WALTARI – Sex im Biergarten!

Kuva: Jani Mahkonen/Loma Graphics Oy 2007

Wenn es eine Band gibt, die mit ihrer musikalischen Ausrichtung ständig zwischen allen Stühlen sitzt, dann mit Sicherheit die finnische Ausnahmekapelle WALTARI. Gestartet als Punk-Combo in der Mitte der 80er Jahre hat die Band auf ihren mittlerweile 16 veröffentlichten Langrillen so ziemlich jeden Musikstil verwurstet, den es auf diesem Planeten gibt. Wir haben mit Bandleader Kärtsy Hatakka telefoniert, um alles über das neueste Album „Release date“ in Erfahrung zu bringen.

[F]Hi Kärtsy, wie geht´s dir?
[A]Danke, sehr gut. Könnte nur ein bisschen wärmer hier oben in Helsinki sein.

[F]So, dann lass uns gleich mal zur Sache kommen: Worauf zielt der Titel des neuen Albums „Release date“?
[A]“Release date“ richtet sich im Kern gegen den immer größer werdenden Kommerzialismus in der heutigen Rock- und Musikszene. Das ganze Business ist so langweilig und konservativ geworden, dass es zum Himmel stinkt. Wir wollen ein Statement setzen und darauf hinweisen, dass in dieser Szene ein Haufen Mist passiert. Wenn man als Band in immer engere Verträge gepresst wird und alles nur noch stumpf vorauskalkuliert wird, dann geht jeglicher Spirit verloren. Die Musikmaschinerie von heute ist so berechenbar geworden, dass die Hörer logischerweise die Lust am Hören verlieren. Schau dir nur die Album-Verkaufszahlen an – das sagt doch alles.

[F]Ist „Release date“ als Konzeptalbum angelegt?
[A]Lyrisch gesehen ist es kein Konzeptalbum. Du wirst hier keine fortlaufende Story wie bei einigen Prog-Rock-Klassikern finden. Aber das Album strahlt durchgehend eine sehr starke musikalische Dominanz aus. Unsere Absicht war: vergiß alle Regeln irgendwelcher Art! Das ist unsere Rock-Musik und wir machen, was uns gefällt.

[F]Wo siehts Du die größten musikalischen Unterschiede, wenn Du das aktuelle Album mit dem Vorgänger „Blood sample“ vergleichst?
[A]“Release date“ hat viele Parallelen zum Vorgängeralbum. Man hört, dass wir während der Song-Writing-Phase sehr viel Prog-Rock genossen haben. Dieser Einfluss ist am ehesten beim längsten Song des Albums, „Cityshamaani“ herauszuhören. Bezüglich des Musikstils hatten wir den Eindruck, dass das neue Album ein ganzes Stück härter und düsterer als unsere Vorwerke ausgefallen ist.

[F]Das Album zeigt die zwei Gesichter von WALTARI. Auf der einen Seite gibt es mit „Get stamped“, „Big sleep“ oder „Sex in the beergarden“ kurze Songs, die gleich auf den Punkt kommen, und auf der anderen Seite monumentale Songs wie „Cityshamaani“. Habt ihr diesen progressiven und sehr komplexen Song von Anfang an für das Album eingeplant, oder hat sich die Nummer mehr oder weniger in der Songwriting-Phase entwickelt?
[A]Wie schon gesagt haben wir während der Arbeiten zum neuen Album sehr viel Prog-Rock gehört. Daraus entwickelte sich sehr schnell die Idee, einen monumentalen Song im 20-Minuten-Bereich aufzunehmen. Dass es dann letztendlich 35 Minuten wurden, spiegelt eigentlich sehr gut wieder, dass wir uns keinerlei Limitationen oder Regeln unterworfen haben. Neben diesem überlangen Song, der sicherlich das Schlüsselstück des Albums ist, haben wir noch ein paar kurze Nummern raufgepackt, damit das Ganze etwas leichter zu hören ist.

[F]Ein sehr witziger Titel ist „Sex in the beergarden“. Was hast du für Erfahrungen mit deutschen Biergärten gemacht? Stehst du auf die vollbusigen Dirndl-Bedienungen?
[A]“Sex in the beergarden“ und „Lets puke together“ heben sich in ihrer Art sehr deutlich von den anderen Stücken des Albums ab. Als Party-Songs hellen sie die ansonsten etwas düstere Atmosphäre des Albums auf. Und ja, wir wissen sehr genau, worüber wir hier singen.

[F]So, dann lass uns mal wieder ein bisschen ernster werden. Du hast den Soundtrack zum Computerspiel „Max Payne 1+ 2“ komponiert, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Willst du in dieser Richtung demnächst noch etwas machen?
[A]Mal schauen, momentan bin ich mit Arbeit völlig zu, und an sowas ist nicht zu denken.

[F]Wie siehst du die Zukunft von WALTARI? Wollt ihr weiter die progressive Schiene fahren, um irgendwann vielleicht sogar mal mit Bands wie DREAM THEATER oder FATES WARNING auf einer Stufe zu stehen?
[A]Wir werden defintiv keinen Retro-Styles folgen und immer neue Pfade für unsere Musik ausloten. Es gibt noch einige Dinge zu tun in dieser Szene!

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