Nun ist es also soweit, fast drei Jahre nach der letzten EP kommt nun „Toska“ ans Tageslicht, das neueste Fulltime-Album von OSKAR ICH. Wobei Tageslicht vielleicht das falsche Wort ist, um dieses Album anzupreisen. Es dreht sich nicht nur laut der Presseinfo um die deutsche Bedeutung des russischen Wortes Toska: Verzweiflung. Und die spielt sich bekanntlich ja eher in seelisch dunkleren Gefilden ab.
Nachdem die ersten beiden Tracks (insbesondere der titelgebende) dann eben diesem Gefühl allen Raum lassen, zeigt OSKAR ICH dann aber, dass es auch anders geht. Der „Fluchtversuch“ tänzelt fast ins Zimmer, ruht sich auf Akkorden aus und gibt sich nahezu jazzig. Obwohl es inhaltlich um sehr dramatische, aktuelle Themen geht. Die Text-Musik-Schere geht hier ziemlich weit auseinander.
Mit zunehmender Albumdauer zeigt sich OSKAR ICH auch wieder verstärkt dem verschrobenen Indie zugewandt, der mich dann erneut an PENDIKEL erinnert, immer etwas anders, immer etwas besonders. Und das zeichnet dieses Album durchaus im positiven Sinne aus. Mir als Deutschlehrer macht insbesondere das wunderbare „Wir schwirren“ Spaß, das aus einzelnen Worten, die sich hin und her geworfen werden, besteht und wie ein Wörterbucheintrag klingt.
Dieses Album macht es uns nicht einfach. Und das ist gut so, zwischen all der reingewaschenen Popmusik.
Was insgesamt auffällt: Es kracht merklich häufiger in den Songs von OSKAR ICH, den Gitarreneffekten wird mehr Raum und mehr Bedeutung gegeben (beispielhaft sei hier „Das war’s“ erwähnt). Textlich geht „Toska“ in eine Richtung, in der sich auch die Welt zu bewegen scheint: Es wird langsam alles kaum mehr erträglich, ständig erscheinen neue Bedrohungen, neue Katastrophen – und das nicht nur am Horizont, sondern eher an der nächsten Straßenecke. „Darum schenkt uns doch endlich vom reinen Wein ein.“ („Guter Rat“) Was aber bleibt, ist immer der Funken Hoffnung, der Lichtspalt unter der Tür und der nächste gute Moment kommt bestimmt. Lasst ihn uns genießen. Und „Toska“ auch, in aller Verzweiflung.