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NICK & JUNE – New Year’s face

Manchmal ist man ja selbst überrascht, wenn man etwas feststellt, was man gar nicht im Kopf hatte. So geschehen beim letzten Aufeinandertreffen mit den wunderbaren NICK & JUNE im Knust, Hamburg. Wir stellten fest, dass ich ja noch gar nicht das neue Album besprochen habe, das ja nun nicht mehr ganz so flammneu ist.
Egal. Besser spät als nie. Und besser ist auch direkt ein sehr passendes Wort für „New Year’s face“, für das NICK & JUNE eigens bis nach Bridgeport, Connecticut gereist sind und es dort eingespielt haben.
Aber nicht nur das, oder auch die Kollaborationen mit THE ANTLERS und RUSSIAN RED, machen dieses neue Album besser. Das Songwriting von Suzie-Lou Kraft und Nick Wolf ist schlicht noch dichter, noch atmosphärischer und auch noch abwechslungsreicher geworden. NICK & JUNE machen immer noch Singer/Songwriter-Pop zum Wegträumen, dennoch sind die Songs in ihrer Bandbreite so unterschiedlich, dass man zwar träumen mag, nicht aber einschlafen. Denn es gilt, nichts zu verpassen – und die Gefahr lauert auf „New Year’s face“ in jeder Sekunde, hinter jedem Akkord und nach jedem Takt. Der oftmals fast schon gehauchte Gesang (wie ganz besonders auch beim (für mich) Höhepunkt des Albums „Dark dark bright“) kann sich problemlos zu einem verzweifelten Schreien und einem ekstatischen Rufen steigern, von den Tiefen der Schwermut zur Leichtigkeit der Liebe.
Das Duo, das live zu einem Quartett heranwächst, stellt mit diesem Album unter Beweis, dass es möglich ist, mit ruhiger, entspannter, atmosphärischer, romantisch-melancholischer Musik zu begeistern und mitzureißen, ja, sogar immer wieder auch zum Mitsingen einzuladen („The boy with the jealous eyes“ … wer danach nicht noch weiter „dirty, dirty version …“ weitersingt oder summt, der hat irgendwie Musik nicht verstanden).
Immer wieder stellt sich die Frage (und wird sie mir auch häufig von Freund:innen gestellt, denen ich NICK & JUNE vorstelle), wo diese Band eigentlich einzuordnen ist? Ich bin der Meinung, dass es (gerade auch durch Nummern wie „You are the voice that’s hunting my soul for a show“) Dreampop mittlerweile immer besser trifft, wobei der Singer/Songwriter-Aspekt immer noch eine bedeutende Rolle spielt. Aber ist das nicht eigentlich auch völlig egal? Ist es nicht viel wichtiger, dass die Musik packt, begeistert, emotionalisiert und glücklich macht? Ich denke, schon. Und das erreichen NICK & JUNE mit „New Year’s face“ alles ohne Schwierigkeiten.
Es ist wieder einmal ein wunderbares Album geworden, das wieder einmal einen Schritt nach vorne bedeutet, einen Schritt hin zu noch mehr Schönheit in der Musik. Man wünscht dieser Band wieder und wieder, dass sie doch bitte mehr Zuhörer:innen bekommen möchte, die das ähnlich sehen, wie all‘ diejenigen, die bereits zu NICK & JUNE gefunden haben. Wer nach dem Hören von „Dark dark bright“ nicht in diese Band verliebt ist, dem kann ich dann auch nicht mehr helfen. „Sad, sad superstars“ …
Und wenn ihr die Chance habt, schaut euch NICK & JUNE live an. Immer noch ein bisschen großartiger, als sie „nur“ auf dem Sofa zu hören. Ich kenne diese Band nun seit 13 Jahren und sie schaffen es immer, mich noch einmal aufs Neue zu begeistern. Hören. Dringend.

Meine Bewertung

Simon-Dominik Otte

Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.