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	<title>bp_highlight Archive - .:blueprint fanzine:.</title>
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		<title>Heimspiel Knyphausen 2026 (Eltville)</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/heimspiel-knyphausen-2026-eltville/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 18:32:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Livereviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn man als vinophiler, musikliebender Mensch seine beiden Leidenschaften verbinden möchte, dürfte ein Festival auf einem Weingut ziemlich nah an das Nonplusultra herankommen. Beim Namen Knyphausen treffen ohnehin zwei Welten aufeinander: GISBERT ZU KNYPHAUSEN zählt seit rund zwanzig Jahren zu den wichtigsten deutschsprachigen Singer/Songwritern, das elterliche Weingut Baron Knyphausen im Rheingau zu den traditionsreichsten VDP-Betrieben [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-white-background-color has-background">Wenn man als vinophiler, musikliebender Mensch seine beiden Leidenschaften verbinden möchte, dürfte ein Festival auf einem Weingut ziemlich nah an das Nonplusultra herankommen. Beim Namen Knyphausen treffen ohnehin zwei Welten aufeinander: GISBERT ZU KNYPHAUSEN zählt seit rund zwanzig Jahren zu den wichtigsten deutschsprachigen Singer/Songwritern, das elterliche Weingut Baron Knyphausen im Rheingau zu den traditionsreichsten VDP-Betrieben der Region. Seit 2009 bringt Gisbert dort beim Heimspiel Knyphausen Musik, Wein und eine besondere Festivalatmosphäre zusammen.<br>Warum wir bisher noch nie dort waren, weiß ich selbst nicht so genau. Vielleicht brauchte es erst den richtigen Anstoß: eine gute Freundin, die GISBERT ZU KNYPHAUSEN schon seit seinen Anfängen begleitet, das Festival im vergangenen Jahr erstmals besuchte und danach in den höchsten Tönen davon schwärmte.<br>Auch die Akkreditierungsanfrage verlief ausgesprochen charmant. Keine unpersönlichen Formulare, die Unique Visits und Total Hits einer Homepage erfragen, sondern ein direkter Austausch per Mail. Man müsse noch einmal schauen, ob es im Fotograben vielleicht etwas eng werden könne, aber ansonsten ginge das klar, schrieb Booker Benjamin zurück. Und diese kurzen Wege setzten sich direkt vor Ort fort. Pressepass teilen? Kein Problem. Benjamin wurde einem als einer der Ersten vorgestellt. Überhaupt herrschte auf dem gesamten Gelände eine Freundlichkeit, die man bei größeren Festivals nicht immer selbstverständlich erlebt.<br>Zunächst erkundeten wir das Gelände, tauschten die Pfandmarke, die man zu Beginn in die Hand gedrückt bekam, gegen ein Weinglas ein und machten uns auf den Weg. Unsere Freundin hatte uns empfohlen, eine Picknickdecke mitzunehmen – jetzt wussten wir auch warum. Die Fläche vor der Bühne war quasi mit Picknickdecken zugepflastert, nur direkt vor der Bühne blieb Raum für die Besucher, die tanzen wollten. Bier wurde auf dem Gelände gar nicht ausgeschenkt – doch warum auch? Stattdessen hatte man die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Rieslingen, Spätburgundern, Schaumwein, einer Rosé-Cuvée oder, wer es etwas spezieller mochte, einem Pet-Nat oder Orange Wine, die gekühlt in der Vinothek ausgeschenkt wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-beaks1.jpg" alt="" class="wp-image-47924" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-beaks1.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-beaks1-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">BEAKS</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Unsere größte Sorge war, dass uns das Festival insgesamt vielleicht ein wenig zu (indie-)poppig ausfallen könnte. Doch bereits der Opener BEAKS nahm uns jegliche Bedenken. Etwas Post-Punk, etwas Indie, etwas New Wave. Was die Österreicherin Anna Francesca hier ablieferte, ließ uns direkt an Bands wie DRY CLEANING oder, wer noch etwas weiter zurückblicken will, ANNE CLARK denken. Ein spröder, deutlich an die 80er angelehnter Bandsound, dazu lasziv gesprochene Vocals und eine bewusst zelebrierte Monotonie in der Inszenierung mit selbstbeobachtenden Texten. Das hatte durchaus seinen Reiz und ließ mich stellenweise auch an die Außendarstellung der zauberhaften MAZZY STAR denken. Dass Sängerin Anna Francesca nebenbei (oder vielleicht auch hauptberuflich) modelt und einem durchaus schon auf dem Cover der „marie claire“ begegnet sein könnte, war angesichts ihres komplett ungeschminkten Auftritts fast ein kleiner Kontrapunkt. Gerade diese Mischung aus äußerer Präsenz, bewusster Reduktion und leicht entrückter Bühnenästhetik passte aber ziemlich gut zu ihrer Musik.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ew.jpg" alt="" class="wp-image-47925" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ew.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ew-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">ENDLESS WELLNESS</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Im Anschluss daran ging es gleich österreichisch weiter, und wer hier noch nicht so bewandert war, wurde von Sänger Philipp Auer erst einmal linguistisch aufgeklärt. Bei einem „Nockabatzl“ handelt es sich um einen Nackten, eine „E-Tschick“ ist eine E-Zigarette und ein „Schpazal“ ist nicht etwa der Kosename für den Partner, sondern ein anderes Wort für Pimmel. Wieder etwas gelernt.<br>Musikalisch trumpften ENDLESS WELLNESS mit einer Mischung aus Folk, Chanson und einer ordentlichen Portion Punk im Getriebe auf. Schrammelige Gitarren, Orgeln, Synthies und Chorrefrains treffen auf kluge Gesellschaftskritik und die sympathische Idee, dass die Zukunft vielleicht doch noch nicht komplett verloren ist. Ihre Songs wechseln dabei mühelos zwischen persönlichen Momenten und politischen Beobachtungen.<br>„Ich bin früher oft zu der Musik von Gisbert aufgewacht – nun spielen wir selbst hier. Besser geht es gar nicht!“, ließ Philipp das Publikum wissen, der im Übrigen ein wenig wie der Zwillingsbruder von Michael Gregoritsch aussah. Und Gisbert selbst? Befand sich natürlich ebenfalls im Publikum, wurde ständig von Leuten angesprochen oder direkt umarmt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="685" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gsg2.jpg" alt="" class="wp-image-47927" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gsg2.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gsg2-700x480.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">GROSSSTADTGEFLÜSTER</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Als Abschluss des ersten Tages stand mit GROSSSTADTGEFLÜSTER bereits die letzte Band auf dem Programm. Denn beim Heimspiel Knyphausen gibt es nur eine Bühne – was vielleicht auch erklärt, warum die Picknickdecken auf dem Gelände eine so wichtige Rolle spielen. Wobei sich die Berliner natürlich nicht lange bitten ließen, das Publikum damit aufzuziehen. „Also, wir sind ja eher eine Partyband und Ihr ein Picknickdecken-Publikum. Sagt mal – ist das eigentlich kompatibel?“<br>Die Antwort folgte in Form von ordentlich Gegenwind aus dem Publikum – und danach vor allem in Form von Bewegung. Bei Songs wie „Ich muss gar nix“, „Fickt-Euch-Allee“ und „Ich kündige“ zeigte sich schnell: Picknickdecke hin oder her, dieses Publikum kann auch anders. Spätestens als riesige Sat.1-Bälle ins Publikum flogen, war klar, dass hier niemand mehr besonders viel Wert auf gepflegte Picknickdecken-Etikette legte.<br>Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir vor ihrem Auftritt gar nicht bewusst war, dass es GROSSSTADTGEFLÜSTER bereits seit über 20 Jahren gibt. Dabei liefern die Berliner seit jeher die Antwort auf die Frage, wie viel Elektro-Pop, Punk, NDW und gepflegter Rave-Quatsch eigentlich in einen Song passen. Scheppernde Beats, Synthie-Geballer und Berliner Schnauze irgendwo zwischen SEEED, DEICHKIND, MARIE CURRY und Hella von Sinnen – oder anders gesagt: die Kunst, aus schlechter Laune ziemlich gute Laune zu machen.<br>Vor dem Auftritt hätten wir nicht erwartet, wie viel Spaß wir mit den Berlinern haben würden. „Der Letzte geht auf mich, und jetzt ist Feierabend.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="666" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gzk.jpg" alt="" class="wp-image-47926" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gzk.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-gzk-700x466.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">GISBERT ZU KNYPHAUSEN</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Der zweite Tag begann anders als geplant. Da die niederländische Singer/Songwriterin ROOSMARIJN aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste, sprang kurzerhand GISBERT ZU KNYPHAUSEN ein. Und während andere Booker bei einer solchen Absage vermutlich hektisch werden würden, lag die Lösung beim Heimspiel quasi auf der Hand: Der Festivalchef spielte einfach selbst.<br>Innerhalb kürzester Zeit waren die Plätze für die Bootstour auf dem Heimspiel Liner ausverkauft. Unsere Freundin, die uns überhaupt erst zum Festival gebracht hatte, gehörte zu den Glücklichen – und hatte dabei noch eine kleine Rechnung mit der Vergangenheit offen. Denn bei einem früheren Gisbert-Konzert war ihr einmal während des Auftritts schwarz vor Augen geworden und sie kollabierte. Das Konzert wurde unterbrochen, das Saallicht ging an, zahlreiche Menschen bildeten eine Traube um sie herum. Ihre erste Reaktion beim Aufwachen: „Er soll weiterspielen.“<br>Als wir davon hörten, war der Spott natürlich vorprogrammiert: „Ob ein Gisbert-Konzert auf einem schaukeligen Schiff wirklich eine gute Idee für Dich ist?“ Immerhin: Man könne sie ja notfalls hinlegen und die Beine hochlagern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="649" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-jeep.jpg" alt="" class="wp-image-47928" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-jeep.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-jeep-700x454.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Amphibien-Jeep</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Die anderthalbstündige Bootstour verlief diesmal allerdings völlig problemlos. Für die größten Lacher sorgten ohnehin andere Dinge: eine vom Oberdeck heruntergelassene Kamera, die während des Konzerts hinter Gisbert auftauchte, und ein Jeep, der plötzlich mitten im Wasser an dem Schiff vorbeifuhr. „Das war mein Bruder auf dem kürzesten Weg“, kommentierte Gisbert die surreale Szene.<br>Ansonsten gab es neben vielen alten Songs auch erste Einblicke in sein neues Album. Gisbert bat das Publikum, die neuen Stücke nicht mitzuschneiden – eine Bitte, an die sich alle erstaunlich brav hielten. Nach langem Applaus verabschiedete er sich schließlich aufs Oberdeck und setzte sich an einen Tisch zu seinen Eltern.<br>Ach, Heimspiel Knyphausen. Hier ist einfach wirklich alles unglaublich nett und idyllisch.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ge.jpg" alt="" class="wp-image-47929" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ge.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-ge-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">GINA ÉTÉ</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Mit GINA ÉTÉ stand bereits die dritte Alpenländerin auf der Heimspiel-Bühne. Gisbert hatte sie zuvor selbst wärmstens empfohlen: etwas düster, etwas eigenwillig – und genau das bestätigte sich auch live.<br>Begleitet von drei Streicherinnen und einem Schlagzeuger verband die Schweizerin Keys, Synthies und Kammermusik mit elektronischen Experimenten zu einem Sound, der sich nicht groß um Genregrenzen schert. Mal kantig und treibend, mal fragil und fast intim, immer geprägt von Melancholie, Wut und kluger Beobachtung.