Kurz & schmerzlos (Januar – März 2021) – CD-Besprechungen in aller Kürze

Ein Jahr Corona! Feiern möchte man das nicht. Doch die typischen Bilanzen (Was haben wir dazugelernt? Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?) wollen wir Euch ersparen. Werfen wir doch mal einen Blick auf ein anderes Terrain. Nein, ausnahmsweise nicht die Musik – dass Live-Streams nur ein schwacher Ersatz für laute Konzerte in verschwitzten Clubs sind, steht außer Frage.
Betrachten wir doch mal den Fußball und die (mit wenigen Ausnahmen) seitdem praktizierten Geisterspiele in der Bundesliga. Im 11FREUNDE wurde kürzlich beleuchtet, ob der Fußball seitdem kraftloser geworden ist. Tatsächlich lässt sich statistisch belegen, dass ballführende Spieler zuletzt weniger von ihren Gegnern bedrängt wurden. Doch was viel entscheidender ist: kann man das Fehlen der Fans auch an den Ergebnissen ablesen? Oder anders ausgedrückt: was ist aus dem sogenannten „Heimvorteil“ geworden?
Vergleichen wir dafür doch mal die Saison 2018/2019 mit der aktuell laufenden Saison. (2019/2020 lassen wir außenvor, da Corona inmitten der Saison auftrat und die Geisterspiele recht uneinheitlich stattfanden.) Betrachtet man dafür die Heimtabelle mit der Auswärtstabelle, lässt sich für die Saison 2018/2019 feststellen, dass die Vereine im Durchschnitt 27,1 Punkte zu Hause und 19,9 Punkte auswärts holten. In der aktuellen Saison holten die Teams durchschnittlich daheim 18,7 Punkte zu Hause und 16,7 Punkte auswärts (hochgerechnet auf 34 Spieltage entspräche dies 24,5 zu 21,9 Punkten).
Was lässt sich aus diesen Zahlen ableiten? Ja, es gibt einen Heimvorteil, allerdings hängt er entscheidend von der Unterstützung der Fans ab. Anscheinend fehlen nicht nur den Musikern ihre Fans, sondern auch (und statistisch nachweisbar) den Fußballprofis.
Hoffen wir also drauf, dass die Rücksichtnahme der Menschen untereinander und die Impfungen bald wieder zu einem „normalen“ Leben führen und wir wieder zahlreich zum Fußball und Konzerten gehen können. Und dass Schalke schleunigst zurückkehrt in die 1. Liga. 😉

Hier unsere Kurzreviews:

ARNE UND DIE STRÜMPFE – „2“ (Eigenvertrieb, VÖ: 29.01.2021)
(bc) Nach dem 2018 erschienenen Erstlingswerk hier nun der zweite Streich des strumpfigen Kinderunterhaltungs-Projektes, hinter dem sich Mitglieder der Deutschpunk-Band DIE TRAKTOR verbergen. Wie bereits beim ersten Teil gibt es hier liebevoll umgesetzte Kinder-Lieder im Punkgewand, eingebettet in eine niedlich kleine Geschichte. Gerne hätten wir uns hierzu eine fachkundige Meinung direkt aus der Zielgruppe eingeholt, doch leider hat niemand aus dem inneren Blueprintzirkel Kinder, mit denen wir das Hörerlebnis teilen könnte. Wer sich und seinen Nachwuchs allerdings für EGON & DIE TRECKERFAHRER erwärmt, sollte sich auch für ARNE UND DIE STRÜMPFE begeistern können. (6)
https://de-de.facebook.com/dietraktor

BILLY BARFLY – „Horror Stories“ (Eigenvertrieb, VÖ: 02.10.2020)
(bc) Bei BILLY BARFLY handelt es sich um eine One-Man-Band, wie man so schön sagt. Auf dieser selbstgebrannten Konzept-EP zum Thema „Halloween“ bewegt sich die Tresenfliege relativ scheuklappenfrei zwischen Deutschpunk, Rockabilly und poppigen Tönen. Das erinnert mal an alten ÄRZTE-Sachen („Ich liebe ein Mädchen“), mal an die BLUTJUNGS („Staub & Knochen“), und bei dem leicht kitschigen Song „Vampir“ sehe ich irgendwie ein imaginäres Musical vor meinem inneren Auge. Das Ganze hat Charme, wirkt aber stellenweise auch etwas infantil. (5)
https://www.billy-barfly.jimdosite.com

