mother trucker" war viel mehr durch bandinterne Streitigkeiten und Produktionsfehler nicht so gelungen. Es lebte sehr von Kompromissen. Wir verkaufen es auch heute nicht mehr, was aber eher an den Streitigkeiten mit Victory liegt. Viele Songs haben wir auch heute im Programm, und sie kommen sehr gut bei den Fans an. Außerdem haben sie einfach nicht den versprochen Marketingplan durchgezogen, vielleicht weil sie dachten, TEN FOOT POLE würden sich auflösen, warum auch immer. Sie haben einfach zu wenig in das Album investiert. Ich weiß nicht, wie das in Europa war.

Auf "Subliminable messages" gibt es einen Song, der so gar nicht ins Konzept passt: "Your world".
Ja, das ist richtig. Die Lyrics könnten auch zu einem härteren Song passen, aber wir haben einfach die Gitarren leiser gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Song mal in der Öffentlichkeit spielen würde, aber neben dir haben in den Staaten auch einige Leute schon nach diesem Song gefragt und das, obwohl das Album erst gerade erschienen ist. Eigentlich wollen die Leute immer die alten Sachen, die sie kennen, oder Beiträge zu "Punk-O-Rama", halt alles, was einigermaßen bekannt ist. Daran halten wir uns auch. Es geht hier um Spaß, und wenn die Kids an den alten Stücken Spaß haben, dann spielen wir sie. Ein zufriedenes Publikum ist uns wichtig.

Würdest du sagen, dass ihr mit der Zeit immer "ruhiger" werdet und auch mal den einen oder anderen richtigen Pop-Song habt?
Nein, eigentlich nicht. Wir haben für jedes Album immer knapp 50 Songs fertig. Die besten werden genommen, der Rest für immer begraben. Da kann es sein, dass auch mal ein ruhigeres Stück dabei ist. Ein Trend oder eine bewusste Abkehr von den Punksongs würde ich da aber nicht sehen.

50 Songs für ein Album???
Ja, jeder bringt halt alle seine Ideen ein, und jeder diskutiert über die Ideen der anderen. Daher auch die verschiedenen Stilrichtungen der Songs und deswegen auch immer ein wenig Entwicklung in andere Richtungen.

Und die restlichen 35 Songs werden dann für Solo-Projekte verbraten? Oder Best-Of-B-Seiten-Sammlungen?
Wenn es nicht gut genug ist für ein TEN FOOT POLE-Album, dann ist es nicht gut genug, aufgehoben zu werden. Obwohl ich manchmal an alte Stücke denke und versuche, Riffs wieder zu erlernen.

Also werden wir noch viele TEN FOOT POLE-Alben in der Zukunft erleben können?
Haha, ja schon. Ich weiß nur noch nicht, wie das mit dem Touren weitergeht. Ich habe ein zehn Monate altes Baby, stehe also immer im Konflikt, da ich natürlich gerne bei dessen Erziehung dabei wäre und es jeden Tag sehen möchte. Andererseits liegt mir TEN FOOT POLE auch wie ein Baby am Herzen. Aber die Entfernung hilft mir auch dabei, das alles zu schätzen, so dass die Freude bei der Rückkehr immer größer ist. Jetzt noch die Europa-Tour zu Ende, und dann kommt das Album in den Staaten heraus. Vielleicht schaffen wir es dieses Mal auf die Warped-Tour, auf der wir ja noch nie waren. Ich weiß nicht, was wir da falsch machen, vielleicht haben wir nur die falschen Schwänze gelutscht…