NIOBE – The cclose calll

Man könnte sich vorstellen, dass, wenn BJÖRK (ich bin mir durchaus bewusst, dass dieser Name nicht auf viel Gegenliebe bei der Kölnerin stößt), ANNE CLARK, JANIS JOPLIN und IAN CURTIS gemeinsam ein Kind adoptieren würden, dieses Kind durchaus NIOBE sein könnte. Bzw. natürlich Yvonne Cornelius, der kreative Geist, der sich den Namen NIOBE gegeben hat.
„The cclose calll“ erzählt viele Geschichten von Menschen, genau genommen die Lebensgeschichten dieser Menschen, wie sie auch hätten verlaufen können, wenn vieles einfach schief gelaufen wäre. Musikalisch tobt sie sich dabei virtuos auf den Feldern der Elektronik, des Rock, zuweilen auch des Jazz aus und bleibt bei jedem Song einer Sache treu: der Innovation. So variantenreich die Musik, so abwechslungsreich auch die Lyrics, die mal von gestalkten Mädchen, mal von Wettsüchtigen handeln und stets eine neue Sichtweise auf die kleinen Dinge des Lebens ermöglichen.
Es sei vor dem Hören von „The cclose calll“ angeraten, jegliche Schubladen im Musikhirn zu leeren und unberührt an die Musik von NIOBE heranzugehen, ansonsten dürfte ein Zugang zum sechsten Album dieser Formation extrem erschwert sein, folgt es doch keinem vorgefertigten Schema, lässt sich nicht einordnen und kategorisieren und verlangt somit ein gerüttelt Maß an Offenheit vom Hörer. Ist man bereit, diese Offenheit mitzubringen, wird einem im Gegenzug Interessantes, Neuartiges, Beklemmendes und Befreiendes offenbart. Es muss ja nicht immer Dancefloor-tauglich sein, um gut zu sein. Vielmehr ist diese Musik so dicht, so voller Seele, dass einem keine Wahl bleibt, als sich von NIOBE einfangen zu lassen. Auch wenn es manchmal schwer fällt.
Es verwundert im übrigen nicht, dass die Albumpremiere in der Kölner Philharmonie stattfand. Da passt dieses musikalische Kleinod ohne Frage hin.
Für Liebhaber des Besonderen eine absolute Empfehlung. Für Menschen mit eingefahren (oder abgefahrenen?) Schienen sicherlich einen Umweg wert.

Bewertung: 7/10

Veröffentlichungsdatum: 04.11.2011

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