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STADTFISCHFLEX – s/t

Uwe Bastiansen ist STADTFISCH. Und gemeinsam mit einigen Kollegen ist er STADTFISCHFLEX. Und das Chaos zieht ein. Industrial à la EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN oder sehr frühen CURRENT 93, durchsetzt mit Bläsern, Flöten, Gitarren, ergibt das dennoch nicht Lärm, sondern strukturierte Stücke, die Eindruck hinterlassen. Johann Scheerer und sein Clouds Hill Studio haben hier ganze Arbeit geleistet, wobei man sich bei den Ergebnissen fragt, ob das Gebäude eben dieses Studios überhaupt noch steht, oder ob es nicht von der Gewalt der Performance einfach dem Erdboden gleich gemacht wurde. „The Buzz“ erinnert an EINSTÜRZENDE NEUBAUTENs „Nnnaaammm“, entwickelt ein Eigenleben, lässt aufhorchen, macht sich interessant und lässt auch beim fünften Hören noch neue Kleinigkeiten entdecken. Überhaupt erscheint das selbst betitelte Album als eine Entdeckungsreise in das, was Musik heute noch möglich machen kann.
„Foxy“ schwebt zwischen DEAD CAN DANCE, hypnotischem Tanz und DIARY OF DREAMS, schwere Goth-Drums und ebensolche Gitarren, die an BAUHAUS denken lassen, steigern sich zu einem apokalyptischen Klangerlebnis. Das mantramäßig vorgetragene „Wissen was“ lässt zunächst eine freundliche Klarinette ertönen, überlagert von dem rezitativisch vorgetragenen Mantra „du weißt, dass du willst, dass du weißt, was du willst, dass du weißt, dass du willst, was du weißt“ und lässt sich dann schließlich doch wieder von der Bohrmaschine besiegen. Ein wenig erschreckend die Frage im Beipackzettel „wie kann man unerwünschte Personen via Mantra zum Selbstmord treiben?“ …
Das Epos „Deutschland 84.9“ setzt dem Ganzen dann die Krone auf und schlängelt sich fast 20 Minuten lang ins Ohr, um dort zu explodieren und den Hörer fragend zurückzulassen. Was war das, was ich da gerade erlebt habe? Ist das noch Musik, oder ist das allumfassend? Eins ist sicher: Freunde der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN und allgemein experimenteller Industrialmusik werden ihre wahre Freude haben.
Ein Werk, das Zeit braucht, die man ihm geben sollte. Dringend.

Simon-Dominik Otte

Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.