ROBOCOP KRAUS – Unterricht bei Dieter Bohlen

Mit „Blunders & mistakes“ lieferten THE ROBOCOP KRAUS sicherlich ihr bislang kontroversestes Album ab. Flight 13 gesteht: „Wäre das ein Debüt, wäre es in den Ohren Robocop-geprägter vielleicht belanglos, und so sind einige aus der F13 Crew einfach ein bisschen enttäuscht, und man sucht fast vergebens nach den alten Robocop Qualitäten: Energie, Tanzbarkeit und trotzdem diesen Postpunk Drive“, erkennt jedoch am Ende auch an, dass die Band sich zumindest nicht wiederholt, wie es viele anderen machen. So wird es sicherlich vielen ihrer Fans ergehen, die sich mit ihrer neuen Platte auseinander setzen. Aber letztlich findet man ja doch eine Menge schöner Melodien und guter Songs wieder.
Im Sommer traf ich die Band auf dem Dockville-Festival, nur leider hatte ich mein Diktier-Gerät zu Hause liegen lassen, so dass ich mich erstmals in Steno üben musste. Naja, ich gestehe, es endete eher in Stichworten. Deshalb fallen die Antworten hier auch ein wenig knapper aus als in Wirklichkeit, sorry dafür.

[F] Spätestens mit „Blunders & mistakes“ grenzt ihr euch musikalisch klar von den alten Alben ab. Wieso?
[A] Eigentlich haben wir schon immer die Musik gemacht, die uns gefällt. An dem alten Sound hat man sich ja inzwischen totgehört. Uns ist wichtig, dass die Musik eigenständig klingt, und dass wir uns weiterentwickeln. Da es inzwischen viele Bands gibt, die ähnlich klingen wie die früheren Sachen von uns, macht das natürlich gleich noch mehr Sinn.

[F] Ärgert es Euch, dass inzwischen viele Bands auf den ursprünglichen ROBOCOP KRAUS-Zug aufgesprungen sind?
[A] Nein, das nicht. Es langweilt uns eher. Aber jede Band hat das Recht, zu machen, was sie will.

[F] Und was denkt ihr, woran es liegt, dass mit THE PLANE IS ON FIRE, YUCCA und THE AUDIENCE viele ähnlich klingende Bands direkt aus der Nachbarschaft von Euch kommen?
[A] (großes Achselzucken) Man sieht sich zu Hause durchaus hin und wieder. Vielleicht liegt es daran, dass die Musik so einfach ist, und sich die Bands denken: „So ’nen Schrott können wir schon lange!“

[F] War es schwierig, den Sound abzuändern und mehr in Richtung 80er UK-Pop zu tendieren?
[A] Nein, aber es war unser großes Bedürfnis.

[F] Thomas Levin (u.a. KANTE, SURROGAT, TOCOTRONIC, TIED & TICKLED TRIO) gilt ja allgemeinhin als schwieriger Produzent. Wie ist es euch bei ihm im Studio ergangen?
[A] Jaja, Tobias ‚Bandkiller‘ Levin… Nein, schreib das nicht! Obwohl, den Begriff gab es ja schon vorher, dann ist das OK. Es war sicherlich nicht immer ganz einfach, aber er war auf jeden Fall sehr kreativ und hat unsere Aufnahmen sicherlich bereichert. Zum Teil war die Arbeit aber auch sehr detailverliebt, und bisweilen mussten wir aufpassen, dass er nicht nur seine eigenen Ideen durchsetzt.

[F] Und wie war im Anschluss daran das Mastering mit Adam Lasus (u.a. CLAP YOUR HANDS SAY YEAH und YO LA TENGO)?
[A] Um einiges entspannter als die Aufnahmen. Es war toll!

[F] Wie es scheint, habt ihr auch nichts gegen den ganz großen Pop der Achtziger einzuwenden.
[A] Wir haben ganz sicher nichts gegen Superhits. Wir hatten jetzt ja erst Unterricht bei Dieter Bohlen… Andererseits ist poppig aber auch nicht mit gefällig und eingängig zu verwechseln. Ich denke, wenn man das gleichsetzen würde, ist unser neues Album sogar noch weniger poppig als unsere vorherigen Alben.

[F] Wie seid ihr auf Peter Tiedeken (SABOTEUR, Ex-ONE MAN AND HIS DROID, kurzzeitig auch mal bei PALE) als Bassisten aufmerksam geworden?
[A] Wir kennen Peter schon lange, er hat damals für uns ein Konzert organisiert. Uns war wichtig, dass wir den neuen Bassisten bereits persönlich kennen, und dass das nicht so wie in einem Casting abläuft. Wir mussten ihn letztlich nehmen als er vorbeischaute und sagte: „Vergesst alle anderen – I’m the man!“

[F] Ist es denn nicht problematisch, dass er in Hamburg wohnt und der Rest der Band in Nürnberg?
[A] Wir machen jetzt immer Blockproben, eine Woche am Stück. Das ist zwar anders als vorher, aber geht auch.

[F] Habt Ihr denn keine festen Jobs mehr?
[A] Nein, mittlerweile nicht mehr.

[F] Entschuldigt, aber das Cover zum neuen Album sieht ja fürchterlich aus.
[A] Ja, findest Du? Bisher gab es fast nur positive Rückmeldungen. Hippie ist jetzt nämlich wieder in! Nein, wir wollten bewusst ein mystisches, überladenes Artwork mit vielen Details haben, und wir finden, dass das Kevin Hooyman (http://www.kevinhooyman.com) auch gut gelungen ist.

[F] Wird Nürnberg in dieser Saison absteigen?
[A] NIE! Eine Wahrsagerin hat uns damals richtig vorausgesagt, dass wir es bis ins Pokalfinale schaffen, und ihre Prophezeiung für diese Saison ist der neunte Platz in der Hinrunde, der vierte am Ende der Saison.

trk