Kurz & schmerzlos (Oktober-Dezember 2011) – CD-Besprechungen in aller Kürze

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Okay, auch wir sehen ein: Es ist an der Zeit Stellung zu beziehen. Deshalb spricht sich Blueprint einheitlich gegen Pyrotechnik in Stadien aus. Wozu das führt, hat man ja erst kürzlich gesehen: Aggressionen an allen Orten! Nicht nur im Stadion, auch im Alltag werden immer mehr Fälle bekannt, die sich direkt oder indirekt auf die Pyro-Hools beziehen. Hier die Fälle der letzten Woche:

Francesco S. setzt seine Yacht vor die Klippen, weil ihm ein toskanischer Teenie den Mittelfinger gezeigt hat. Dieser daraufhin: „Das galt nicht ihm, sondern dem Scheiß-Verkäufer aus dem Alimentari. Der wollte mir den Blitzsatzknaller nicht geben. Dabei werde ich übermorgen doch schon 14.“

Kai D. will auspacken: Christian W. hat nicht nur Privatkredite verschleiert, kürzlich sah man ihn in der AWD-Arena neben Frank H. von den Hells A. In der Hand: eine Riesen-Wunderkerze (Länge: 50 cm!). Christian W. nach dem Spiel: „Ich wollte doch nur Emotionen ausdrücken!“

Dorge K. fallrückziehert im Spiel gegen Werder B. volle Kanne ins Gesicht von Sebastian P. Nach dem Spiel: „War keine Absicht. Da hat mir so ein Werder-Ultra ins Auge gelasert. Könnte aber auch eine Leuchtrakete gewesen sein.“

Kurz & schmerzlos:

A STATE OF GRACE – „And the savant starts to think” (Label: Eigenregie, VÖ 01.09.2011)
(so) Punkrock, wie er nun einmal ist. Dreckig und laut. So sind auch A STATE OF GRACE. Hauptsache, dreckig und laut und am besten noch mit Fäkalsprache durchsetzt. Passt in jede Punk-Sammlung, ohne weiter aufzufallen. (5,5)
http://www.myspace.com/astateofgraceger

ATOMIC – „Heartbeater” (Label: Redwinetunes / PIAS, VÖ 28.10.2011)
(svw) Englisch(sprachig)er und ehrlicher Indierock mit einem überzeugendem Gesamtkonzept. Da stört es auch niemanden, dass die Platte nicht aus Übersee sondern aus dem Freistaat Bayern stammt. Trotzdem – oder gerade deswegen- könnte man sich ATOMIC mit dieser Platte gut als Vorband von THE SUBWAYS oder THE KOOKS vorstellen. Mitsingen erwünscht! (9)
http://www.myspace.com/atomicboys

BLOODSPOT – „Embrace the end” (Label: Collectors Mine / FNR, VÖ 15.10.2011)
(cm) Thrash, Durchschlagskraft ist hier wichtiger als Technik, auch mit Death Metal-Anteilen, geht eher in die moderne Ecke (etwa klassische THE HAUNTED, CARNAL FORGE, manchmal LAMB OF GOD), sogar dann und wann mit Gekreische. Gut (amtlich!) produziert. Erstaunlich abwechslungsreich für diese Art von Musik (wenn man sich denn drauf einlässt und genauer hinhört). Aber natürlich auch eine optimale Soundkulisse zum Aufräumen, Abwaschen, Autofahren und Biertrinken, es werden also eigentlich alle wichtigen Lebensbereiche abgedeckt. Funktioniert! (7)
http://www.myspace.com/bloodspot

LOXODROME – „Mirrorw.Affection” (Label: Busch Alternate Sound, VÖ 17.10.2011)
(jg) Nu Metal hat sich offenbar auch schon bis Österreich herumgesprochen. Und wie das Presseinfo prahlt, waren nicht nur die Auftritte in England und Estland erfolgreich, man ergatterte sogar Ausstattungsverträge mit Warwick, Paiste und Csibi Sticks. Bei den Gitarrensoli nicht verwunderlich, aber ich bevorzuge da doch Bands, die ihre Gitarrensaiten selber kaufen und statt toller Band Contests lieber die Herzen schüchterner Indie-Kids gewinnen. (4)
http://www.myspace.com/loxodrome

PANS PARK – „Tage wie diese” (Label: Busch Alternate Sound, VÖ 26.09.2011)
(jg) Ich wollte diese CD eigentlich meinem geschätzten Freund Peter Pansen Park andrehen, aber leider hat er abgelehnt. Deutschsprachiger Metal/Progressive Rock mit einer Stimme im Stil der ONKELZ und Texten à la XAVIER NAIDOO. Da klingt „Lass mich ganz nah bei Dir sein“ fast wie eine Drohung. (2)
http://www.myspace.com/panspark

