GROUNDATION – A miracle

Wenn es eine nicht-jamaikanische Band gibt, die sich in den letzten Jahren einen besonders guten Ruf unter Reggae-Fans erspielt hat, dann ist dies wohl ohne Zweifel GROUNDATION. Das überrascht insofern nicht, wenn man bedenkt, dass die Formation aus dem sonnigen Kalifornien mit ihrem Bandleader Harrison Stafford immerhin den ersten promovierten US-Professor für jamaikanische Musikgeschichte in ihren Reihen hat – und der dementsprechend ganz genau weiß, was es bedarf, ausgefeilte Reggae-Songs jenseits jeglicher abgelutschter Rastaman-Klischees zu schreiben. Im Falle von „A miracle“ liegt das Erfolgsrezept in der anspruchsvollen Vermengung von tiefenentspanntem Roots Reggae und detailverliebten Fusion-Jazz Elementen, die dem Sound trotz seiner traditionellen Wurzeln einen durchweg zeitgemäßen Anstrich verleihen. Zusammen mit der für Reggae geradezu prädestinierten Gesangsstimme sowie den für diesen Musikstil ungewohnt intelligenten und reflektierten Texten ergibt sich ein Album, das glatt von Ärzten gegen Winterdepressionen verschrieben werden könnte. Eintauchen und genießen, bitte.

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.