CUFFED UP – s/t (EP) (Label: Hassle Records, VÖ: 12.02.2021)
(jg) Wie oft wurde der klassische Alternative Rock eigentlich schon totgesagt? Interessant, dass aber immer wieder neue Bands aus diesem Genre nachrücken, gerne auch aus den USA, die den Hörer eines Besseren belehren. CUFFED UP kommen aus Los Angeles, haben sich vor zwei Jahren gegründet, und nach u.a. einem Cover von DEATHs „Politicians in my eyes“, dessen Erlöse dem Detroit Justice Centre zugutekamen, folgt nun ein unbetitelter Four-Tracker. Musikalisch irgendwo zwischen den PIXIES und PLACEBO einzuordnen, lässt vor allem der Wechselgesang zwischen Sänger/in und Gitarrist/in Ralph und Sapphire auch an Bands wie THE SUBWAYS und die BLOOD RED SHOES denken. Gedanklich sehe ich mich schon fast wieder auf der Tanzfläche meiner damaligen Discotheken meines Vertrauens den Körper schütteln. (7)
https://www.facebook.com/cuffedupmusic/

ERIK DAHL ENSEMBLE – Genethian suite (Label: Svalka Records, VÖ: November 2020)
(jg) Mit Filmmusik wird nicht jeder warm. Dass es aber durchaus hörenswerte Filmmusik gibt, wurde kürzlich in einer byte.fm-Sendung beleuchtet, in der es ausschließlich um diese Form der Musik ging. In dieses Genre könnte man auch das ERIK DAHL ENSEMBLE einsortieren, wobei sie mit ihrer klassischen Kammerpop-Besetzung und einer leicht jazzig/folkigen Ausrichtung genauso gut anderen Genres zugerechnet werden dürften. Jedoch bleibt die Musik des ERIK DAHL ENSEMBLEs zu experimentell und zu wenig spannungsgeladen, um auch eigenständig zu funktionieren. Da der Release im März 2020 mit Corona kollidierte, erfolgte im November 2020 ein Re-Release. Ob die Lage in Schweden zu dem Zeitpunkt wesentlich besser war, wage ich jedoch zu bezweifeln. (4)
https://www.facebook.com/erikdahlensemble

FIGHTING CHANCE – „Things that set us free“ (Label: Horror Business Records, VÖ: 26.03.2021)
(bc) Ein ziemlich derbes Mosh-Brett, das FIGHTING CHANCE hier abliefern. Insofern könnte ich es mir eigentlich einfach machen, „Things that set us free“ in der Metalcore-Schublade ablegen und verkünden, dass diese Truppe aus Dortmund ihren Job objektiv betrachtet sicherlich ganz gut macht, ich jedoch leider nicht zur Zielgruppe zähle. Wären da nicht ein paar Momente auf diesem Album, auf denen mich die Jungs dann doch noch packen. Wie zum Beispiel in „The watch“, wo sie ganz unverhofft einen hymnischen Pop-Punk-Refrain einpflechten, und auch die eher Hardcore-orientierten Songs („Between us“, „Empty throne“) laufen bei mir ganz gut rein. (6)
https://de-de.facebook.com/fightingchanceofficial/

GOAT THE HEAD – Strictly physical (Label: Crispin Glover Records, VÖ: 12.02.2021)
(jg) Würde mir dieses Promoalbum nicht im CD- sondern Vinyl-Format vorliegen, hätte ich wahrscheinlich schon längst ausprobiert, ob es nicht mit 45 statt 33 RPM besser klingt. Aber anscheinend handelt es sich tatsächlich um ziemlich epischem Metal mit tief gegrowltem Gesang. Dass hier Mitgliedern diverser norwegischer Black- und Dark-Metal-Bands mit am Werke sind (seit kurzem sitzt hier außerdem Kenneth Kapstadt von MOTORPSYCHO und SPIDERGAWD am Schlagzeug), hört man klar heraus. Und doch bewegen sich GOAT THE HEAD musikalisch genauso sehr im 70s Psychedelic- und Prog-Bereich. Eine zumindest ungewöhnliche Kombination, die für einen (Black)Metal-Laien aber trotzdem schwer zu verdauen ist. (3)
https://www.facebook.com/goatthehead/

IRAN – Aemilia (Label: Aagoo Records, VÖ: 04.12.2020)
(jg) Das Cover deutet es bereits an, dass wir es hier mit Kunst zu tun haben könnten. Und in der Tat erinnert mich das Trio IRAN mehr an eine künstlerische Form der Musikschaffung als an klassischen Post-Rock oder ähnliche Instrumentalmusik. Das kann, wenn es allzu experimentell wird, für den Hörer auch nach hinten losgehen, und tatsächlich bewegen sich IRAN auf dem schmalen Grat zwischen mitreißend und anstrengend. Musikalisch recht schwer einzuordnen tauchen hier Momente aus Krautrock, Stoner Rock und Minimal Music auf, die IRAN trotz aller Unterschiede überraschend gut miteinander kombinieren. Was am Ende als anstrengend oder fantastisch bezeichnet wird, hängt vom Auge des Betrachters ab. Für ein Debütalbum allemal ein Ausrufezeichen! (5,5)
https://iranband.bandcamp.com/album/aemilia