<br>An manchen Stellen erinnerte das an BJÖRK, dann wieder an CHARLOTTE BRANDI oder – wenn es lauter wurde – sogar an RADIOHEAD. Musik für alle, die es gerne etwas sperriger mögen, ohne auf Melodien verzichten zu wollen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="657" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tram.jpg" alt="" class="wp-image-47930" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tram.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tram-700x460.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">TRAMHAUS</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Den Tipp, TRAMHAUS nicht zu verpassen, bekam meine Freundin von einem anderen Fotografen – ich wiederum von Blueprint-Kollege Emil. Sie sollen live mächtig abgehen, andere bezeichneten sie gleich als „die holländische Post-Punk-Sensation“. Nach einer Viertelstunde Verzögerung machten die Rotterdamer dann aber von der ersten Sekunde an klar, warum sie diesen Ruf genießen.<br>Irgendwo zwischen dem aufgekratzten Post-Punk von IDLES, der düsteren Großstadtmelancholie der FONTAINES D.C. und der rotzigen Energie der VIAGRA BOYS werden Garage, Noise und Post-Punk durch den Verstärker gejagt und mit einer Prise Shoegaze verfeinert. Dazu kommt eine Live-Energie, die auch die letzten Reihen vor der Bühne in Bewegung bringt.<br>Allen voran Sänger Lukas Jansen: Mit klassischer Fokuhila-Frisur und einer Mischung aus Zappelphilipp, Frontmann und menschlichem Flummi arbeitete er sich durch das Set. Eine willkommene laute Abwechslung zwischen den eher feineren Tönen des Festivals – auch wenn die Band während des gesamten Auftritts mit leichten Soundproblemen zu kämpfen hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="664" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kapa.jpg" alt="" class="wp-image-47931" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kapa.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kapa-700x465.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">KAPA TULT</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">In eine komplett andere Richtung ging es mit KAPA TULT. Die Leipziger verbinden NDW-Flair, Indie-Gitarren, Orgeln und Surf-Punk mit feministischen Texten über Selbstbehauptung und die kleinen und großen Zumutungen des Erwachsenwerdens.<br>Musikalisch ist das durchaus charmant, live wollte der Funke bei uns allerdings nicht so recht überspringen. Vielleicht lag es daran, dass vieles sehr stark um die eigene Befindlichkeit und die Themen der eigenen Generation kreiste. Dazu kamen zahlreiche Publikumsansprachen, die eher nach gemeinsamem Workshop als nach Konzert wirkten. Der Versuch einer spontan initiierten Polonaise wurde jedenfalls mit kollektivem Augenverdrehen statt mit Begeisterung aufgenommen.<br>Als zwischendurch auch noch der Strom ausfiel, war zumindest für einen Moment Ruhe im Diskurs. Vielleicht ist das manchmal gar nicht die schlechteste Idee.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="663" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-cc.jpg" alt="" class="wp-image-47932" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-cc.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-cc-700x464.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">CARI CARI</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">CARI CARI bringen einen erstaunlich geschlossenen Soundkosmos auf die Bühne: staubiger Americana, Blues, Stoner-Rock und eine ordentliche Portion psychedelische Schwere verbinden sich zu einem Mix, der irgendwo zwischen Wüstenstraße und altem Westernkino zuhause ist.<br>Dazu kommt eine Coolness und Erhabenheit, die perfekt zur Musik passt – Stephanie Widmer und Alexander Köck inszenieren sich mit genau der richtigen Portion Rockstar-Attitüde, ohne dass es je aufgesetzt wirkt. Zwischen Keys, Didgeridoo, Gong und Schlagzeug entstehen immer wieder neue Klangfarben.<br>Spätestens beim BLACK SABBATH-Cover „War pigs“ war klar: Diese beiden haben nicht nur gute Songs, sondern auch ein ziemlich gutes Gespür dafür, wie man sie auf die Bühne bringt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="669" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tn.jpg" alt="" class="wp-image-47933" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tn.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-tn-700x468.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">THE NOTWIST</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Zum Abschluss des zweiten Tages dann die Weilheimer Indie-Institution THE NOTWIST. Und wenn ich meine Strichliste korrekt geführt habe, war dies bereits mein 20. Konzert seit meiner ersten Begegnung mit ihnen 1995 im JUZ in Leer, Ostfriesland.<br>Ein NOTWIST-Konzert ist für mich deshalb längst keine Überraschung mehr – und trotzdem jedes Mal wieder anders. Beim letzten Mal traten sie als „Pocketband“ nur zu dritt auf und besannen sich dabei auf ihre frühen Alben, die noch deutlich stärker vom Metal und Hardcore beeinflusst waren. Diesmal standen sie wieder in großer Besetzung zu siebt auf der Bühne, mit Theresa Loibl an der Bassklarinette und Haruka Yoshizawa am Harmonium.<br>Die Setlist bot einen guten Querschnitt durch inzwischen 37 Jahre Bandgeschichte: elektronische Spielereien, psychedelische Momente, verträumte Indie-Passagen und immer wieder diese ganz eigene Mischung aus Melancholie und Experimentierfreude. Vielleicht führte der kleine Pocketband-Ausflug sogar dazu, dass auch wieder etwas älteres, härteres Material zurück ins Programm fand.<br>Besonders schön: Auf dem Heimspiel gab es tatsächlich noch Menschen, die THE NOTWIST zum allerersten Mal live sahen. Während die eine Bekannte mit der Band nicht so recht warm wurde (ihr gefielen an diesem Wochenende KAPA TULT am besten), war die andere von der Vielseitigkeit der Oberbayern ziemlich beeindruckt.<br>Das waren wir als alte Wegbegleiter ohnehin. Und auch das Publikum ließ die Band nicht ohne mehrere Zugaben von der Bühne.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="645" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-rebstoecke.jpg" alt="" class="wp-image-47934" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-rebstoecke.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-rebstoecke-700x452.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zwischen den Reben</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Tag 3 begann bereits um 12 Uhr mittags – und bewies, dass der Sommer noch eine Schippe drauflegen konnte. Umso schöner, dass das Weingut für Abkühlung sorgte: Ein gut frequentierter Sprühnebel und zahlreiche Schattenplätze, teilweise sogar mit Liegestühlen ausgestattet, machten die Hitze deutlich erträglicher. Besucherfreundlichkeit, die man bei Festivals leider nicht immer vorfindet.<br>Direkt vor der Bühne waren zur ersten Band allerdings keine schattigen Plätze mehr zu ergattern, im Festzelt hatten sich bereits die ersten Picknickdecken ausgebreitet. Für Familien mit kleinen Kindern ist diese entspannte Festivalatmosphäre natürlich ideal – manchmal entwickelt die Liegestuhlmentalität aber auch ihre ganz eigenen Herausforderungen, wenn Plätze vorsorglich blockiert werden, obwohl sie später gar nicht genutzt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="994" height="662" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-oss.jpg" alt="" class="wp-image-47935" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-oss.jpg 994w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-oss-700x466.jpg 700w" sizes="(max-width: 994px) 100vw, 994px" /><figcaption class="wp-element-caption">ONE SENTENCE.SUPERVISOR</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Wir fanden schließlich einen kleinen Schattenstreifen direkt vor der Kindertribüne – noch so eine charmante Idee des Heimspiels. Von dort ließ sich der Auftritt von ONE SENTENCE.SUPERVISOR bestens verfolgen. Mitten auf der Bühne stand ein Sonnenschirm mit einem darunter befestigten Schild „Big Sale“, den die Band allerdings selbst gar nicht nutzte. Schade eigentlich – man hätte doch gerne gewusst, ob dahinter irgendein Konzept steckt oder einfach nur ein Fundstück aus dem Festivalfundus.<br>Musikalisch boten die Schweizer einen spannenden Mix aus Krautrock, Indie, Psychedelic und Shoegaze. Die langen Instrumentalpassagen, Jams und Groove-Parts entwickelten live einen hypnotischen Charakter, ohne dass die Band dabei den roten Faden verlor. Musik, die weniger auf den schnellen Effekt setzt, sondern sich langsam entfaltet und ihren eigenen Rhythmus findet.<br>Bemerkenswert war übrigens auch: Obwohl am letzten Festivaltag nur noch drei Bands ohne die ganz großen Namen spielten, blieb das Gelände trotz der hochsommerlichen Temperaturen erstaunlich voll. Ein Grund dafür dürfte auch die unkomplizierte Festivalorganisation sein. Statt eines klassischen Festivalbändchens oder eines komplizierten Kombitickets bekommt man beim Heimspiel drei einzelne Tagestickets, die bei Bedarf sogar über die festivaleigene Ticketbörse weitergegeben werden können.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-hr.jpg" alt="" class="wp-image-47937" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-hr.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-hr-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">HOTEL RIMINI</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Als zweite Band des Tages folgte mit HOTEL RIMINI gleich die nächste Formation aus Leipzig. Bei den vielen Leipziger und Alpenland-Doppelpacks stellt sich fast die Frage, ob die Bands untereinander inzwischen Fahrgemeinschaften gebildet haben. Musikalisch ging es deutlich ruhiger weiter: HOTEL RIMINI setzen auf kluge Texte, warme Gitarren und eine Band, die genau hinschaut. Zwischen Indiefolk, Kammermusik, Pop und Chanson erinnern sie stellenweise an WANDA und FINK, am ehesten vielleicht aber an ELEMENT OF CRIME. Keine Musik für den großen Festivalmoment mit erhobenen Fäusten – eher für die kleinen Geschichten am Wegesrand. Und genau darin liegt ihre Stärke.<br>Und vielleicht passt es auch deshalb so gut zum Heimspiel: Nach dem Auftritt stand Sänger Clemens Engert nicht etwa im Backstagebereich, sondern kaufte sich selbst noch ganz entspannt eine Kiste Wein in der Vinothek.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe.jpg" alt="" class="wp-image-47938" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">FORTUNA EHRENFELD</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Bevor das Publikum bei der letzten Band endgültig in der Melancholie versinken konnte, hatte der Booker einen ziemlich guten Trick parat: Zum Abschluss einfach jemanden spielen lassen, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt.<br>FORTUNA EHRENFELD scheren sich herzlich wenig um Genregrenzen oder Erwartungshaltungen. Innerhalb eines Songs kann es zwischen Indie, Polka-Pop, Jazz, Elektropunk und komplettem Irrsinn hin und her gehen, ohne jemals beliebig zu wirken. Mal wirkt das wie eine kleine Theateraufführung, mal wie eine Bandprobe, bei der plötzlich alles möglich ist. Poetische Eskapaden für die düstere Seitengasse. Als Gast gesellte sich zwischendurch auch noch GISBERT ZU KNYPHAUSEN dazu – ein schöner Moment, der noch einmal zeigte, wie familiär das Heimspiel Knyphausen tatsächlich funktioniert.<br>Blöd nur, dass Sänger Martin Bechlers Fender-Gitarre nach dem letzten Song plötzlich verschwunden war – nachdem er sie zuvor ins Publikum gereicht hatte. Ein Langfinger beim Heimspiel? Das passt nun wirklich nicht zum ansonsten so freundlichen Festival.<br>Die Suche über soziale Medien brachte schnell Erfolg. Wahrscheinlich hatte der kurzzeitige Besitzer die Gitarre einfach irgendwo zwischen den Reben abgestellt und nur vergessen, wo genau.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe2.jpg" alt="" class="wp-image-47939" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe2.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-fe2-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">FORTUNA EHRENFELD</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Unser Fazit nach drei Tagen Heimspiel? Ein ausgesprochen charmantes Festival, bei dem vieles erstaunlich unkompliziert funktioniert. Politische Ansagen gegen den Zustand der Welt gab es von vielen Bands – und trotzdem verließ man Eltville mit einem anderen Gefühl.<br>Vielleicht lag es am Wein, vielleicht an der Musik, vielleicht an dieser ungewöhnlichen Mischung aus Picknickdecken, Familien, Indie-Fans und Künstlern, die hier nicht hinter Backstage-Zäunen verschwinden. Für drei Tage hatte man jedenfalls den Eindruck, dass die Welt doch noch ganz gut funktionieren kann.<br>Zumindest zwischen Reben, Bühne und weintrinkenden Picknickdecken-Nutzern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="667" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kt.jpg" alt="" class="wp-image-47940" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kt.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/08/hk26-kt-700x467.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kindertribüne</figcaption></figure>