PERFORMANCE – „The living“ (Single) (Label: BMG, VÖ 14.10.2011)
(bc) Obwohl sich ihre Plattenfirma zuletzt ziemlich ins Zeug gelegt hat und einiges unternommen hat, um die Band hierzulande zu pushen, sind PERFORMANCE immer noch nicht im breiten Bewusstsein der Indie-Gemeinde angelangt. Daran wird wahrscheinlich auch ihre Single-Auskopplung „The living“ nichts ändern, denn mit diesem Song legt das gemischte Trio aus Manchester eine zwar durchaus tanzbare, aber insgesamt doch recht durchschnittliche Nummer vor, die man irgendwo zwischen Indie, Brit-Pop und New Wave verorten kann. Der Umstand, dass der Song dann gleich in einem halben Dutzend verschiedenen, teils sehr gewöhnungsbedürftigen, Versionen bzw. Remixen auf dem Silberling enthalten ist, reißt das Ganze auch nicht wirklich raus. (5,5)
http://www.myspace.com/weareperformance

PITPONY – „Greetings, changeling” (Label: Finest Noise Releases, VÖ 04.11.2011)
(jg) Einfältigkeit kann man PITPONY ganz sicher nicht vorwerken. Unter dem Oberbegriff Rock vereinen die Berliner viele musikalische Stile, manche Parts gefallen mir sogar ziemlich gut. Das Resultat klingt ähnlich verquer wie die letzten Sachen aus der Feder von Josh Homme, manchmal erinnert´s an KORN, manchmal auch an PRIMUS. Die Produktion ist kraftvoll, aber mir ist das alles doch ne Spur zu dickhosig. (5)
http://www.myspace.com/pitponymusic

ROTOR – „Festsaal Kreuzberg“ (Label: Elektrohasch Schallplatten, VÖ 28.10.2011)
(bc) ROTOR aus Berlin gehören mit Sicherheit zu den begnadetsten Instrumental-Rockbands des Landes. Das unterstreicht auch dieses Live-Album, dass sie am 14.11.2009 im Festsaal Kreuzberg aufgenommen haben: In neun Songs bzw. 45 Minuten gibt es progressiven Stoner-Rock auf höchstem Niveau. Perfekt aufeinander eingespielt und absolut fehlerfrei zockt sich das Trio durch Stücke ihrer letzten beiden Alben und verzichtet dabei konsequenterweise auch noch auf jegliche Ansagen, während der Jubel des Publikums von Stück zu Stück immer euphorischer wird. Eine beeindruckende Vorstellung. (6,5)
http://www.myspace.com/rotorberlin

SCOFF – „Lambda“ (Label: Sonic Sound, VÖ 29.07.2011)
(mn) Auch wenn die Gitarren gut klingen und der Sound für ein Trio beeindruckend ist, bieten SCOFF kaum Argumente, sich ihr Werk in den heimischen Plattenschrank zu stellen. Hauptsächlich liegt dies an Frontmann Christian Zahler, der klanglich eine unüberhörbare Ähnlichkeit mit James Hetfield hat, nur leider klingt Zahler so gar nicht amerikanisch in seiner Aussprache und wird somit über das ganze Album zu einem miserablen Imitat des METALLICA-Frontmanns. Dazu sitzt der ein oder andere Ton nicht richtig gerade. Dabei hätten die Münchner durchaus Potential. Allerdings braucht es dafür eine eigenständige Stimmen. So verschwindet der Silberling nach dieser Besprechung im CD-Ständer. (3)
http://www.myspace.com/scoffrocks

UGLY DUCKLING – „Moving at breakneck speed“ (Label: Special Records, VÖ 04.11.2011)
(bc) Die Rap-Formation UGLY DUCKLING aus Long Beach besteht bereits seit 1993, und genau so klingt auch ihr neues und mittlerweile fünftes Album. Und das meine ich durchaus im positiven Sinne, denn ihr mit diversen Interludes durchzogener Alternative HipHop erinnert mich sehr an verschiedene damalige Acts wie JURASSIC 5, THE GOATS oder auch an die „Use your fingers“-LP der BLOODHOUND GANG. Mit jazzigen Samples, vielen Scratches und intelligenten Texten bildet „Moving at breakneck speed“ einen äußerst wohltuenden Kontrast zu dem ganzen abgelutschten Gangsta-Rap oder G-Funk-Kram, der dem HipHop seinen heutigen (tendenziell eher schlechten) Ruf eingebrockt hat. (7)
http://www.myspace.com/uglyduckling