PERSONAL TRAINER aus Amsterdam sind mir bislang genau einmal im Leben begegnet. Aber diese Begegnung war nachhaltig. Eigentlich wollten wir uns im Molotow nur PIP BLOM anschauen, ebenfalls aus den Niederlanden, die uns kurz zuvor beim Watt en Schlick ganz gut gefallen hatten. Am Ende waren wir allerdings vom Support deutlich mehr angetan. Die sieben jungen Damen und Herren kochten ihr ganz eigenes Süppchen. Damals meinte ich darin Einflüsse von YARD ACT, DEADLETTER und ROCKET FROM THE CRYPT ausgemacht zu haben, während Sänger Willem Smit mich irgendwie an Charly Hübner erinnerte. Wie soll das denn bitte zusammengehen?
Auf ihrem dritten Album „Human assholes“ erkenne ich keine einzige dieser Bands wieder. PERSONAL TRAINER stilistisch irgendwo einzusortieren, gelingt mir genauso wenig wie damals. Das Gespür für gute Melodien könnte von BEN FOLDS oder den BEATLES stammen, dazu kommt eine Prise ELLIOTT SMITHsche Melancholie, garniert mit dem Pomp von QUEEN oder den DRESDEN DOLLS. Bei PERSONAL TRAINER landet offenbar alles im Topf, worauf die sieben gerade Lust haben. Doch statt eines kulinarischen Unfalls kommt ein erstaunlich stimmiges Ganzes dabei heraus. Ähnlich dürften sich manche Koch-Legastheniker fühlen, die im Besitz eines Thermomix plötzlich zu ganz passablen Köchen mutieren.
Dass hier nicht nur ein Chefkoch zaubert, sondern gleich sieben Leute am Herd stehen, verdirbt den Brei keineswegs. Im Gegenteil: Auf „Human assholes“ klingen PERSONAL TRAINER bisweilen wie ein kleines Indie-Kammerorchester, das an CURSIVE oder BRIGHT EYES erinnert. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken, das Songwriting ist kreativ, abwechslungsreich und so ausgefeilt, dass man den Spaß im Studio förmlich heraushört. Sänger Willem Smit beschreibt die Songs denn auch als Momentaufnahmen, die sich jederzeit weiterentwickeln können.
Das Saxophon, das mich bei der ersten Begegnung noch an ROCKET FROM THE CRYPT denken ließ, ist inzwischen einer mitunter leicht verstimmten Akustikgitarre gewichen. Das verleiht dem dritten Album einen charmanten Lagerfeuer-Lo-Fi-Anstrich, der der Band mindestens genauso gut steht. Zugleich ist es gelungen, diese Unmittelbarkeit auch im Studio einzufangen, ohne dass die Platte schrammelig oder übermäßig glatt klingt. Perfekt abgeschmeckt! Wir sehen uns am Rolling Stone Beach!