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		<title>THE WOMBATS – 20.07.2026, Kulturinsel Wöhrmühle (Erlangen)</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/the-wombats-20-07-2026-kulturinsel-woehrmuehle-erlangen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Emil Drexler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2026 11:56:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Livereviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das war meine persönliche Jubiläumsshow: Genau vor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle MAXÏMO PARK gesehen und anschließend meinen allerersten Bericht für das Blueprint Fanzine geschrieben. Es ist also genau genommen mein Jubiläumsbericht – ein Jahr Blueprint-Schreiber, juhu!Von daher liegt es natürlich nahe, die beiden Auftritte von THE WOMBATS und MAXÏMO PARK miteinander zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-white-background-color has-background">Das war meine persönliche Jubiläumsshow: Genau vor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle MAXÏMO PARK gesehen und anschließend meinen allerersten Bericht für das Blueprint Fanzine geschrieben. Es ist also genau genommen mein Jubiläumsbericht – ein Jahr Blueprint-Schreiber, juhu!<br>Von daher liegt es natürlich nahe, die beiden Auftritte von THE WOMBATS und MAXÏMO PARK miteinander zu vergleichen. Auch weil beide Bands der britischen Indie-Rock-Szene der 2000er-Jahre ihren Stempel aufgedrückt und Hits im Gepäck haben, die in keiner Indie-Disco fehlen dürfen.<br>Welche Band mir besser gefallen hat, will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Fest steht aber schon mal, dass mich die britische Vorband CHERRYHOLT eher wenig beeindruckt hat. Ihr kleiner Hit „Irresistible“ klingt tatsächlich komplett wie ein THE KOOKS-Klon. Zugutehalten muss man der Band allerdings, dass alle Mitglieder noch ziemlich jung sind – zwischen 17 und 19 Jahren. Wenn sie noch etwas mehr Eigenständigkeit entwickeln, könnte das durchaus noch was werden. Andernfalls verschwinden sie vermutlich ziemlich schnell in der Versenkung. Der Auftritt als Support für THE WOMBATS war jedenfalls ihr bisher größter und gleichzeitig der erste in Deutschland. Ob der Sänger deshalb das „I’m Only Here For The Beer“-T-Shirt trug?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="724" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_213708.jpg" alt="" class="wp-image-47897" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_213708.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_213708-700x507.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Dann kamen THE WOMBATS auf die Bühne. Einfach so, ohne Intro oder große Gesten. Das gab sofort Sympathiepunkte, auch wenn der Eindruck aufkam, Sänger „Murph“ sei gerade erst geweckt worden und habe sich nur noch schnell eine Jogginghose überwerfen können. Sehr passend wirkte dann auch der erste Song „Sorry I’m late, I didn’t want to come“ vom aktuellen Album „Oh! The ocean“. Der Refrain wildert mit seiner hohen Tonlage ein wenig in PARCELS-Gefilden, was aber hervorragend passt. Danach folgten mit „Moving to New York“ und „Techno Fan“ gleich zwei Hits. Die Menge erwies sich nicht nur als absolut textsicher, sondern hatte auch ordentlich Bock zu tanzen – also auf dieses fränkische, leicht verhaltene Tanzen, welches aber im späteren Verlauf ordentlich Fahrt aufnahm (bis hin zum Moshpit, was aus meiner Sicht bei einer poppigen Indie Band ja eher nicht so passt).<br>Und so ging es fröhlich weiter: viele Hits, aufgelockert durch ruhigere Songs („Lethal combination“ gab es in einer Akustik-Version), hin und wieder lustige Ansagen und viel Applaus. Und natürlich als allerletzte Zugabe den Signature Song der Band: &#8222;Let&#8217;s Dance to Joy Division&#8220;.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="750" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_203931.jpg" alt="" class="wp-image-47898" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_203931.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_203931-700x525.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Außer der kurzen Spielzeit (knapp 80 Minuten) gibt es eigentlich nicht viel zu kritisieren. Aber eine „Mind-Blowing-Experience“ war es auch nicht. Bevor jetzt alle Die-Hard-THE-WOMBATS-Fans aufschreien: Das Konzert war trotzdem gut. Auch wenn MAXÏMO PARK vor einem Jahr besser waren. Eigentlich. Denn nachdem ich gerade noch einmal <a href="https://blueprint-fanzine.de/maximo-park-22-07-2025-kulturinsel-woehrmuehle-erlangen/">meine damalige Review </a>gelesen habe (in der ich auch ausführlich über die Location berichtet habe), zweifle ich ein wenig an meiner Erinnerungsfähigkeit – dort habe ich nämlich auch nicht gerade überschwänglich berichtet. Wahrscheinlich mag ich MAXÏMO PARK einfach lieber.<br>Vielleicht fand ich aber auch die lebensgroßen Plüsch-Wombats, die zweimal auf die Bühne kamen, einfach nur albern. Wobei es immerhin zu einem lustigen Aufeinandertreffen mit dem Maskottchen des Sponsors MAUSS BAU kam: Bei einem Song stürmte dieses gemeinsam mit einem Plüsch-Wombat die Bühne. Nach dem Song fragte sich die Band sichtlich verwirrt: „War das eigentlich eine Maus?“ „Murph“ meinte darauhin: „Natürlich war das eine Maus, es stand ja schließlich auf dem Kostüm drauf!“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="1000" height="750" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_204524.jpg" alt="" class="wp-image-47896" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_204524.jpg 1000w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_204524-700x525.jpg 700w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>
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		<title>Punk Rock Raduno &#8211; 16.-19.07.2026 (Bergamo)</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/punk-rock-raduno-16-19-07-2026-bergamo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bernd Cramer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2026 23:12:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Livereviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Punk Rock Raduno hatte ich schon länger auf meiner Bucket List. Das kleine Umsonst-Festival im norditalienischen Bergamo findet (mit der obligatorischen Corona-Unterbrechung) seit 2016 statt und wird von den Veranstaltenden nicht zu unrecht als &#8222;Familienzusammenkunft&#8220; (=Raduno) tituliert: Ein großes Zusammentreffen der italienischen Punkrock-Szene, musikliebenden Einwohner*innen Bergamos sowie Menschen mit einem generellen Faible für DIY-Kultur. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-white-background-color has-background">Das Punk Rock Raduno hatte ich schon länger auf meiner Bucket List. Das kleine Umsonst-Festival im norditalienischen Bergamo findet (mit der obligatorischen Corona-Unterbrechung) seit 2016 statt und wird von den Veranstaltenden nicht zu unrecht als &#8222;Familienzusammenkunft&#8220; (=Raduno) tituliert: Ein großes Zusammentreffen der italienischen Punkrock-Szene, musikliebenden Einwohner*innen Bergamos sowie Menschen mit einem generellen Faible für DIY-Kultur. Obwohl der Großteil des Festivals auf dem Gelände eines Jugendzentrums samt angrenzendem Park stattfindet, wird es mittlerweile von weiteren Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet ergänzt. Letztes Jahr gab es beispielsweise ein Roller Derby Match oder eine Akustik-Show in einem Linienbus, dazu wird das Festival von Workshops und Ausstellungen flankiert. Somit war ein erlebnisreiches langes Wochenende bereits beim Reiseantritt vorprogrammiert. Aufgrund des mittlerweile ziemlich ausgedünnten Flugplans in Hamburg entschieden wir uns für eine Anreise am Mittwoch über den Flughafen Mailand-Linate, von dort ging es in etwas über anderthalb Stunden per Metro und Bus weiter bis ins Zentrum von Bergamo. Wer am Mittwoch hingegen direkt in Bergamo gelandet ist, kam möglicherweise in den Genuss eines musikalischen Empfangskomitees &#8211; die PRR Crew hat nämlich einfach mal eine Punkrock-Show im dortigen Ankunftsterminal organisiert. Stattdessen endete der Abend für uns stilecht mit einer köstlichen Pizza vom nebenangelegenen Restaurant und einer erlesenen Auswahl italienischer Biere.<br><br>Am Donnerstag stand dann zunächst etwas Sightseeing auf dem Programm. Mit der Zugseilbahn ging es in die historische Oberstadt von Bergamo und nach einem ausgiebigen Bummel mit einer weiteren Zugseilbahn weiter auf den Hügel San Vigilio, von dem man einen atemberaubenden Blick über die Stadt und die Poebene hat. Wenn man es bis da oben hin geschafft hat, sollte man unbedingt in eines der dortigen Restaurants einkehren &#8211; ein wahrhaft malerischer Ausblick ist bei gutem Wetter garantiert! Aber genau genommen waren wir ja nicht wegen des Ausblicks und des guten Essens in Bergamo, sondern wegen des Festivals. Und so trafen wir pünktlich zum Auftritt des offiziellen Festival-Openers MEGA auf dem Gelände des eingangs erwähnten Jugendzentrums Edoné ein. Diese spielten &#8211; ebenso wie die darauffolgenden RICOBELLIS &#8211; eingängigen Pop-Punk, was insofern nicht überrascht, da das Punk Rock Raduno seit jeher ein Faible für Bands hat, die früher auf amerikanischen Labels wie Lookout! oder Hopeless Records beheimatet waren. Vor allem die RICOBELLIS hatten mit Songs wie &#8222;You&#8217;re my baby on LSD&#8220; oder &#8222;Are you trying to escape&#8220; ein paar Ohrwürmer auf Lager, die mich noch Tage später verfolgten. Im Anschluss ging es auf der Hauptbühne mit BEE BEE SEA weiter, deren Sound ich irgendwo zwischen Rock&#8217;n&#8217;Roll, Powerpop und Garage einordnen würde. In Italien scheinen sie auf jeden Fall keine Unbekannten mehr zu sein &#8211; ihre Shows dort sind immer häufiger ausverkauft und ihre Songs erreichen auf Spotify teilweise sechsstellige Klickzahlen. Die Hauptattraktion des Abends waren aber zweifelsohne THE DWARVES. Ich persönlich hatte nie einen besonderen Zugang zu der bereits seit Mitte der 1980er Jahre existierenden amerikanischen Punk-Band, was sicherlich auch daran lag, dass ich ihrem teils grenzüberschreitenden Humor nichts abgewinnen kann. Dennoch legte der Haufen um Frontman Blag Dahlia einen energievollen Auftritt hin und kam mit aus heutiger Sicht sicherlich nicht immer politisch korrekten Klassikern wie &#8222;Everybodies girl&#8220; oder &#8222;Better be woman&#8220; beim Publikum gut an. Auf dem anschließen Heimweg zeigte sich dann die einzige Schwachstelle des Festivals, nämlich die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Während die Anreise zum etwas außerhalb gelegenen Edoné dank guter Bustaktung kein Problem darstellte, fährt der letzte Bus Richtung Innenstadt sogar am Wochenende bereits gegen 22 Uhr. Taxen haben wir während unseres mehrtägigen Aufenthalts nur äußerst selten gesehen, und wenn man sich ein Uber bucht, kann es durchaus zu Wartezeiten von 20 Minuten oder länger kommen, da es in Bergamo und Umgebung offenbar kaum verfügbare Fahrer gibt. Wenn man also in den Genuss der Headliner kommen möchte und im Zentrum wohnt, muss man also entweder einen nächtlichen Fußmarsch (in unserem Fall 40 Minuten) in Kauf nehmen, oder auf Leih-Fahrräder oder -Roller setzen, wobei sich auch hier natürlich immer die Frage nach der Verfügbarkeit stellt.</p>



