LOKALMATADORE – Armutszeugnisse

„Die LOKALMATADORE sind Sexisten, genau wie DIE KASSIERER und deshalb sollte man weder deren Platten kaufen, noch deren Konzerte besuchen oder veranstalten und schon gar nicht mit denen zusammen auftreten.“ Solche oder ähnliche Meinungen/ Stellungnahmen finden sich immer wieder in Punk/HC-Kreisen (z.B. in der PLASTIC BOMB Nr. 48) und mit Argumenten wie „es gibt doch viel Schlimmere“ oder so lassen sich solche Vorwürfe nicht aus dem Weg räumen. ABER bei beiden Bands steht für mich außer Frage, dass man sich auf gar keinen Fall ernst nimmt. Wieso also die teilweise sexistischen Texte ernst nehmen? Der Unterschied zu einigen Punk ’n Roll-Bands oder anderen Besoffski-Bands ist nämlich genau der, dass diese sich selber für Gottes Geschenk an die Menschheit halten und Frauen für Gottes Geschenk an die Männer. Die LOKALMATADORE sind nicht nur völlig panne, sondern wissen und sagen das auch. Und genauso machen sie auch ihre Musik und ihre Texte. Auf Fan/Konsumenten-Seite ist man (?!) entweder mindestens genauso panne, dann ist einem aber schon allein das Wort „Sexismus“ zu schwierig, um es überhaupt fehlerfrei auszusprechen, oder man beömmelt sich über die Komplettasis der LOKALMATADORE in dem Wissen, dass man nichts von dieser Band erwarten oder ernst nehmen darf oder soll, und dass ernste, wichtige Probleme wie der Sexismus in Punk/HC-Kreisen ganz bestimmt nicht mit oder gegen die LOKALMATADORE oder mit deren Fans angegangen werden kann. So!
Auf „Armutszeugnisse“ finden sich Alternativversionen von Singles und Samplerbeiträgen aus der Vergangenheit der Mühlheimer Asis. Allein schon optisch sehr gelungen, denn die CD sieht von oben aus wie eine Vinyl Scheibe. Cool! Dazu ’n Booklet mit allen Texten und vielen Fotos, die wohl nur eine Mutter lieben kann. Meine Fresse – Alkohol und Dummheit sind doch Synonyme, oder? Musikalisch (?) gibt’s Punkrock der einfachen Schule, so RAMONES (die man angeblich hasst) für Arme (sehr Arme!) mit Texten zum Menschheit abschreiben oder totlachen. Beispiel gefällig? Der Anfangssong der Teletubbies wird zu „Mega-Asis“: Stinky-Winky, Pipi, AA, Klo. Mega-Asis sagen Hallo!“ Ohne Worte.
Fazit: Im Gegensatz zu den KASSIERERN auch musikalisch die harte (Mühlheimer) Punk-Schule auf Imbiss-Bier-Niveau. Aber zum gelegentlichen Gehirn ausschalten …

Bewertung: 6/10

Veröffentlichungsdatum: 31.01.2005