LOVE MACHINE – Düsseldorf – Tokyo (Label: Unique Records, VÖ: 26.02.2021)
(so) „Kauzig“ nennt die Presseinfo die Musik von LOVE MACHINE. Joa, da ist schon ein bisschen was dran. ELEMENT OF CRIME treffen auf HELGE SCHNEIDER, wenn beide Vergleiche auch deutlich zu hoch gegriffen sind. Teils, wohl gewollte, „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Zeilen (wie beispielsweise bei „Golo Mann“) wechseln sich mit wirklich interessanten Wortspielereien (wie z. B. bei „100 Jahre Frieden“) ab. LOVE MACHINE arbeiten sich an so einigen Klischees des Deutschrocks/-pops ab, inklusive nervigem Gitarrensolo, das halt auch immer dabei sein muss, kann man nichts machen.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, weshalb denn ausgerecht ich als Kölner mal wieder ein Album aus Düsseldorf besprechen muss. Aber schlecht ist nun wirklich auch anders. (5,5)
https://www.facebook.com/lovemachineohyes

M. WARD – Think of spring (Label: Anti-, VÖ: 11.12.2020)
(so) Tja, was kann man großartig mehr über M. WARDs neues Album sagen, als dass es eben ein Singer/Songwriter-Album ist, sehr klassisch, sehr reduziert. Vielleicht noch, dass mit BILLIE HOLIDAYs „For heaven’s sake“ eine interessante Coverversion auf „Think of spring“ enthalten ist. Denn hier gelingt M. WARD wirklich eine echte Neuinterpretation, auch die eher zurückhaltend und kuschelig. Ansonsten begegnet uns auf diesem Album recht einfach gehaltene Gitarrenmusik (wenn auch in verschiedenen Stimmungen) mit nicht unbedingt packendem Gesang. Alles insgesamt nicht schlecht gemacht, aber auch nicht in der Lage, sich aus den Fängen der unendlichen Veröffentlichungen in diesem Genre zu befreien. Wer jedoch auf zarte Gitarren und nett plätschernde Songs steht, der sollte hier durchaus mal ein Ohr riskieren. (5)
https://www.facebook.com/mwardmusic

MY LITTLE WHITE RABBIT – Lowest heights (Label: popup-records, VÖ: 22.01.2021)
(so) Weiter geht es mit einem Album, über das sich nicht unfassbar viel sagen lässt. Garage mit weiblichem Gesangspart. Rike Pfeiffer lässt auf „Lowest heights“ Kapitalismus, Tierrecht und Feminismus in einem Culture Clash zusammentreffen. Das Ganze unterlegt mit teilweise überholtem Rock im Retrolook (eben Garage, gut erkennbar). Ja, es scheppert schon ganz ordentlich bei MY LITTLE WHITE RABBIT. Aber ihm deshalb gleich folgen, wie wir es alle aus „Matrix“ kennen? Ich weiß ja nicht, ob die Überzeugungskraft so groß sein wird. Selbst, wenn sie sich an anderen Richtungen versuchen („The M-Word“), bleibt die Begeisterung doch ein bisschen auf der Strecke. Richtig gut, weil richtig krachend, wird es dann noch gegen Ende, wenn „Lucky people“ aus den Boxen lärmt. (4)
https://www.facebook.com/MyLittleWhiteRabbit

PARA LIA – Gone with the flow (Vertrieb: recordJet, VÖ: 12.02.2021)
(jg) Bei diesem Album gibt es eigentlich nicht allzu viel zu kritisieren. Gute Produktion, eingängige Songs, irgendwo zwischen THE NATIONAL, EDITORS und INTERPOL zu verorten. Ursprünglich war sogar vorgesehen, das Album im Rahmen einer Ausstellungseröffnung eines New Yorker Künstlers zu veröffentlichen. Doch dann folgte Corona, und entsprechend kam alles anders. Nun erscheint das Album eben ohne Ausstellung. Hinter PARA LIA steckt das Paar René und Cindy Methner, wobei es sich mehr oder weniger um Renes Solowerk handelt, während seine Partnerin lediglich eine zweite Stimme beisteuert. Doch so wirklich wollen mich die Stücke von PARA LIA nicht mitreißen, obwohl mit Pathos und Bombast keineswegs gegeizt wird. Wie eingangs schon gesagt: gut zu hören, aber mein Herz erreichen PARA LIA leider nicht. (6)
https://paralia.bandcamp.com/