<figure class="is-layout-flex wp-block-gallery-1 wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="769" data-id="47867"  src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_stage-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-47867" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_stage-1024x769.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_stage-700x526.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_stage-1536x1153.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_stage-2048x1538.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="has-white-background-color has-background">Am nächsten Morgen führte uns der Weg zunächst ins Kino: Die NOFX-Doku &#8222;40 years of fuckin&#8216; up&#8220; feierte im Rahmen des Punk Rock Raduno seine Italien-Premiere und lockte zu früher Stunde zahlreiche Punkrock-Fans in den angenehm klimatisierten Vorführungssaal. Anders als man es aus Deutschland kennt, gab es vor Ort keinen Snack- oder Getränkeverkauf, so dass mitgebrachte Supermarkt-Biere solidarisch durch die Reihen gereicht wurden. Der Film selber ist nicht nur für wehmütige NOFX-Fans sehenswert, sondern auch für Personen, die sich noch nicht tiefergehend mit der Geschichte der Band befasst haben, da er neben einem Abriss der Bandgeschichte auch schonungslos auf die Probleme eingeht, mit denen einige Bandmitglieder hinter den Kulissen zu kämpfen hatten. Auf jeden Fall keine leichte Kost. <br>Im Anschluss zog es mich weiter in den Ink Club. In einem Hinterhof an einer Ausfallstraße verbirgt sich ein Musik-Club, wie er sein soll: Schwarz gestrichene Wände, in der einen Ecke eine kleine, 30cm hohe Bühne, an der Wand gegenüber ein gut bestückter Tresen und dazwischen Platz für vielleicht 120 Personen, die den Laden schnell Richtung Siedepunkt katapultierten. Mit CRANCY CROCK eröffnete eine lokale Band, die mittlerweile fester Bestandteil des Festivals ist und ihre Mischung aus melodischen Punkrock und Alternative mit jeder Menge Spielfreude zum Besten gab. Gefiel mir ausgezeichnet! Die darauffolgenden RADIO DAYS aus Mailand blicken hingegen schon auf jede Menge überregionale Touren von Europa bis nach Japan zurück und hatten selbstverständlich auch das hier anwesende Publikum voll im Griff. In ihrem Powerpop spiegeln sich Einflüsse von den BEATLES über THE RUBINOOS und den RAMONES wider, stellenweise erinnerten sie mich auch etwas an THE BOYS. Da stieg schon einmal die Vorfreude auf das, was am Abend folgen sollte.</p>



<figure class="is-layout-flex wp-block-gallery-3 wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="769" data-id="47864"  src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_radiodays-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-47864" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_radiodays-1024x769.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_radiodays-700x526.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_radiodays-1536x1153.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_radiodays-2048x1538.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="has-white-background-color has-background">Vielleicht an dieser Stelle noch einmal ein paar Worte zum eigentlichen Festivalgelände, dem Edoné. Hier gibt es zunächst einmal einen relativ großen Gastronomiebereich, der an einen Biergarten erinnert. Dort gibt es zu sehr fairen Preisen Pizza, Burger, Bowls und diverse andere Köstlichkeiten &#8211; alles unglaublich lecker und dank zahlreicher fleischloser Varianten auch für Veganer*innen ein Genuss! Hinter dem Gastronomiebereich schließen sich dann zwei Bühnen an. Die kleine Bühne wird vor allem für die früheren Slots genutzt und bietet zugleich einen guten Schutz gegen die Hitze, da der Bereich vor der Bühne nicht nur durch ein Tarnnetz beschattet wird, sondern darüber hinaus auch noch ein Wasserbestäubungssystem für gelegentliche Abkühlung sorgt. Habe ich in dieser Form bisher noch nicht erlebt, aber das Konzept hat mich definitiv überzeugt. <br>Mit fortschreitender Stunde verlagert sich das Geschehen dann zunehmend Richtung Hauptbühne. Los ging´s aber erstmal unter dem Tarnnetz, wo SLUDDER den Abend eröffneten. Der Fünfer aus Kroatien gab energievollen Melodycore zum Besten erinnerte mich vom Songwriting immer wieder an NO USE FOR A NAME. Dazu versprühten sie jede Menge Spielfreude und zogen das Publikum entsprechend mit. Solltet ihr zufällig Shows veranstalten und nach einer motivierten, jungen Band suchen: SLUDDER freuen sich immer über Konzertanfragen, wie sie die Zuschauenden mehrmals wissen ließen. Die nachfolgenden Bands PROTON PACKS und F.A.N.T.A. hingegen mehr im Pop-Punk verortet, wobei Letztere aus Spanien kommen und in ihrer Landessprache singen. Viele Anwesende fieberten zu diesem Zeitpunkt hingegen innerlich schon den Auftritt von M.O.T.O. auf der Hauptbühne entgegen. Die Band wurde 1981 von ihrem Mastermind Paul Caporino gegründet und zählt somit zu Italiens Punk-Urgesteinen. Ich erinnere mich noch verschwommen an eine Solo-Show von ihm vor vielen, vielen Jahren in einem mittlerweile nicht mehr existierenden Plattenladen. Heute jedenfalls bekam er Unterstützung von den Mitgliedern der zuvor gesehenen PROTON PACKS und sorgte mit Songs wie &#8222;Choking on your inside&#8220; oder &#8222;I hate my fucking job&#8220; vor allem bei älteren Semestern für Nostalgietränen und ordentlich Tanzeifer vor der Bühne. </p>



<figure class="is-layout-flex wp-block-gallery-5 wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="769" data-id="47861"  src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/PRR_manduria-1-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-47861" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/PRR_manduria-1-1024x769.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/PRR_manduria-1-700x526.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/PRR_manduria-1-1536x1153.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/PRR_manduria-1-2048x1538.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="has-white-background-color has-background">Für den nächsten Act ging es wiederum zurück zur kleinen Bühne. Mit MANDURIA stand dort ein Künstler auf der Bühne, dessen Auftritt mir in doppelter Hinsicht im Gedächtnis bleiben wird. Zum einen wegen seiner Art von Musik: Mit Gitarre, Loopstation und einem ganzen Arsenal an Amps ausgestattet begleitete der Solo-Musiker sich quasi selber und lieferte einen unglaublich wilden Mix aus Garagenrock, Psychedelic und Surf-Sound ab. Hypnotisierend und mitreißend gleichermaßen. Die andere Besonderheit war, dass sein Auftritt in zwei jeweils 20-Minuten-Parts gesplittet wurde und er einfach wieder losgelegt hat, nachdem die Spanier von PRISION AFFAIR mit ihrem LoFi-Punk-Set nebenan auf der Hauptbühne fertig waren. Ich sag mal so: Was die musikalischen Skills angeht, war MANDURIA für das Punk Rock Raduno vielleicht ein wenig überqualifiziert, aber für die Veranstaltung als solches war er definitiv ein Gewinn! Zu den ersten Klängen von THE APERS ging es dann Richtung Apartment.<br><br>Für den dritten Tag hatten die Veranstaltenden eine mittägliche Warm-Up Veranstaltung auf die Beine gestellt. Vor einem Bistro in einem Park nahe des Hauptbahnhofs spielte mit den MINERS zunächst eine örtliche, antifaschistische Oi!-Band zum Pogo auf. Worum es in ihren Texten geht, ließ sich auch ohne tiefgreifende Italienisch-Kenntnisse problemlos rekonstruieren: Für Solidarität und Zusammenhalt, gegen Kapitalismus und Repression. Und vermutlich auch noch irgendwas mit Bier. Soweit, so unterhaltsam. Wir waren aber vor allem wegen LONE WOLF gekommen. Die Band aus Rotterdam war auch schon mal beim Hamburger Booze Cruise Festival zu Gast, und genau so klingen sie auch: Schnell, melodisch und mit jeder Menge eingängiger Hooklines. Eine großartige Vorstellung, die sich direkt im Kauf einer Platte niederschlug. <br>Diese Messlatte musste beim abendlichen Besuch im Edoné erstmal gerissen werden. Einen guten Anfang machten hierzu erstmal MENAGRAMO, die mit Akustikgitarre und Waschbrett eine schwungvolle Folk-Punk-Performance ablieferten. Die darauffolgenden Bands holten mich hingegen nicht so sehr ab. Sowohl JAGGER HOLY (u.a. mit ehemaligen Mitgliedern der DEE CRACKS), als auch SUCCO MARCIO klangen für meinen Geschmack schlichtweg zu durchschnittlich, und die aus Japan angereisten KINGONS bestätigten einmal mehr mein Empfinden, dass für die meisten Bands aus dem Land der aufgehenden Sonne die Bühnenshow mehr zählt als musikalische und inhaltliche Authentizität. Mit ihren einheitlichen roten, an Zirkusdirektoren erinnernden Anzügen, dem Make-Up und den einstudierten Bühnenbewegungen erinnerte mich das Ganze jedenfalls eher an eine Musicalperformance, als an eine Punkrock-Show.  </p>



<figure class="is-layout-flex wp-block-gallery-7 wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="769" data-id="47865"  src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_kingons-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-47865" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_kingons-1024x769.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_kingons-700x526.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_kingons-1536x1153.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_kingons-2048x1538.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="has-white-background-color has-background">Ebenso wie viele andere Festivals bietet das Punk Rock Raduno auch regionalen Newcomer-Bands eine Plattform. Doch anstatt sie irgendwann am frühen Nachmittag, wo sowieso noch kaum jemand da ist, als Opener zu verheizen, wurden kurzerhand drei Rookie-Formationen mit einem jeweils 15-minütigen Set zur besten Stage Time in den Umbaupausen platziert. Cleverer Schachzug! Vor allem im Gedächtnis geblieben sind mir dabei WIZARDS DIE FIRST. Drei Jungspunde (vielleicht Anfang 20), die auf der Bühne einfach nur Vollgas gegeben haben. Der Drummer prügelte sich die Seele aus dem Leib, der Bassist zog mit stoischer Miene und Zigarette im Mund sein Ding durch, und der Gitarrist schrammelte nicht immer ganz sauber gespielte Powerchord-Folgen runter, die mich stellenweise gar etwas an die alten EXPLOITED erinnerten. Die Texte zwar auf Italienisch, doch der inflationär eingestreute Fachbegriff &#8222;Vaffanculo&#8220; legt nahe, dass hier nicht nur über die Leichtigkeit des Seins philosophiert wurde. Wie ich schon einem meiner Begleiter während des Auftritts zuraunte: Die vermutlich erste wahre Punk-Band des Festivals&#8230; <br>Auf der Hauptbühne bog der Abend währenddessen langsam auf die Zielgrade ein. Bei KEPI GHOULIE handelt es sich um den ehemaligen Frontmann der früheren US-Pop-Punk-Band GROOVIE GHOULIES, der hier mit Verstärkung zweier Mitmusiker deren musikalisches Vermächtnis noch einmal aufleben ließ. Eine ähnliche Vorliebe für B-Movies scheinen auch die darauffolgenden DISCOMOSTRO zu haben &#8211; zumindest was das Artwork ihrer Platten und ihres Merch betrifft. Das Letzteres von zahlreichen Festivalbesucher*innen getragen wurde, deutet darauf hin, dass sie in der italienischen Punk-Szene längst keine Unbekannten mehr sind. Eine Mischung aus Punk, Hardcore und etwas Metal, die für reges Crowdsurfing gesorgt hat.<br><br>Zu diesem Zeitpunkt galt unsere Aufmerksamkeit übrigens nicht mehr allein dem Geschehen auf der Bühne, sondern auch dem Regenradar auf unseren Handydisplays. Nachdem in den frühen Morgenstunden des Freitag bereits ein extremes Unwetter über Bergamo hinweggefegt war, braute sich hier offensichtlich eine neue Gewitterfront zusammen. Kurze Zeit später gingen in den Bergen wenige Kilometer nördlich des Festivalgeländes die ersten Blitze nieder, nach ungefähr einer halben Stunde erleuchteten sie auch südlich des Geländes den Himmel im Sekundentakt. Doch wo Festivalveranstaltende in Deutschland vermutlich umgehend das Festival aufgrund von Sicherheitsbedenken unterbrochen hätten, nahmen die hiesigen wettererprobten Organisator*innen die Lage lediglich routiniert zur Kenntnis. Und sie sollten Recht behalten! So bot sich zum Auftritt von THE QUEERS ein zwar beeindruckendes Wetterschauspiel mit einer beinahe apokalyptisch anmutenden Kulisse, während zu Pop-Punk-Evergreens wie &#8222;Punk rock girls&#8220; oder &#8222;Fuck the world&#8220; munter das Tanzbein geschwungen wurde. Doch das Festivalgelände blieb wie durch ein Wunder verschont. So ganz trockenen Hauptes kamen wir allerdings am Ende doch nicht davon, denn die erfrischende Wolkendusche ereilte uns schließlich auf dem Heimweg. </p>



