Ich bin ja ein Kassetten-Kind. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in den 80ern jeden Montag in die Musikabteilung zum Kaufhof am Münchner Ostbahnhof gegangen bin und mir dann oft das Album der Woche als Tape mitgenommen habe, da es dieses immer im Angebot gab. Ich weiß auch noch genau, was mein erster Kauf war: NIK KERSHAW mit „The riddle“. Das war Ende 1984 und ich war zehn Jahre alt. Das habe ich bis Ende 1991 durchgezogen. „Trompe le monde“ von den PIXIES war dann wohl mein letzter Kassetten-Kauf und ich stieg leider auch auf CD um.
Um so mehr freut es mich, dass immer mehr Bands ihre Musik wieder auf Tape rausbringen. Und so flatterte die Tage das sechs Songs lange Debütalbum von MALHEUR ins Haus. Das Post-Hardcore-Trio aus Münster macht keine Wohlfühlmusik (die Textzeile „Zwischen uns stimmt die Chemie doch schon lang nicht mehr“ aus „Kroesus“ würde ich zum Beispiel ungern während einer Beziehungskrise hören wollen), sondern fordert einen beim Hören schon ganz schön heraus. Es lohnt sich aber komplett, denn das Album hat sehr viel zu bieten. Irgendwo zwischen FJØRT, ESCAPADO und in den ruhigeren Passagen auch TURBOSTAAT nisten sich MALHEUR ein. Das Namedropping soll aber lediglich der Orientierung dienen, denn die sechs Lieder sind so eigenständig und gut, dass es keinen Vergleich braucht. Und sie wachsen mit der Zeit. Bleibt beim ersten Hördurchgang vielleicht noch nicht so viel hängen, wird sich das bei jedem Durchlauf ändern. Und auf einmal merkt man, wie man immer mehr Textzeilen mitsingen bzw. -schreien kann.
Neben der Musik passt auch das Artwork: die Kassette ist sehr schön neon-orange gehalten, und das Inlay zeigt die Jungs als fröhliche Band, was einem beim Hören der Musik wohl nicht als erstes in den Sinn kommen würde.
Wer noch tiefer in Musik und Band eintauchen will, dem empfehle ich auf Bandcamp in das Album reinzuhören, denn am Ende gibt zu drei Songs noch eine Art „Making of“ in Podcast-Form. Dort erfährt man mehr über die Entstehung der Songs und vor allem deren Texte. Empfehlenswert.
Und allen, die eher in der nördlichen Hälfte Deutschlands wohnen, möchte ich noch die im März und April stattfindenden Konzerte ans Herz legen:
06.03 Münster – Baracke
07.03 Nordenham – Eldorado
13.03 Bremen – BDP
14.03 Warendorf – HoT
20.03 Eschwege – Traube
21.03 Hannover – stumpf
24.04 Jülich – KuBa
25.04 Kleve – Radhaus
20.06 Dresden – Farewell Youth Fest