LOCKJAW – Arrive & escape

Nach der Neuauflage von „Worth living world“ im letzten Jahr, beschert uns das Quintett aus unserer Klingen-Hauptstadt Solingen nun sein neuestes Werk.
„Arrive & escape“ nennt sich das Geschoss, das uns bisweilen in den Alternative/Independent-Rock-Kosmos katapultiert. Man hat das Gefühl, die Jungs aus dem Süden unserer Republik schütteln die lockeren, aber nicht zu mainstreamlastigen, spannenden, aber nicht tausend Mal gehörten Melodien einfach so aus dem Ärmel. Zu Beginn war ich noch etwas skeptisch, doch nachdem ich das Album ein paar Mal angehört habe, muss ich feststellen, dass mein Ersteindruck mich getäuscht hatte. Was mir vorher nicht im Ohr bleiben wollte, will dort nun nicht mehr heraus … die letzte deutsche Band, die das geschafft hat, waren die fantastischen BEATSTEAKS. Die können zwar musikalisch gesehen nicht direkt als Vergleich herhalten, doch habe ich hier ein ähnliches Gefühl. Spontaneität und Kurzweil ist bei beiden Bands auszumachen und zieht sich wie ein roter Faden auch durch „arrive & escape“.
Geboten werden elf Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 46 Minuten. Ein Ausfall ist nicht auszumachen. Zum ersten Mal haben LOCKJAW selber produziert, und zwar im BluNoise-Studio unter Mithilfe von Inhaber und Noise-Ikone Guido Lukas. Trotz des BluNoise-Aufnahmetempels und Guido Lukas sind keine Noise-Attacken zu erwarten, sondern gitarrenlastige Rocksongs mit schönen Melodiebögen und gelegentlichen Punk-Ausflügen. Als Anspieltipp empfehle ich den packenden Opener „scared“, der in etwa die Marschrichtung des Albums vorgibt: mal melodische, mal etwas schräge Gesangsharmonien und ein abwechselndes – mal leise, mal laut – aber immer hypnotisches Gitarrenspiel.
Weitere Songs, die ihr anchecken könntet, wären das mittreißende „fire in the underground“ oder das etwas relaxtere „golden state“.
Für alle Vinyl-Liebhaber wird demnächst eine LP von „music is my heroin“ (Vertrieb Flight 13) erscheinen.

Bewertung: 7,5/10

Veröffentlichungsdatum: 26.07.2004