<figure class="is-layout-flex wp-block-gallery-9 wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="769" data-id="47863"  src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_dickcomplainers-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-47863" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_dickcomplainers-1024x769.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_dickcomplainers-700x526.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_dickcomplainers-1536x1153.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/prr_dickcomplainers-2048x1538.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="has-white-background-color has-background">Nach drei Tagen Festival bei Temperaturen um die 30 Grad ließen wir den Sonntag etwas entspannter angehen und betraten erst am Nachmittag das Festivalgelände. Gerade rechtzeitig, um die DICK COMPLAINERS nicht zu verpassen! Von der Band aus dem italienischen Como hatte ich bislang noch nie etwas gehört, aber sie haben mich vom ersten Ton an umgeblasen. Nicht nur aufgrund ihrer extrem elanvollen Sängerin erinnern sie mich etwas an eine rauere AJZ-Variante von AMYL AND THE SNIFFERS oder den LAMBRINI GIRLS &#8211; zieht euch mal beim Streamingdienst eures Vertrauens Songs wie &#8222;SPV&#8220; oder &#8222;Woman&#8220; rein, und ihr versteht, was ich meine. Definitiv meine persönliche Neuentdeckung des Festivals. Es folgten GEOFF PALMER. Deren namensgebender Frontmann bringt bereits über drei Jahrzehnte Pop-Punk-Erfahrung mit und stand in jungen Jahren auch schon mal bei THE QUEERS am Bass. Sein aktuelles Projekt klingt im Vergleich etwas relaxter, wobei die RAMONES-Einflüsse aber unverändert herauszuhören sind. Apropos THE QUEERS: Diese standen zwei Stunden später ebenfalls schon wieder auf der (diesmal kleinen) Bühne! Was war passiert? Wenn ich es richtig mitbekommen habe, hat die eigentlich für diesen Slot vorgesehene Band ihren Auftritt absagen müssen, woraufhin die Veranstaltenden kurzerhand beim Headliner des Vorabends angefragt haben, ob sie nicht ein weiteres Mal spielen möchten. Anstatt die gleiche Setlist erneut runter zu schrubben, wurde diesmal zudem ein spezielles Pop-Set zum Besten gegeben, bei dem sie neben eigenen Songs wie &#8222;Teenage bonehead&#8220; auch Coversongs wie etwa &#8222;Girl about town&#8220; von der Synth-Pop-Musikerin HELEN LOVE einstreuten. Derartige spontane Programmänderungen sind heutzutage auf großen Festivals kaum noch denkbar, beim Punk Rock Raduno hingegen scheint alles möglich zu sein. <br><br>Die vorherigen Bands sollen an dieser Stelle aber auch noch kurz erwähnt werden. Da waren zum einen die auf Italienisch singenden MADBEAT, die irgendwo zwischen melodischem Punkrock und Streetpunk einzuordnen sind und &#8211; den Ansagen nach zu entnehmen &#8211; vor allem über politische Themen singen. So gab es zwischen ihren Liedern nicht nur das mittlerweile fast schon obligatorische Gaza-Statement, sondern in einer anderen Ansage wurde auch anlässlich des 25. Todestages an den beim G8-Gipfel 2001 in Genua von der Polizei erschossenen Carlo Giuliani erinnert. Weniger politisch, aber dafür umso eingängiger zeigten sich danach THE BAT BITES, bei denen u.a. mit der LONE WOLF-Sängerin und einem der APERS-Gitarristen schon wieder bekannte Gersichter der letzten Tage auf der Bühne standen. Vor allem der dreifache Wechselgesang verlieh ihrem Pop-Punk die nötige Würze. Entsprechend hart dann der Cut zur den darauffolgenden OJNE. Diese stehen nämlich für spielerisch versierten Screamo, wie man ihn hierzulande rund um die Jahrtausendwende von Bands wie YAGE oder ESCAPADO gehört hat &#8211; nur eben mit italienischen Texten. Trotz ihres Nischenband-Status kamen sie beim Großteil des Publikums gut an und lieferten einen weiteren Beweis dafür, dass sich das Punk Rock Raduno trotz seines grundsätzlichen Pop-Punk-Schwerpunktes als Anlaufpunkt für die komplette Punk-Szene versteht. <br>Das trifft auch auf NABAT zu. Gegründet 1979 (!) dürfte die Oi!-Band aus Bologna zu den ältesten noch (oder wieder) existierenden Punk-Formationen des Landes zählen. Entsprechend textsicher zeigte sich die Crowd vor der Bühne, wobei es auf dem Festivalgelände am Sonntag generell merklich leerer war als an den beiden Tagen zuvor. Auch bei uns machten sich erste Ermüdungserscheinungen breit und angesichts der frühen Rückreise am Folgetag beschlossen wir, auf den heutigen Headliner PANSY DIVISION zu verzichten. Somit war GIUDA die letzte Band für uns. Meinen Geschmack treffen sie mit ihrer Mischung aus Glamrock und Punk&#8217;n&#8217;Roll zwar nicht unbedingt, der Rest der Anwesenden zeigte sich jedoch auch hier sing- und tanzfreudig. Ein passender Abschluss für ein außergewöhnliches Festival. </p>



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		<title>ELBJAZZ 2026 (Hamburg)</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/elbjazz-2026-nachbericht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 20:20:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Livereviews]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man hat das Elbjazz im vergangenen Jahr durchaus vermisst. Nach der Absage 2025 kehrte Hamburgs Jazzfestival nun mit einer spürbaren Neuausrichtung zurück – und eigentlich begann diese Geschichte schon 2024. Damals öffnete der damalige Veranstalter das Festival bewusst stärker für Pop-, Indie- und andere Crossover-Genres, um neue Zielgruppen zu erreichen. Der Schritt bescherte dem Elbjazz [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Man hat das Elbjazz im vergangenen Jahr durchaus vermisst. Nach der Absage 2025 kehrte Hamburgs Jazzfestival nun mit einer spürbaren Neuausrichtung zurück – und eigentlich begann diese Geschichte schon 2024. Damals öffnete der damalige Veranstalter das Festival bewusst stärker für Pop-, Indie- und andere Crossover-Genres, um neue Zielgruppen zu erreichen. Der Schritt bescherte dem Elbjazz ein hochkarätiges Line-up und gute Besucherzahlen. Uns blieb vor allem <a href="https://blueprint-fanzine.de/elbjazz-2024-hamburg/">der Auftritt von THE STREETS </a>in Erinnerung, die ihren typischen Birminghamer Cockney-Rap überraschend stimmig in ein jazziges Gewand kleideten. Doch viele Stammgäste vermissten den Jazz als prägendes Element. Nach einer einjährigen Pause und dem Wechsel der federführenden Organisation zu Karsten Jahnke präsentierte sich das Elbjazz 2026 deshalb beinahe wie ein Neustart: mit einer klaren Rückbesinnung auf den Jazz, einigen konzeptionellen Veränderungen und dem erklärten Ziel, das besondere Profil des Festivals wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.<br><br>Für uns begann der Freitag bei bestem Sommerwetter in der Schiffbauhalle mit der HFMT BIGBAND &amp; CHINA MOSES. CHINA MOSES brachte Soul, Blues und eine Prise urbanen Groove ins Set, platzierte aber auch die eine oder andere politische Botschaft. Gleichzeitig zeigte sich die HFMT BIGBAND ungewohnt funky – so spielfreudig habe ich sie selten erlebt. In den vergangenen Jahren war sie quasi die Resident Bigband auf der Bühne vor der Elbphilharmonie. Diese kostenfreie Spielstätte fiel in diesem Jahr allerdings weg. Vermisst habe ich sie ehrlich gesagt kaum, denn sie lag stets etwas abseits des eigentlichen Festivalgeschehens und riss einen immer wieder aus dem Programm. Stattdessen entstand hinter der Schiffbauhalle mit der Hamburg Stage eine neue Bühne, die sich schnell als gelungene Ergänzung erwies.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-tawasul-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47803" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-tawasul-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-tawasul-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-tawasul.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">TAWASUL</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Dort sorgten TAWASUL für eines der ersten musikalischen Ausrufezeichen des Wochenendes. Das Projekt um Gitarrist Niklas Stadler lebt von den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen seiner Musiker. Dabei entstand ein offener musikalischer Dialog, der westafrikanische Rhythmen, europäische Jazztraditionen und moderne Grooves ganz selbstverständlich miteinander verband. So führte die Reise sinnbildlich vom Hamburger Hafen über München bis nach Mali und Los Angeles. Exotisch im besten Sinne – und dabei jederzeit zugänglich.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-future-utopia-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47804" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-future-utopia-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-future-utopia-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-future-utopia.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">FUTURE UTOPIA</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Auf der Helgen Stage folgte mit FUTURE UTOPIA ein deutlicher Stimmungswechsel. Das Projekt von Produzent Fraser T. Smith setzte weniger auf klassische Songstrukturen als auf dichte elektronische Klanglandschaften. Zwischen Trip-Hop, Electronica, cineastischen Soundflächen und einem Hauch Siebzigerjahre-Disco entwickelte sich ein buntes Set, das stellenweise durchaus an BAXTER DURY erinnerte. Dicke Beats trafen auf warme Synthesizerflächen und sommerliche Leichtigkeit – ein Konzert, das perfekt zum Wetter passte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-ndr-bigband-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47805" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-ndr-bigband-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-ndr-bigband-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-ndr-bigband.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">NDR BIGBAND</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Auf der Main Stage wartete anschließend die nächste Bigband. Die NDR BIGBAND hatte gemeinsam mit Pianist JOAN BEASLEY ein Programm zum 100. Geburtstag von MILES DAVIS erarbeitet. Seit rund einem Jahr steht das Ensemble unter der Leitung der britischen Pianistin und Komponistin Nikki Iles, die einen souveränen Eindruck hinterließ. Dass die Musikerinnen und Musiker bei hochsommerlichen Temperaturen komplett in Schwarz auf der Bühne standen, nahmen sie mit bewundernswerter Gelassenheit hin. Und wenn ich mich nicht schwer täusche, schlich sich zwischen all den Davis-Referenzen sogar noch ein kleines musikalisches Zitat von JIMI HENDRIX ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-herbertmomoko-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47806" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-herbertmomoko-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-herbertmomoko-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-herbertmomoko.