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DANIEL BENYAMIN – Life after Music

Leben wir tatsächlich schon in der Zeit „nach der Musik“? Sind KI-generierte Walsongs voller unechtem Pathos tatsächlich die Zukunft dessen, was wir alle Musik nennen oder genannt haben? Es steht zu hoffen, dass nicht – und dass sich die Kunst, wie sie DANIEL BENYAMIN auf seinem zweiten Soloalbum präsentiert, eben doch durchsetzen wird.
Das Album beginnt fast monströs düster, ehe es sich dann wieder in die bekannteren, eher singersongwriterischen Gefilde begibt („The truth about lying“). Aber eines wird sehr schnell klar: Die Stärken von „Life after music“ liegen in den synthiegestützten Songs, die einen leichten Hang hin zum Wave haben, ohne dabei allzu dark zu werden. Der Begriff des Ghost Pop, wie ihn DANIEL BENYAMIN selbst nutzt, erscheint durchaus berechtigt und wohl gewählt. Der Künstler setzt dem stetigen Rauschen unserer Welt ein melodiöses, schwingendes Klingen entgegen, das uns leicht ins Träumen zu versetzen versteht und so Abstand gewinnen lässt vom Lärm des Alltags, der auf unterschiedliche Arten zu stressen weiß.
Nicht nur ist „Life after music“ ein Pamphlet für die Musik an sich, nein, DANIEL BENYAMIN hat sich auch der Nachhaltigkeit der Kunst verschrieben, bspw. indem er die Initiative Ghost Palace Artist Society (mit)gegründet hat, die ein bedingungsloses Grundeinkommen für Künstler:innen anstrebt. Bedingungslos ist auch das, was er uns musikalisch bietet. Zwischen Ruhe, Erholung, Anspannung und Einsamkeit lässt uns der Künstler hin und her springen, wandern und fliegen. Musik, die nicht dafür gedacht ist, nebenher zu plätschern, sondern sich Gehör verschaffen möchte und sollte.
Solange es Musiker:innen wie DANIEL BENYAMIN gibt, muss man sich eigentlich um das Überleben der Musik keine Sorgen machen. Immerhin.

Meine Bewertung

Simon-Dominik Otte

Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.