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ZAHN – Purpur

Ich bleibe einfach dabei, dass Alben ohne Gesang für mich nicht wirklich geeignet sind, es sei denn sie sind von Ludwig van Beethoven. ZAHN machen da eine gewisse Ausnahme, denn die wavigen Momente auf „Purpur“ lassen mein Ohr dann doch aufhorchen und aufmerksamer zuhören. „Purpur“ wirkt wie die Musik zu einem Film, der noch gedreht werden muss, aber sicherlich in den Köpfen der Künstler:innen schon in Dauerschleife gespielt wurde.
Die Handlung dürfte irgendeine dystopische Zukunft sein, in der Agent:innen sich gegenseitig verfolgen und nach dem Leben trachten. Zwischendurch darf im Restaurant am Ende des Universums durchgeatmet werden, aber nur kurz, bis der nächste Ansturm der Noisegitarren oder der verschrobenen Synths ansteht.
ZAHN wirken wie eine Krautrockband, die sich aber in der Tradition der düsteren Elektro-Musik sieht und dabei nicht mit Brüchen und Umschwüngen geizt. Teilweise verfallen sie auch noch dem Jazz. ZAHN hätten sich wunderbar als Untermalungs-Musiker:innen für „A Clockwork Orange“ geeignet, so zerstörerisch-wild und dennoch seltsam euphorisch wirkt das Album.
„Purpur“ gelingt es tatsächlich, auch ohne (plakativen) Gesang, Geschichten zu erzählen und die Hörenden einzuladen, die eigenen Kapitel im Kopf selbst entstehen zu lassen. Dieses Album ist ein Kunstwerk, wobei die Betonung deutlich auf „Kunst“ liegt. Mal eben anmachen und abschalten lässt sich mit diesem Album nicht praktizieren, es erfordert zu viel Konzentration und eben Mitdenken, sonst verpasst man noch die nächste Wendung im musikalischen Film. Spannend, aber nicht für jedermann etwas.

Meine Bewertung

Simon-Dominik Otte

Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.