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">HERBERT &amp; MOMOKO</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Mit HERBERT &amp; MOMOKO folgte anschließend eines der ungewöhnlichsten Konzerte des gesamten Festivals. MATTHEW HERBERT gehört seit den Neunzigerjahren zu den spannendsten Köpfen der experimentellen Elektronik und hat in Hamburg bereits mehrfach bewiesen, wie gut seine Klangwelten vor allem live funktionieren – zuletzt 2024 bei der <a href="https://blueprint-fanzine.de/matthew-herbert-ensemble-resonanz-the-game-12-05-2024-laeiszhalle-hamburg/">Vertonung des FC-St.-Pauli-Aufstiegsspiels in der Laeiszhalle.</a><br>Gemeinsam mit Sängerin und Multiinstrumentalistin MOMOKO GILL zeigte er nun, wie organisch Experiment und Pop zusammenfinden können. Während Gill gleichzeitig Schlagzeug spielte, Keytar bediente und dazu mit sanfter Stimme sang oder Basketbällen erstaunlich groovende Beats entlockte, verwandelte Herbert Knochenflöten und sogar live aufgezeichnete Herzschläge in musikalisches Material. Was auf dem Papier schnell verkopft klingt, wirkte auf der Bühne erstaunlich selbstverständlich und entwickelte sich zu einem tanzbaren Set ohne spürbare Pausen – irgendwo zwischen Konzert, Live-DJ-Set und Klanglabor. Definitiv meine Entdeckung des Tages.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-jamie_cullum-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47807" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-jamie_cullum-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-jamie_cullum-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-jamie_cullum.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">JAMIE CULLUM</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Bereits zum dritten Mal war JAMIE CULLUM beim Elbjazz zu Gast. Gealtert scheint der Brite seit seinen Auftritten <a href="https://blueprint-fanzine.de/elbjazz-2013-zwei-erfahrungsberichte/">2013</a> und <a href="https://blueprint-fanzine.de/elbjazz-2019-2/">2019</a> allerdings kaum zu sein. Dafür erinnerte er sich erstaunlich gut an sein erstes Gastspiel. Damals habe es geregnet, erzählte er – durchaus glaubwürdig in einer Stadt wie Hamburg. Diesmal zeigte sich die Hansestadt dagegen von ihrer sonnigsten Seite, was seiner ohnehin ansteckenden Spielfreude zusätzlich in die Karten spielte.<br>Wie gewohnt lieferte Cullum die perfekte Mischung aus Jazz, Pop und Entertainment. Zwischen virtuosem Klavierspiel, spontanen Publikumsdialogen und jeder Menge Energie durfte natürlich auch der obligatorische Sprung vom Flügel nicht fehlen – trotz offenem Schnürsenkel saß die Landung wie eh und je. Fast nebenbei kündigte er noch ein neues Album für November 2026 an. Ein guter Grund zur Hoffnung, dass der Brite nicht allzu lange auf seinen nächsten Hamburg-Besuch warten lässt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-incognito-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47808" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-incognito-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-incognito-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-incognito.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">INCOGNITO</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Eine dankbare Aufgabe war der folgende Slot nicht unbedingt. Nach JAMIE CULLUM musste man das Publikum erst einmal bei Laune halten. INCOGNITO gelang das mühelos. Seit mehr als vier Jahrzehnten steht die Band um Jean-Paul &#8222;Bluey&#8220; Maunick für elegant groovenden Jazz-Funk mit Soul, Disco- und R&amp;B-Einflüssen – und genau diese Routine war auf der Bühne spürbar. Das große Musikerkollektiv entfachte einen warmen, unglaublich tanzbaren Sound, der trotz aller Virtuosität nie verkopft wirkte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="729" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-lizz-wright-1024x729.jpg" alt="" class="wp-image-47809" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-lizz-wright-1024x729.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-lizz-wright-700x498.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-lizz-wright.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">LIZZ WRIGHT</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">In der Schiffbauhalle wurde es anschließend deutlich ruhiger. LIZZ WRIGHT ließ ihrer außergewöhnlich warmen Altstimme viel Raum und entfaltete zwischen Gospel, Blues, Soul und Jazz eine beinahe meditative Atmosphäre. Kein lautes Konzert – gerade seine Zurückhaltung machte den Reiz aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-greentea-peng-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47810" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-greentea-peng-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-greentea-peng-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-greentea-peng.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">GREENTEA PENG</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Den Abschluss des ersten Tages übernahm GREENTEA PENG auf der Main Stage. Dass die Londonerin den prominenten Slot nach JAMIE CULLUM erhielt, überraschte zunächst. Beim <a href="https://blueprint-fanzine.de/reeperbahn-festival-2025-hamburg/">Reeperbahn Festival im vergangenen Jahr</a> hätte sie schließlich beinahe noch im Docks gespielt. Doch spätestens seit ihrem Album „Tell dem it&#8217;s sunny“ gehört sie zu den spannendsten Stimmen der britischen Neo-Soul- und Alternative-R&amp;B-Szene.<br>Ihr Auftritt bewegte sich irgendwo zwischen Dub, psychedelischem Soul, HipHop und einer fast schon mystischen Aura. Meine Freundin wurde mit den Rap-Passagen und der rauchigen Stimme nicht so recht warm. Ich dagegen mochte genau diesen entschleunigten Flow, der den ersten Festivaltag angenehm ausklingen ließ.</p>



<p class="has-white-background-color has-background">Samstag<br>Der zweite Festivaltag begann mit der Erkenntnis, dass uns der Freitag doch ein wenig zugesetzt hatte. Klar im Vorteil war, wer sich ein VIP-Ticket gegönnt hatte: Erstmals gab es eine überdachte Sitztribüne vor der Main Stage. Wer noch etwas tiefer in die Tasche griff (649 Euro), durfte sich zusätzlich über All-inclusive-Verpflegung und Zugang zur VIP-Lounge freuen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-luca-ciarla-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47811" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-luca-ciarla-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-luca-ciarla-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-luca-ciarla.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">LUCA CIARLA MOLISOUND</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Für alle anderen bot die Schiffbauhalle zu früher Stunde noch genügend kostenfreie Sitzplätze. Und die lohnten sich. Denn was mit LUCA CIARLA zunächst nach einem weiteren Jazzkonzert klang, entwickelte sich schnell zu einem der charmantesten Auftritte des gesamten Wochenendes.<br>Mit seinem Projekt MOLISOUND widmete sich der italienische Geiger den musikalischen Traditionen seiner Heimatregion Molise. Gemeinsam mit Marco Molino an Schlagzeug und Percussion, Lorenzo Mastrogiuseppe am Bass und Manuel Petti am Akkordeon entstand ein ebenso virtuoser wie lebendiger Dialog zwischen Jazz und italienischer Volksmusik. Vor allem Petti sorgte mit seinem irrwitzig schnellen Akkordeonspiel immer wieder für Szenenapplaus.<br>Noch spannender waren allerdings die Geschichten zwischen den Stücken. Ciarla erzählte von einer Region, die ebenso idyllisch wie vom demografischen Wandel geprägt ist, warb augenzwinkernd dafür, doch einfach nach Molise auszuwandern und dort eine Familie zu gründen, und ließ seine Heimat dabei so lebendig werden, dass man sich tatsächlich dabei ertappte, nebenbei nach ihr zu googeln. Genau so sollte musikalisches Storytelling funktionieren. Als schließlich noch ein Trompeter und zum Finale ein Musiker mit einer traditionellen Zampogna auf die Bühne kamen, war endgültig klar: Dieses Konzert wollte eigentlich gar nicht enden. Dass Ciarla schließlich sogar sanft von der Bühne gebeten werden musste, passte perfekt zu diesem sympathischen Auftritt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="714" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-DOMINIQUE-FILS-AIME-1024x714.jpg" alt="" class="wp-image-47812" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-DOMINIQUE-FILS-AIME-1024x714.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-DOMINIQUE-FILS-AIME-700x488.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-DOMINIQUE-FILS-AIME.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">DOMINIQUE FILS-AIMÉ</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Auf der Main Stage schlug DOMINIQUE FILS-AIMÉ anschließend deutlich leisere Töne an. Die Kanadierin sprach von der Leichtigkeit einer Feder und lud das Publikum ein, Wünsche einfach auf dem Festivalgelände zurückzulassen. Ihre Musik wirkte ähnlich schwerelos: Soul, Blues, Gospel und Jazz verschmolzen zu warmen, fein arrangierten Songs, getragen von einer ausdrucksstarken Stimme. Der Titel ihres aktuellen Albums „My world is the sun“ hätte kaum besser zu diesem sonnigen Nachmittag passen können.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Schatten-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47813" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Schatten-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Schatten-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Schatten.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schatten an der Helgen Stage</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Bei JOWEE OMICIL auf der Helgen Stage wurde es anschließend deutlich lebhafter. Der Saxofonist setzte ganz auf Spontaneität, Improvisation und die Interaktion mit dem Publikum – ein Konzept, das hervorragend zu seiner offenen, spirituellen Art von Jazz passt, uns stellenweise aber fast etwas bemüht erschien. So suchten wir zunächst die begehrten und knappen Schattenplätze auf dem Gelände auf, und nutzten im Anschluss die Gelegenheit, eine der gelungenen Neuerungen des Festivals auszuprobieren:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="789" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Wein-1024x789.jpg" alt="" class="wp-image-47814" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Wein-1024x789.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Wein-700x540.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-Wein.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wein auf Bier&#8230;</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Im sogenannten Weindock hatte HAWESKO eine kleine Weinprobe aufgebaut. Für zwölf Euro erhielt man Weinglas und Stempelkarte und konnte sich durch neun verschiedene Weine probieren, mit den Mitarbeitenden über Rebsorten, Lagerung und Foodpairing fachsimpeln und zwischendurch ein wenig Schatten genießen. Eine sympathische Idee mit ein klein wenig Werbung.<br>Auch kulinarisch zeigte sich das Festival ausgesprochen vielfältig. Zwischen Fischbrötchen, marokkanischen Spezialitäten, Holzofenbrot, mexikanischem Streetfood, Austern oder einer klassischen Currywurst dürfte wohl jeder etwas Passendes gefunden haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-CHRISTONE-„KINGFISH-INGRAM-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47815" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-CHRISTONE-„KINGFISH-INGRAM-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-CHRISTONE-„KINGFISH-INGRAM-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-CHRISTONE-„KINGFISH-INGRAM.