Was war das für eine Freude, als Timo Kumpf Ende letzten Jahres auf Instagram ankündigte, dass es eine kleine eintägige Variante des Maifeld Derby geben wird. Denn für viele war die Nachricht, dass ihr Lieblingsfestival 2025 zum letzten Mal stattfinden würde, ein Schock. Entsprechend wenig überraschend war es, dass die Tickets rasch ausverkauft waren – noch bevor auch nur eine einzige Band bekannt gegeben wurde.
Neben der Vorfreude gab es aber sicherlich auch einige offene Fragen: Wird es Merch geben? Wie viele Bühnen wird es geben? Stellt sich das Maifeld-Derby-Gefühl sofort wieder ein? Klappt der Ortswechsel?
So ging es jedenfalls mir. Einige dieser Fragen konnte ich Timo im Vorfeld sogar selbst in einem Interview stellen. Entsprechend aufgeregt war ich, als ich am Samstag, den 23. Mai, das Festivalgelände betrat. Aber was soll ich sagen: Bereits nach wenigen Minuten hatte mich das wohlige Maifeld-Gefühl wieder fest in seinen Bann gezogen.

Das liegt vor allem an den netten Menschen, die dort arbeiten, und an den Menschen, die man dort über die Jahre kennengelernt hat und im Laufe des Tages nach und nach wiedertrifft. Dazu kamen traumhaftes Wetter, eine kleine, aber feine Außenanlage (Hängematten!), alte Merch-Highlights – manches davon kreativ zu neuen Produkten upgecycelt –, die gute alte Weinschorle und natürlich die Musik.
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Musik hat mich diesmal tatsächlich nicht ganz so abgeholt wie in den Jahren zuvor. Dennoch gab es einige Highlights, allen voran DRESSED LIKE BOYS. Was die Band um den charismatischen Singer/Songwriter Jelle Denturck auf die Bühne brachte, war großer Pop – Pop im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Jelle am Klavier sitzt und singt, erinnert mich das stark an ELTON JOHN. Warum mich das so gepackt hat, kann ich gar nicht genau sagen, aber bei zwei Songs hatte ich sogar leichte Gänsehaut.

Für den perfekten Festivalstart sorgten zuvor IEDEREEN. Die Zwei-Mann-Combo nahm von Beginn an keine Gefangenen, legte los wie die Feuerwehr und servierte dem ausgehungerten Publikum Zwei-Minuten-Kracher zum Tanzen und Pogen. Das verbreitete gute Laune und machte 20 Minuten lang richtig Spaß. Mir fehlte musikalisch allerdings etwas die Abwechslung, weshalb ich weiter in den Club zum Berliner Duo 250CC zog.

Dort kämpfte die Band von Anfang an mit dem Sound. Das war besonders schade, weil mir das im Vorfeld Gehörte sehr gut gefallen hatte – allen voran der wunderschöne Song „Darling“. Diesen spielten sie direkt zu Beginn, doch aufgrund der technischen Probleme kam er leider nicht richtig zur Geltung. Nach dem Song musste die Band sogar eine kurze Umbaupause einlegen, um ihren Bühnenaufbau zu optimieren.
Leider waren sie nicht die Einzigen mit Soundproblemen. Auch MAN/WOMAN/CHAINSAW hatten damit zu kämpfen. Der oft vierstimmige Gesang war anfangs ziemlich übersteuert, und die Band brauchte etwas Zeit, um sich einzuspielen. Das war schade, denn bereits der Auftritt zur Musik von „In da club“ von 50 CENT sorgte sofort für gute Stimmung. Nichtsdestotrotz war erkennbar, dass der Band mit ihrem Indie-Folk samt Geige – mal sanft, mal krachend – durchaus eine größere Karriere bevorstehen könnte. Ihr neuester Song „Nosedive“ ist jedenfalls großartig.
Danach ging es zu THREDD in den Club. Sofort dachte ich: Da fehlt doch jemand auf der Bühne. Tatsächlich trat das sonstige Trio an diesem Tag nur zu zweit auf. Der Gesang von Bandmitglied Imogen Williams kam vom Band. War ich zunächst etwas enttäuscht, entwickelte sich der Auftritt im Laufe der Zeit zu einem echten Highlight. Passend zum Club-Ambiente glich das Ganze eher einem elektronischen DJ-Set. Der Raum war düster, der Bass pumpte ordentlich, und die Menge ließ sich bereitwillig in den Sog der Musik ziehen. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen. Gleichzeitig bin ich nun umso gespannter darauf, wie das Live-Setting in voller Besetzung wirkt.

Ebenfalls überzeugen konnten BIKINI BEACH aus der Schweiz. Mit einer Mischung aus Fuzz-Rock und Garage-Punk traf das Trio vor allem den Geschmack der Freunde härterer Klänge. Der Sänger erinnerte mich dabei stellenweise sogar an J. Mascis von DINOSAUR JR.
Natürlich spielten noch viele weitere Acts – oder eben auch nicht: YUNGMORPHEUS, der einzige Rap-/Hip-Hop-Artist im Line-up, musste leider kurzfristig absagen. Einige der anderen Auftritte haben mir durchaus gefallen (LØU, AFAR, SNUGGLE), andere konnte ich nicht sehen, oder sie trafen schlicht nicht meinen Geschmack.

Und irgendwann kam dann der Moment, in dem man realisierte, dass am nächsten Morgen nicht Festivaltag Nummer zwei folgen würde. Entsprechend wehmütig trat man den Heimweg an.
Was bleibt also von dieser kleinen Maifeld-Edition?
Zunächst einmal ist es einfach schön, dass es irgendwie weitergeht. Dass es weiterhin die Möglichkeit gibt, neue Bands zu entdecken, vor allem aber, die besondere Maifeld-Atmosphäre aufzusaugen und die Menschen zu treffen, die man mit ihr verbindet. Mit dem großen dreitägigen Festival kann diese Ausgabe natürlich nicht mithalten. Doch erstens wäre dieser Vergleich unfair, und zweitens – zumindest geht es mir so – sollte man einfach froh sein, dass dieses Stück alternativer Musikidylle (noch) nicht vollständig verschwunden ist.
Außerdem ist jedes Festival, das kleinen Acts eine Bühne bietet, enorm wichtig für eine bunte und vielfältige Musiklandschaft abseits des kommerziellen Mainstreams.
In diesem Sinne bleibt für immer die Hoffnung:
Maifeld will never die!
P.S.: Bereits am 15. August gibt es die nächste Möglichkeit, Maifeld-Atmosphäre zu schnuppern – erneut in Darmstadt, wenn das Maifeld-Amüsement ruft. Bereits bestätigt sind SORRY, DITTY, 1000 RABBITS, MY NEW BAND BELIEVE sowie TOMO KATSURADA & JONNY NASH.