N.R.F.B. – Nucleat raped fuck bomb

Wahrscheinlich habe ich es im Wartezimmer meines Hausarztes gelesen, um mir hinterher einreden zu können, dass ich etwas Nützliches mit der Wartezeit angefangen hätte. Ich denke, es stand in irgendeiner Frauenzeitschrift (Komisches Wort: Frauenzeitschrift. Was das eigentlich sein soll?): Ein Artikel behauptete, dass wir Menschen Zeit unseres Lebens tagein, tagaus zu 80% (oder waren es sogar mehr?) immer wieder dasselbe denken würden. Das menschliche Leben als permanentes Festhängen in derselben Gehirnwindung? Herzlichen Glückwunsch! Da kann es doch nur gesund sein, sich gedanklich mal auf Abwege zu begeben, oder?
N.R.F.B., in Worten: NUCLEAR RAPED FUCK BOMB, ist ein Assoziationstrip via auditiver Wahrnehmung für Menschen, die sich genau auf solche Abwege erfühlter, innerer Bilder begeben möchten. Für alle anderen mein Tipp: Lasst es sein! Es ist schon erstaunlich, wie einem die eigene gesungene, gesprochene oder auch geschriene Muttersprache in Kombination mit Musik, teils als Punk, wie auch in „technoider“ Form ins Gemüt dringt. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man sich auf Textzeilen wie „Die Frau vom Henker kriegt dann ihre Tage. Sie freut sich – erzählen tut sie nichts.“ einlassen will bzw. kann. Die Band, bestehend aus Mitgliedern von LEATHERFACE, KOMMANDO SONNE-NMILCH, DIE GOLDENEN ZITRONEN, EGOEXPRESS, STELLA sowie DIE STERNE, beschränken sich jedoch nicht nur auf die deutsche Sprache, sondern wechseln hin und wieder ins Englische, ein Effekt, der einen immer wieder zum genauen Hinhören animiert und so einen roten Faden durch den gesamten Silberling zeichnet, so dass es nicht langweilig wird: Sieben Songs, keiner zuviel, keiner zu wenig, wie ich finde. Abgerundet wird das verstörende Werk mit einem Artwork von Dorle Bahlburg. NUCLEAR RAPED FUCK BOMB reihen sich für mich in oben genannte Namen ein, jedoch muss ich an dieser Stelle unbedingt noch die EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN als „Artverwandte“ oder wie auch immer erwähnen.
Ja, es ist schön, sich außerhalb der gewohnten „Hirnbahnen“ zu bewegen, seine Badesachen zu packen, um in unterirdischen, innerlichen Meeren voller Satz-, Klang- und Wortbilder einzutauchen. Deshalb gibt es doch Musik, oder? Und vielen Dank an die Truppe: Vielleicht konnte ich sogar meine 80 Prozent auf 75 drücken.

Bewertung: 6/10

Veröffentlichungsdatum: 15.08.2011