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">CHRISTONE „KINGFISH“ INGRAM</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Frisch gestärkt zog es uns zurück zur Helgen Stage, wo CHRISTONE „KINGFISH“ INGRAM eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass der Blues noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Mit seinem gefühlvollen Gitarrenspiel und einer kraftvollen Mischung aus Delta Blues, Rock und Soul knüpfte der Musiker aus Clarksdale, Mississippi, nahtlos an die großen Traditionen des Genres an, ohne dabei nostalgisch zu wirken.<br>Fast noch beeindruckender als seine Gitarrensoli war allerdings seine Stimme. Warm, tief und erstaunlich weich erinnerte sie mich stellenweise an GREGORY PORTER. KINGFISH überzeugte an diesem Nachmittag gleichermaßen als Gitarrist und Sänger – eine Kombination, die man selbst im Blues nicht allzu häufig erlebt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-SNARKY-PUPPY-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47816" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-SNARKY-PUPPY-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-SNARKY-PUPPY-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-SNARKY-PUPPY.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">SNARKY PUPPY</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Auf der Main Stage wartete anschließend ein alter Bekannter. SNARKY PUPPY waren bereits zum dritten Mal beim Elbjazz zu Gast, und im Publikum entdeckte man zahlreiche Tourshirts früherer Gastspiele.<br>Es bleibt faszinierend, wie breit das Publikum dieses Kollektivs inzwischen geworden ist. Schließlich servieren SNARKY PUPPY alles andere als leichte Hintergrundmusik. Ihre komplexen Kompositionen verlangen Aufmerksamkeit, verlieren dabei aber nie den Groove. Genau dieser Spagat zwischen höchster Virtuosität und ansteckender Spielfreude macht ihren Reiz aus. Langweilig wird es mit dem bissigen Hündchen jedenfalls nie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" loading="lazy" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-FERGUS-MCCREADIE-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47817" width="840" height="560" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-FERGUS-MCCREADIE-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-FERGUS-MCCREADIE-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-FERGUS-MCCREADIE.jpg 1200w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /><figcaption class="wp-element-caption">FERGUS MCCREADIE</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">In der Schiffbauhalle sprang FERGUS MCCREADIE kurzfristig für GOGO PENGUIN ein, die ihren Auftritt aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Für den schottischen Pianisten und sein klassisches Jazztrio bedeutete das gleich zwei Konzerte an einem Tag. Nachdem sie bereits am Nachmittag CHILLY GONZALES in der Elbphilharmonie supportet hatten, folgte am Abend ein zweiter Auftritt.<br>Von Ermüdung war allerdings nichts zu spüren. Im Gegenteil: McCreadie erklärte mit einem Lächeln, sie hätten nach den 45 Minuten in der Elbphilharmonie ohnehin gern noch länger gespielt. Seine Kompositionen erinnerten mich dabei weniger an schottische Folklore, wie häufig geschrieben wird, sondern eher an das EMIL BRANDQVIST TRIO oder die ruhigeren Momente von GOGO PENGUIN. Insofern erwies sich der kurzfristige Tausch im Programm sogar als überraschend stimmig.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="637" height="1024" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-NUBYA-GARCIA-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-47818" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-NUBYA-GARCIA-637x1024.jpg 637w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-NUBYA-GARCIA-435x700.jpg 435w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-NUBYA-GARCIA.jpg 746w" sizes="(max-width: 637px) 100vw, 637px" /><figcaption class="wp-element-caption">NUBYA GARCIA</figcaption></figure></div>


<p class="has-white-background-color has-background">Von dieser Rochade profitierte auch NUBYA GARCIA, die ihren Auftritt nun auf der größeren Helgen Stage absolvieren konnte. Die Londoner Saxofonistin verbindet modernen Jazz mit Afrobeat, Dub, Reggae und karibischen Einflüssen und gehört völlig zurecht zu den prägenden Figuren der jungen britischen Jazzszene.<br>Ihr Set lebte vor allem von seinen Kontrasten. Mal beinahe meditativ, dann wieder mit voller Wucht nach vorne – selten lagen auf dem Festival Ruhe und Energie so nah beieinander. Ich hätte ihr gerne noch etwas länger zugehört. Doch auf der Main Stage wartete bereits das große Finale.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="608" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-TOM-JONES-1024x608.jpg" alt="" class="wp-image-47819" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-TOM-JONES-1024x608.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-TOM-JONES-700x415.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-TOM-JONES-1536x911.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-TOM-JONES-2048x1215.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Main Stage</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Mit TOM JONES hätte das Elbjazz kaum würdevoller enden können. Der inzwischen 86-jährige Waliser betrat die Bühne mit der Gelassenheit eines Künstlers, der niemandem mehr etwas beweisen muss – und tat es anschließend trotzdem.<br>Schon der Opener „I&#8217;m growing old“ wirkte wie ein augenzwinkernder Kommentar zum eigenen Alter. Tatsächlich klang seine Stimme über weite Strecken verblüffend kraftvoll. Mit einer Mischung aus Pop, Soul, Blues, Country und Folk führte Jones durch ein Programm, das Songs von LEONARD COHEN, CAT STEVENS, BOB DYLAN und zum Abschluss CHUCK BERRYs „Johnny B. Goode“ umfasste.<br>Besonders schön war die Anekdote über ELVIS PRESLEY, der ihm einst in Las Vegas erklärt habe, CHUCK BERRY sei der wahre König des Rock ’n’ Roll gewesen. Solche Geschichten kann eben nur jemand erzählen, der selbst Musikgeschichte geschrieben hat. Und natürlich durfte auch „Sex bomb“ nicht fehlen – deutlich bluesiger als gewohnt, aber keineswegs weniger mitreißend.<br>Zum Schluss erzählte Jones noch von seiner Bewunderung für WILLIE NELSON, der mit über 90 Jahren immer noch auf der Bühne steht. „Ich bin übrigens 86“, sagte er trocken. Mehr musste er gar nicht hinzufügen. Die Ovationen ließen ohnehin keinen Zweifel daran, dass hier gerade nicht nur ein großes Konzert, sondern auch ein würdiger Festivalabschluss zu Ende gegangen war.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-final-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-47820" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-final-1024x683.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-final-700x467.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/elbjazz_2026-final.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Festivals erzählen ihre Geschichten selten nur auf den Bühnen. Sie entstehen auf den Wegen dazwischen – beim zufälligen Vorbeischlendern, beim Gespräch mit Fremden, beim Blick in ein unbekanntes Festivalprogramm oder während man plötzlich nach einer italienischen Region googelt, von der man eine Stunde zuvor noch nie gehört hatte. Genau solche Momente gab es beim Elbjazz 2026 reichlich.<br>Nach der Pause hat das Festival zu seiner eigenen Identität zurückgefunden. Jazz stand wieder im Mittelpunkt, ohne Grenzen zu ziehen. Soul, Electronica, Blues, Folk oder HipHop hatten weiterhin ihren Platz – allerdings immer dort, wo sie den Jazz erweiterten, statt ihn zu verdrängen. Vielleicht ist genau das die Richtung, die dem Elbjazz am besten steht.<br>Und so blieben am Ende nicht nur die großen Namen in Erinnerung, sondern vor allem die vielen kleinen Überraschungen dazwischen. HERBERT &amp; MOMOKO. LUCA CIARLA. KINGFISH. Genau für solche Entdeckungen kommt man schließlich zu einem Festival. Dass Hamburg uns dazu auch noch zwei Tage lang fast mediterranes Wetter schenkte, machte die Rückkehr des Elbjazz endgültig perfekt.</p>
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		<title>Traumzeit Festival 2026 (Duisburg)</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/traumzeit-festival-2026-duisburg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Emil Drexler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 21:20:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Livereviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein erstes Mal auf dem Traumzeit Festival. Und was hatte ich im Vorfeld nicht schon alles über die vermutlich schönste Festival-Location gehört! Aber wie so oft gilt: wenn die Erwartungen riesig sind, kann die Realität kaum mithalten. Doch hier war das anders.Schon vor dem Betreten des Geländes bekommt man eine Ahnung davon, was einen erwartet. [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Mein erstes Mal auf dem Traumzeit Festival. Und was hatte ich im Vorfeld nicht schon alles über die vermutlich schönste Festival-Location gehört! Aber wie so oft gilt: wenn die Erwartungen riesig sind, kann die Realität kaum mithalten. Doch hier war das anders.<br>Schon vor dem Betreten des Geländes bekommt man eine Ahnung davon, was einen erwartet. Wie eine riesige Filmkulisse ragen die Gebäude des ehemaligen Hüttenwerks über das Festivalgelände. Tatsächlich wurden hier sogar Teile von &#8222;Die Tribute von Panem&#8220; und &#8222;Babylon Berlin&#8220; gedreht. Wo früher Spezialroheisen produziert wurde, befindet sich heute ein frei zugänglicher Landschaftspark – sicherlich eines der Highlights, wenn nicht sogar DAS Highlight Duisburgs.<br>Doch am vorletzten Juniwochenende ging es natürlich in erster Linie um Musik. Die entscheidende Frage lautete also: Konnten die Konzerte mit dieser traumhaften Kulisse mithalten?<br><br>Der Auftakt war jedenfalls schon einmal ein echter Banger. MARATHON aus Amsterdam machten keine Gefangenen und legten los wie die Feuerwehr. Ihrer Mischung aus Shoegaze und Post-Punk fehlten eigentlich nur ein paar eingängigere Refrains, um das Publikum komplett auf ihre Seite zu ziehen. Mich störte das allerdings kaum – die Band überzeugte mich trotzdem auf ganzer Linie. Konsequenz: Nach dem Auftritt wanderte direkt ein T-Shirt in meinen Beutel.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit5-1024x461.jpeg" alt="" class="wp-image-47782" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit5-1024x461.jpeg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit5-700x315.jpeg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit5-1536x691.jpeg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit5.jpeg 2000w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">MARATHON</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Apropos T-Shirts: Zwei Bandmitglieder trugen Shirts von SPRINTS. Das lag zum einen daran, dass MARATHON die irische Band erst kürzlich auf Tour begleitet hatte. Zum anderen spielten SPRINTS selbst am Samstag beim Traumzeit Festival. Und entgegen jeder chronologischen Festivalberichterstattung kommen jetzt erst einmal die Highlights – und dazu gehörten SPRINTS ohne jeden Zweifel.