Wer gedacht haben möge: „Hm, DIE STERNE, ob das heute noch was taugt?“, wird schon nach ca. 5 Sekunden des Openers („Ich nehme das Amt nicht an“) aber sowas von eines Besseren belehrt, dass einem die Ohren schlackern. Der Song klingt, als wären DIE STERNE gerade erst neu am Firmament erschienen und hätten nicht schon gut 30 Jahre Bandgeschichte hinter sich. Fast vier Jahre nach „Euphoria“ schmeißen sie nun also „Wenn es Liebe ist“ in die Menge – und ich stelle fest: Es ist Liebe. Immer noch.
Sie erfinden sich nicht neu, das brauchen sie auch nicht, dennoch klingt dieses Album frisch, fast jugendlich verspielt und nicht nach einem Abklatsch des Althergebrachten. DIE STERNE ruhen sich etwas mehr auf ihren Akkorden aus, reißen nicht direkt alle Wände ein, sondern lockern Stück für Stück die einzelnen Steine und erreichen auch so das erhoffte Ergebnis. Um dorthin zu gelangen, greifen sie mal auf jazzige Leichtigkeit („GNZRZND“) zurück, frönen dem Pop („Wenn es Liebe ist“), finden aber auch immer wieder den Weg tief hinein in den Indie-Pop/Rock, der sie groß und bekannt gemacht hat („Es war nur ein Traum“). Aber sie versuchen sich auch hinter neuen Schlagwörtern wie Noise („Open Water“) oder Elektropop („Fan von irgendwas“). Ihr merkt schon, „Wenn es Liebe ist“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das zu vielen Stimmungslagen und Geschmacksfragen passen könnte. Das opulente „Immer noch sprachlos“ am Schluss des Albums gibt dir dann auch wirklich den Rest und lässt dich mit vielen neuen Gedanken zurück.
Es lässt sich somit zusammenfassend sagen, dass DIE STERNE insgesamt etwas experimenteller und noch mutiger in ihren Songs geworden sind (deren Texte natürlich auch wieder mindestens zwei Ohren wert sind!), sich stetig weiterentwickeln, anstatt sich auf den Lorbeeren der frühen Jahre auszuruhen. Gut so.