LAST DAYS OF APRIL – Ein Interview Anfang Mai

Ich traf Karl Larsson, den Sänger, Gitarristen und Songwriter von LAST DAYS OF APRIL, vor ihrem Konzert im Molotow. Doch obwohl er bei LAST DAYS OF APRIL alle Fäden in der Hand hat, wirkt er keineswegs wie ein zielstrebiger, selbstsicherer Mastermind, sondern eher schmächtig, unauffällig und ein wenig schüchtern. Im Interview gibt er Auskunft über das neue Album, seine Meinung von der Punkrock-Szene und inwiefern LAST DAYS OF APRIL die Verwirklichung seines Soloprojekts ist.

Lass uns über das neue Album sprechen. „If you lose it“ ist weniger „elektrisch“ und auch nicht so vielschichtig wie die älteren Sachen.
Unser Hauptaugenmerk lag darauf, ein Album zu machen, das als Ganzes viel schlüssiger ist, und wo die Songs untereinander besser miteinander verknüpft sind. „Ascent to the stars“ war eine Zusammenstellung vieler verschiedener Songs, während das neue Album sehr homogen ist.

Ich finde aber, dass zum Beispiel „Angel youth“ auch sehr durchdacht und konzeptionell aufgebaut ist.
Ja, es ist zwar ein komplettes Album, aber es sind auch ruhige Songs, wie „Make friends with time“ drauf, die leider aus dem Rahmen fallen. Die Produktion des neuen Albums sollte zudem sehr einfach und natürlich sein. Um die Sache etwas mehr „old school“ klingen zu lassen, haben wir alles live eingespielt.

Was waren Eure Gründe, Euch musikalisch zu verändern? Für mich sind die Unterschiede ähnlich wie bei den GET UP KIDS von „Something to write home about“ zu „On a wire“.
Aha. Ich kenne „On a wire“ gar nicht.

Ich finde, dass sowohl „On a wire“ als auch „If you lose it“ eine gewisse Lagerfeuerstimmung vermitteln.
Als ich über das neue Album nachdachte, wollte ich mein Gitarrenspiel verändern und verstärkt einzelne Saiten statt ganzer Akkorde spielen. Das war am Ende aber zu hart, und so bin ich doch wieder auf die Akkorde zurückgekommen. Meinen Wille, den Sound zu verändern, habe ich aber doch durchgesetzt, und ich finde, dass die neuen Songs in dem jetzigen Sound sehr stark klingen.

An der Produktion waren ja nur zwei Musiker beteiligt. Wie gestaltet sich anschließend eine Tour mit geliehenen Musikern?
Wenn wir auf Tour sind, gehören auch die „geliehenen“ Musiker zur Band. Aber ich mache die Interviews, da sie über die Band nicht so viel wissen. Allerdings kann man so auch nur auf ein gewisses Repertoire an Songs zurückgreifen.

Hat sich eigentlich das Publikum oder dessen Reaktionen mit den musikalischen Entwicklungen verändert?
Ich hoffe, dass ein paar neue Zuschauer dabei sind.

Wolltest Du das Publikum ändern?
Nein, ich liebe das Punkrock-Publikum und die Szene. Sie haben im Gegensatz zu den Radio-Hörern ihre eigenen Methoden, neue Musik zu finden. Das mag ich. Dieses Publikum will ich auf jeden Fall behalten! Und ich hoffe, dass dem auch so ist.

Welche Musik begeistert Dich?
DINOSAUR JR. haben mich immer sehr inspiriert. THE SPINANES und die LEMONHEADS zählen auch zu meinen absoluten Lieblingsbands.

Hörst Du ausschließlich alte Sachen?
Ja, obwohl ich auch sehr auf das neue Album von EVAN DANDO stehe. Das hören wir im Bus etwa drei, vier Mal am Tag. Die Produktion ist großartig und die Songs sind wunderschön.

Dann hast Du Dich mit dem neuen Album ja ein bisschen in Richtung Lieblingsbands bewegt.
Ja, wobei ich auch schon mit vierzehn DINOSAUR JR. gehört habe. Danach kam die ganze Hardcore-Sache, von der ich mich auch inspirieren ließ. Aber ich denke, dass wir in dieser Band alles vermischen: die rauen Gitarren von QUICKSAND und die Melodien von DINOSAUR JR. und SEBADOH. Bisher haben wir immer eine Art „melodischen Hardcore“ gespielt. Aber jetzt haben wir gelernt, poppige Songs zu schreiben, was wir am Anfang noch gar nicht konnten.

War es denn immer ein Ziel von euch, poppigere Sachen zu machen?
Nein, ich denke, wir haben uns keine Ziele gesetzt. Es ist einfach alles so passiert.

Hatte euer Produzent Einfluss auf die Songs?
Mit Pelle zusammenzuarbeiten war am Anfang wirklich ein Segen! Das war echt toll, da nach „Rainmaker“ vom Sound her alles scheiße klang. Er half uns dann enorm, zu „Angel youth“ alles besser zu machen, einen guten Sound, neue Ideen und andere Blickwinkel zu finden. So hat er sicherlich auch diesmal wieder dazu beigetragen.

Du hast ja schon eine Solo-7’’ veröffentlicht. Wie sieht’s mit einem eigenen Album aus?
Mit LAST DAYS OF APRIL veröffentliche ich mittlerweile ja hauptsächliche meine eigenen Sachen. Deshalb muss ich nicht unbedingt ein eigenes Album herausbringen. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich nicht solche Pläne hätte…
Ich fühle mich jedoch in dieser Band auch nicht dazu verpflichtet, ein Album herauszubringen, dass nach LAST DAYS OF APRIL klingen muss. Das ist für mich nicht wichtig. Und da ich keine Verpflichtungen habe, bin ich mit den Sachen, die wir herausbringen, glücklich.

War die Monarchie in der Band auch der Grund, dass es jetzt nur noch zwei feste Musiker bei LAST DAYS OF APRIL gibt?
Nein, es war eher so, dass die anderen keine Lust mehr auf die Musik hatten und deshalb gingen.

Wer sind die Gäste auf dem neuen Album?
Das waren gar nicht so viele: Mattias und Mathias von LOGH und Pelle Gunnerfeldt von FIRESIDE. Mathias hat das Album ja auch mit produziert und auf allen Songs, den Bass gespielt – bis auf einen Song, wo Pelle den Bass übernahm.

Ihr tourt demnächst auch in Japan. Lohnt sich das?
Wir verdienen zwar damit kein Geld, aber verlieren auch nichts. Und deshalb lohnt es sich!

Verdienst Du mit LAST DAYS OF APRIL genug Geld zum Leben, oder hast Du nebenbei noch einen Job?
Ich kann seit etwa drei Jahren von der Band leben. Das ist sehr gut!

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was wäre das?
Puh, keine Ahnung. Ich habe im Moment ein großartiges Leben und mache das, was ich mag. Meine Freundin und ich haben im letzten Sommer ein Apartment in Stockholm gekauft. Und ich freue mich schon total darauf, heute Nacht wieder nach Hause zu fahren und sie wiederzusehen.