<br>Vor allem Frontfrau Karla Chubb war in bester Festivallaune und strotzte nur so vor Energie. Das irische Post-Punk-Quartett bildete den perfekten Gegenpol zu den vielen eher ruhigen und gemäßigten Acts des Wochenendes. Einzig die ständigen Aufrufe, Moshpits zu eröffnen, ermüden mich inzwischen etwas. Das machen momentan einfach zu viele Bands – leider auch SPRINTS. Das ist allerdings auch schon mein einziger Kritikpunkt, denn der Auftritt war inklusive eines großartigen Covers von LE TIGREs „Deceptacon“ schlichtweg klasse. <br><br>Wenn ich mich allerdings entscheiden müsste, welcher Act mich am meisten begeistert hat, würde meine Wahl tatsächlich auf GRANDBROTHERS fallen. Was Erol Sarp am Klavier und Lukas Vogel mit seinen elektronischen Sounds erschaffen, ist schlicht meisterhaft. Und das Ganze ist auch noch absolut tanzbar – einfach die Augen schließen, sich treiben lassen und der Musik folgen. Für mich ist diese Art von Neo-Klassik einfach wunderschön. Und wenn dann diese kleinen Ausbrüche kommen, in denen die Stücke plötzlich an Intensität gewinnen, wirken sie umso stärker, weil sie so gezielt eingesetzt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="768" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit6-chor-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-47789" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit6-chor-1024x768.jpeg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit6-chor-700x525.jpeg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit6-chor-1536x1152.jpeg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit6-chor.jpeg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">BERGWERK KNAPPENCHOR</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Das i-Tüpfelchen dieses Auftritts war allerdings die Location. Die Gießhalle ist nämlich die schönste Bühne des Festivals (wo am Freitag traditionell zum Auftakt der BERGWERK KNAPPENCHOR auftrat). Direkt vor der Bühne gibt es einen etwa fünf Meter tiefen, ebenerdigen Bereich für alle, die möglichst nah am Geschehen sein möchten. Dahinter schließt sich eine große, stufenförmige Tribüne an – inklusive Wellenbrechern wie in einem Stadion. Rund drei Viertel der Tribüne sind überdacht, der hintere Bereich liegt unter freiem Himmel. Hinter der Bühne eröffnet sich zudem der Blick in die alten Fabrikhallen. Je nach Bühnenbild und Lichtstimmung entsteht dadurch eine beeindruckende Kulisse, die den Konzerten noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.<br>Diese Schönheit hat allerdings auch ihren Preis: Nicht alle Festivalbesucher:innen finden in der Gießhalle Platz. Wer dort unbedingt einen bestimmten Act sehen möchte, sollte deshalb frühzeitig vor Ort sein. Zwischen den Konzerten wird die Halle geschlossen und erst etwa zehn Minuten vor dem nächsten Auftritt wieder geöffnet. Entsprechend bilden sich bei großen Acts längere Schlangen. Da während der Konzerte aber immer wieder Besucher:innen hinausgehen, kommt man mit etwas Geduld oft auch später noch hinein.<br>Neben der Gießhalle gibt es mit der großen Cowperbühne und der kleineren Hochofenbühne noch zwei weitere Spielstätten unter freiem Himmel. Überschneidungen im Programm sind übrigens die Ausnahme. Das liegt auch daran, dass an den drei Festivaltagen „nur“ 32 Acts auftreten. Andere Festivals bieten da deutlich mehr Auswahl. Manchmal hätte ich mir ebenfalls eine Alternative gewünscht, denn wenn einen ein Act gerade nicht so packt, gibt es eben keine echte Ausweichmöglichkeit.<br>Auf der anderen Seite sorgt genau das für ein angenehm entspanntes Festivalgefühl. Auf dem Gelände gibt es unzählige Sitzgelegenheiten – viele davon sogar im Schatten. Wer mit Freund:innen unterwegs ist, kann die Pausen wunderbar für ein längeres Schwätzchen nutzen. Alternativ lohnt sich ein Abstecher zum mobilen Plattenladen, der sogar Meet-and-Greets mit Künstler:innen anbietet. Dazu kommen zwei Fotoboxen und ein wirklich breit aufgestelltes gastronomisches Angebot, bei dem eigentlich jede:r etwas Passendes finden sollte. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="768" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit-Atmo-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-47783" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit-Atmo-1024x768.jpg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit-Atmo-700x525.jpg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit-Atmo-1536x1152.jpg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit-Atmo.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"> Doch weiter mit den musikalischen Highlights. Positiv überrascht haben mich AGASSI. Dass bei der Band jemand von WIR SIND HELDEN mitmischt, hatte mich im Vorfeld zunächst etwas skeptisch gemacht. Umso charmanter fand ich dafür die Geschichte von Sänger Ben Galliers: Eigentlich kam der Brite nach Deutschland, um Fußballprofi zu werden. Als dieser Traum platzte, gründete er eben eine Band. Und genau sein leicht rotziger britischer Gesang passt perfekt zum tanzbaren Indie-Rock von AGASSI. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß mit ihrem Auftritt.<br><br>Kurz zuvor standen DRESSED LIKE BOYS auf der Cowperbühne. Die hatte ich erst <a href="https://blueprint-fanzine.de/maifeld-edition-2026-heidelberg/">vor Kurzem</a> gesehen und sofort ins Herz geschlossen. Bei brütender Hitze stand Sänger Jelle Denturck mit einem Ersatz-Keyboard auf der Bühne – sein eigenes Instrument hatte vermutlich schon beim Soundcheck den Geist aufgegeben. Davon ließ er sich allerdings nichts anmerken und spielte sich 45 Minuten lang durch acht starke Songs. Das Publikum feierte die Band, und nach dem Konzert war der Merchstand entsprechend gut besucht. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass DRESSED LIKE BOYS noch richtig groß werden können. Neben der musikalischen Klasse begeistert Jelle Denturck vor allem mit seiner überaus sympathischen und nahbaren Art.<br><br>Großartig waren natürlich auch HERRENMAGAZIN, die den Sonntag, an dem ansonsten viele ruhige Acts auftraten, ordentlich auflockerten. Da ich bekennender Fanboy bin, will ich gar nicht allzu viel schreiben. Vielleicht nur so viel: Es gab handgeschriebene und komplett unterschiedlich gestaltete Setlists. Eine davon war sogar auf eine Schallplatte geschrieben. Schlagzeuger Rasmus Engler macht das offenbar bei jedem Konzert. Chapeau dafür! Aufgrund der nur 50-minütigen Spielzeit gab es fast ausschließlich Hits zu hören, und erstaunlich viele Menschen im Publikum konnten große Teile der Songs – oder zumindest die Refrains – mitsingen. Das hat richtig Spaß gemacht! <br><br>Den Sonntag und damit auch das Festival beschlossen APPARAT. Die Band um Frontmann Sascha Ring hatte erst vor Kurzem ihr neues Album „A hum of maybe“ veröffentlicht, dementsprechend gab es auch viel neues Material zu hören. Der Funke sprang bei mir zunächst nicht sofort über. Doch je mehr ich mich bewusst auf die Musik einließ, desto stärker entwickelte sie ihren ganz eigenen Sog. Gegen Ende des Sets wurde es zunehmend tanzbarer, auch wenn die Songs nie jene eingängige Dringlichkeit erreichten, die man von Sascha Rings Zweitband MODERAT kennt. Das war allerdings überhaupt kein Problem. Völlig verdient spielte APPARAT schließlich sogar über die eigentliche Setzeit hinaus. Der wunderschöne Song „Black Water“ sorgte dann bei untergehender Sonne und vor atemberaubender Kulisse für einen perfekten Abschluss des Traumzeit Festivals 2026.<br><br>Ganz kurz möchte ich noch auf einige Auftritte eingehen, die ich durchaus gut fand, die mich aber nicht komplett begeistern konnten. Da wären zunächst KETTCAR, die am Freitag als Headliner eine gewohnt solide Show ablieferten. Für Keyboarder Lars Wiebusch war es einer der letzten Auftritte mit der Band, da er KETTCAR nach den Juni-Konzerten verlässt. Entsprechend emotional wurde es dann auch kurz als sein Bruder eine Anekdote zum Besten gab. Ich kann mir KETTCAR ohne ihn tatsächlich nur schwer vorstellen, auch wenn er neben Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff stets eher im Hintergrund agierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit3-Kettcar-1024x461.jpeg" alt="" class="wp-image-47784" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit3-Kettcar-1024x461.jpeg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit3-Kettcar-700x315.jpeg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit3-Kettcar-1536x691.jpeg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit3-Kettcar.jpeg 2000w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">KETTCAR</figcaption></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Auch die beiden deutschen Bands mit dem Anfangsbuchstaben „I“ lieferten gute Auftritte ab: INTERNATIONAL MUSIC und IEDEREEN wussten ebenso zu überzeugen wie STINA HOLMQUIST, deren Musik mich stellenweise an HEATHER NOVA erinnerte.<br><br>Weniger überzeugen konnten mich dagegen WHITE LIES. War der Einstieg mit ihrem wohl stärksten Song „Farewell to the fairground“ noch vielversprechend, flachte das Set danach zunehmend in Richtung belanglosem Stadionrock ab. Schade.<br><br>Auch zwei deutsche Acts, die beim Publikum ausgesprochen gut ankamen, ließen mich erneut eher ratlos zurück: MARLO GROSSHARDT und BETTEROV. MARLO GROSSHARDT hält zwischen den Songs immer wieder starke politische Ansprachen, die sich auch in seinen Texten widerspiegeln. Rein musikalisch erinnert mich das Ganze allerdings an eine Mischung aus Kinder- und Kirchentagsliedern. <br>Bei BETTEROV hoffe ich dagegen jedes Mal darauf, dass die Songs irgendwann mehr Dringlichkeit oder Härte entwickeln. Doch genau das passiert für meinen Geschmack so gut wie nie – vieles plätschert einfach vor sich hin. Aber wie bereits geschrieben: Dem Großteil des Publikums haben beide Acts offensichtlich sehr gut gefallen.<br><br>Auch BLACKOUT PROBLEMS konnten viele Fanherzen für sich gewinnen. Musikalisch holen sie mich grundsätzlich sogar ab. Was mich allerdings wirklich störte, war ihre anbiedernde Art. Wie oft muss man den Anwesenden erzählen, dass sie sich unbedingt Tickets für das kommende Konzert in Köln kaufen sollen? Einmal hätte völlig gereicht – aber bitte nicht gefühlt nach jedem zweiten Song. Und natürlich gehört Publikumsinteraktion zu einem guten Konzert dazu. Der kurze Besuch des Sängers bei den Kindern hinter dem Technikpult war beispielsweise eine wirklich schöne Aktion. Insgesamt war mir das bei Blackout Problems jedoch deutlich zu viel Show um der Show willen und nicht der Musik wegen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" loading="lazy" width="1024" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit4-Kulisse-1024x461.jpeg" alt="" class="wp-image-47786" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit4-Kulisse-1024x461.jpeg 1024w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit4-Kulisse-700x315.jpeg 700w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit4-Kulisse-1536x691.jpeg 1536w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/07/Traumzeit4-Kulisse.jpeg 2000w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background">Doch zurück zu den positiven Eindrücken. Neben der großartigen Kulisse – und ja, sie ist tatsächlich so fantastisch, wie alle sagen – punktet das Traumzeit Festival vor allem mit einer hervorragenden Organisation. Lange Schlangen sucht man fast vergeblich, der Einlass funktioniert reibungslos und auch Trinkwasserstellen sind ausreichend vorhanden.<br>Das Publikum ist angenehm bunt gemischt: Familien mit Kindern, viele Besucher:innen aus dem Ruhrgebiet, die einfach ein schönes Wochenende mit Freund:innen verbringen möchten, und natürlich einige Musik-Nerds. Diese Mischung funktioniert erstaunlich gut. Die Atmosphäre bleibt das gesamte Wochenende über entspannt, und Stress sucht man auf dem Gelände vergeblich. Da verwundert es auch nicht, dass Acts wie MEUTE, die den Geschmack eines breiten Publikums treffen, hier besonders gut ankommen.<br><br>Summa summarum hatte ich ein wirklich großartiges Wochenende auf dem Traumzeit Festival. Den Termin für das nächste Jahr – 18. bis 20. Juni 2027 – habe ich mir jedenfalls schon fest im Kalender markiert. Denn ich bin mir ziemlich sicher: Ich komme wieder.</p>
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