Der Opener von „What if“ („Anticipate“) klingt, als hätte er auch auf einer B-Seite von NICK & JUNE erscheinen können. Zart und gleichzeitig kraftvoll durchdringt Marilies Jagschs Stimme die Melodiestrukturen und setzt sich bei aller Sanftheit dennoch durch. Danach wird es dann insgesamt etwas poppiger auf MAIIJAS neuestem Tonträger, durchaus nicht weniger catchy, aber doch ein wenig zu seicht und damit auch ein bisschen vorhersehbar. Mit „Envision“ geht es dann wieder zurück in zurückgenommenere Gefilde, die erneut den Gesang stärker in den Vordergrund stellen, was den Songs von MAIIJA immer nur gut tun kann.
Mit der Stärke einer TORI AMOS oder auch REGINA SPEKTOR tanzt Marilies Jagsch durch ihre Songs, beherrscht sie mit einem Handstreich und nutzt die Melodien und Instrumente für die zielgerichtete Fortbewegung ihrer Stimme durch die verworrenen Gänge der Lieder.
Auch „What if“ ist ein starkes, ein besonderes Singer/Songwriter-Album, das vielleicht nicht ganz an die Brillanz und Besonderheit des Vorgängers heranzukommen imstande ist, aber dennoch überzeugt. Und dafür ist erneut in allererster Linie diese besondere, wandelbare, verletzlich-starke Stimme verantwortlich.
MAIIJA tut gut daran, die eigenen Songs nicht zu überfrachten und zuallererst über ihre Stimme wirken zu lassen, denn dann entfalten sich die Stärken meiner Meinung nach am besten.
Aus dem seltenen Kleinod wird langsam aber sicher ein sich immer mehr schleifender Diamant, der sicherlich bald in vielen Schaufenstern stehen dürfte. Ein weiteres Schmuckstück zum Anhören.