Ein guter Freund von mir ist Journalist. Und HSV-Fan. Über den FC St. Pauli verliert er nur selten ein gutes Wort. Passenderweise schreibt er für ein Fußballmagazin. Unpassenderweise durfte er dort nun das Buch von KÖNIG BORIS über den FC St. Pauli besprechen. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass er sich freiwillig dafür gemeldet hat.
Und, man höre und staune: Die Rezension fiel äußerst wohlwollend aus und endete mit den Worten: „Alles locker weg erzählt und gut zu lesen – selbst für HSV-Fans.“ Hört, hört!
Das weckte bei mir – Gladbach-Fan mit Sympathien für den FCSP – natürlich das Interesse an einer Lesung von König Boris. Praktischerweise gastierte der ehemalige Hip-Hopper im Schanzenzelt, dessen Veranstaltungen wir in diesem Jahr wieder lokal präsentieren.
Die Entscheidung für den Besuch fiel jedoch erst am Tag selbst. Allerdings nicht ganz spontan, denn das Hamburger Wetter durfte durchaus noch Einfluss auf unsere Planung nehmen. Also Schirm eingepackt, in die U3 Richtung Schanze gestiegen, am Mövenpick-Hotel vorbei und gespannt darauf, wie voll es wohl werden würde. Sollte man in FETTES-BROT-Dimensionen denken? Würden die FCSP-Ultras auftauchen? Und was ist eigentlich mit den Fans von DER KÖNIG TANZT? Müsste man all das addieren oder eher die Schnittmenge betrachten?
Die Antwort lautete: weder noch. Als wir eine halbe Stunde vor Beginn eintrafen, waren noch reichlich Plätze frei. Kurz vor dem Start mussten dann allerdings doch noch zusätzliche Stühle herangeschafft werden.
Gegen 20 Uhr betrat König Boris die Bühne, tauschte seine obligatorische Sonnenbrille gegen eine Lesebrille und eröffnete den Abend mit den Worten: „Ihr habt das zweifelhafte Vergnügen meiner ersten Lesung in Hamburg nach dem Abstieg.“ Die Reaktionen im Publikum ließen zumindest vermuten, dass die St.-Pauli-Fans an diesem Abend klar in der Mehrheit waren.
Es ging um Auswärtsfahrten und Mallorca-Urlaube, um erste Küsse und jede Menge Lokalkolorit. Um übereifrige Polizisten in Schenefeld, Haschlähmung, Wildpinkeln, Kotzen gegen die Fahrtrichtung, Promikicks und natürlich um St. Pauli. Um den Verein ebenso wie um den Stadtteil, dem die Liebeserklärung im Untertitel des Buches offenbar genauso gilt.
Dass FETTES BROT auf der Bühne großartige Entertainer waren, zeigt sich nun auch bei KÖNIG BORIS als Solokünstler. Sowohl in den gelesenen Texten als auch in den Geschichten dazwischen. Etwa wenn er alte Jugendfotos kommentiert: „Wir waren damals so richtige Backpfeifengesichter, als man mit den Haaren noch experimentiert hat.“ Oder wenn er von seinem sonst eher wortkargen Dauerkarten-Nachbarn erzählt, der ihn nach der Winterpause mit den Worten begrüßte: „Ich habe dein Buch zu Weihnachten dreimal geschenkt bekommen.“
Nach rund zwei Stunden kurzweiliger Unterhaltung folgte noch die obligatorische Signierstunde. Und ich schließe mich am Ende dem HSV-Fan an: Wer aus Hamburg kommt, muss dieses Buch mögen. Vielleicht muss man dafür nicht einmal aus Hamburg kommen.
Weitere Lesungen:
20.06.2026 Kisdorf – Clubheim
25.06.2026 AT – Wien – MuseumsQuartier Sommerbühne
06.08.-08.08.2026 Georgsmarienhütte – Hütte Rockt Festival
08.10.2026 Potsdam – Buchhandlung Viktoriagarten