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ALLTAGSDASEIN – Sofa geht die Zeit

Never judge a Deutschpunkplatte by its Albumtitel! Nachdem ich wegen des vermeintlich schlechten Wortspiels „Sofa geht die Zeit“ zunächst mit einem Funpunk-Album gerechnet und mich wochenlang davor gedrückt habe, in die hier vorliegende CD reinzuhören, entpuppen sich ALLTAGSDASEIN entgegen meiner Befürchtung vom ersten Ton an als absolut positive Überraschung. Wobei der Begriff Deutschpunk eigentlich auch nicht korrekt ist, denn aufgrund des komplexen Songwritings und der gelegentlichen Screamo-Anleihen lassen sich die Berliner eher im Bereich des Post-Punk verorten. Irgendwo zwischen LYGO, FRAU POTZ und CAPTAIN PLANET (zu denen im Stück „An der Kasse“ auch ein kleiner Seitenhieb eingebaut wurde) bewegen sich die 12 Lieder des Albums, wobei jedes einzelne ein kleiner Hit ist. Symptomatisch dabei ist der Wechsel aus etwas sperrigen, oftmals als Sprechgesang vorgetragenen Strophen und eingängigen, fast schon hymnenhaften Refrains. Und dann sind da noch die Texte, die in ebenso scharfsinniger wie sarkastischer Weise die Gesellschaft, das eigene Umfeld, aber auch sich selbst aufs Korn nehmen. So entpuppt sich dass eingangs erwähnte „Sofa geht die Zeit“ im Endeffekt auch nicht als Schenkelklopfer, sondern als klug ausformulierte Ode an die Prokrastination. Also lasst euch davon bloß nicht abschrecken, denn sonst verpasst ihr möglicherweise eine der spannendsten (Post-)Punk Veröffentlichungen des Jahres!

Meine Bewertung

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.