V.A. – Paid in black Vol. 2 (A tribute to Johnny Cash)

Schimpft mich einen Kulturbanausen, aber ich habe den ganzen JOHNNY CASH-Hype, der seit einigen Jahren tobt, nie wirklich verstanden. Sicher, der Mann hat hunderte gute bis brillante Songs geschrieben, und wer sich einmal ein wenig mit seiner Biographie auseinandergesetzt hat, der muss den aufrechten Outlaw und steten Unterstützer der Armen und Unterdrückten einfach mögen. Doch weshalb seit dem Ableben des „Man in black“ plötzlich jeder zweite Punkrocker und Rock´n´Roller so tut, als hätte er die Werke des Mannes bereits mit der Muttermilch aufgesogen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Denn auch wenn Cash mit seiner Musik den Rock´n´Roll entscheidend mitgeprägt hat, vor zehn Jahren hat sich in Punkrockkreisen noch kein Schwein für den Mann interessiert…
Sei es drum, „Paid in black Vol. 2“ ist bereits der zweite Johnny Cash-Tribute-Sampler aus dem Hause Wolverine Records, und erneut erweisen eine Reihe von Horrorpunk- und Psychobillybands dem Verstorbenen die letzte (?) Ehre. Das Resultat ist im meinen Augen jedoch mäßig: Lediglich THE SPOOK (machen mit Hilfe eines Pianos aus „Solitary man“ eine gelungene, düstere Ballade) sowie die mir bislang unbekannten MACSAT („Redemption Song“) können mich wirklich überzeugen, der Rest der CD wirkt hingegen wie ein lauwarmer Aufguss von Johnnys Originalen. Nehmen wir zum Beispiel die ansonsten von mir hoch geschätzten THE OTHER: Ihre Neuinterpretation von „Like the 309“ würde auf einem ihrer Studioalben höchstens als Lückenfüller durchgehen, und auch die übrigen vertretenen Bands wie HACK MACK JACKSON, SKI KING oder DEAD NEXT DOOR tun sich mit dem Spagat zwischen ihrem eigenen Stil und dem Originalsound der Klassiker in meinen Augen relativ schwer. Wer sich dem Trend zum Trotz nicht als Die-Hard-Fan von Johnny Cash bezeichnet, sollte daher lieber die Finger von „Paid in black Vol. 2“ lassen.

Bewertung: 4,5/10

Veröffentlichungsdatum: 11.09.2009

Über Bernd Cramer 1592 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.