PRIMITAI – „Violence of the skies“ (Label: Rock Of Angels Records, VÖ: 26.03.2021)
(bc) Du stehst auf Klischee-beladenen Power-Metal mit apokalyptischen Reitern auf dem Cover, die Ketten schwingend durch eine brennende Fantasy-Landschaft galoppieren, während Blitze in ihre Schwerter einschlagen? Herzlichen Glückwunsch, dann ist dies hier die perfekte CD für dich! Die Begeisterungswellen innerhalb der Blueprint-Redaktion halten sich hingegen in Grenzen. (4)
https://de-de.facebook.com/primitai/

SCHÜCHTERN – „Luft nach unten“ (Label: Kreakustik Records, VÖ 18.12.2020)
(bc) Bereits zum dritten Mal landet eine CD von SCHÜCHTERN auf meinem Besprechungsstapel, und auch diesmal kann mir ihr laues, an die SPORTFREUNDE STILLER angelehntes Pop-Rock-Lüftchen nicht viel mehr als ein müdes Gähnen entlocken. Zumindest drei der insgesamt zwölf Songs verdienen dennoch eine besondere Erwähnung: Zum einen das immerhin mit einer klaren Anti-Rechts-Aussage versehene Stück „Spring doch“ (welches das Trio allerdings bereits letztes Jahr als Single veröffentlicht hatte), darüber hinaus die zum Schmunzeln verleitende BAD RELIGION-Persiflage „Folk Rock Song“, und zu guter Letzt noch „Zwischen den Bildern“, der mir als einziger Song des Albums tatsächlich einigermaßen gefällt. Insgesamt betrachtet ist das jedoch zu wenig. (3,5)
https://www.facebook.com/wirsindschuechtern

SERVICES – One velvet morning (Label: Eigenregie, VÖ: 18.12.2020)
(jg) Puh, diesmal tummeln sich aber ziemlich viele anstrengende Bands in meinem Promostapel. Wobei der Kritikpunkt bei dem Artrock von SERVICES weniger das Songwriting als vielmehr die wahrscheinlich bewusst gewählte schrammelige Produktion ist. Passt aber auch einfach zu gut zu dem tendenziell etwas schiefen Gesang. Man kann bei der Band aus Minneapolis sicherlich die Wurzeln im alten Indierock (SONIC YOUTH, PAVEMENT) ausmachen, dem die hallenden Vocals aus der Ferne eine leichte Dark Wave-Note verpassen, was durch die teils industriell klingenden Drums noch unterstützt wird.
Ein Satz, den ich nur selten sage, der mir in diesem Fall aber doch in den Sinn kommt: Mir persönlich hätte das Album mit einer etwas glatteren Produktion sicherlich besser gefallen. Schade. (5)
https://servicestheband.bandcamp.com/album/one-velvet-morning

STEARICA – „Golem 202020“ (Label: Monotreme Records, VÖ: 19.03.2021)
(bc) Das Infoblatt behauptet, dass es sich bei diesem Album um den Versuch handelt, einen Stummfilm namens „Golem, wie er in die Welt kam“ aus dem Jahre 1920 nachträglich zu vertonen. Ooooookaaaay…… Da ich besagten Film nicht kenne, mag ich auch keine Einschätzung darüber abgeben, inwieweit den Italienern dieses Experiment geglückt ist, aber als Filmmusik kann ich mir das hier Dargebotene durchaus vorstellen. Atmosphärisch, post-rockig und instrumental geht es hier zur Sache, ein anspruchsvolles Klangerlebnis von verdammt fähigen Musikern umgesetzt. Allerdings muss man auch für so eine Art von experimentellem Sound empfänglich sein. (5)
https://www.facebook.com/stearica/

SUN TRIGGER – Liquid time (Label: Timezone, VÖ: 27.11.2020)
(so) Ab und an frage ich mich ja schon, wie so manche CD den Weg zu mir überhaupt gefunden haben könnte. So auch bei SUN TRIGGER. Zum einen bin ich kein Fan von Prog-Rock, zum anderen auch nicht von instrumentalen Platten. Beides vereinigen SUN TRIGGER auf das Beste auf „Liquid time“. Elendig lange Gitarrenparts, schön verzerrt, im Hintergrund wummern die Drums. Ab und zu driften SUN TRIGGER noch in spacigere Gefilde ab, das ist dann wenigstens für einen Moment erträglich. Sicherlich tue ich der Band unrecht, indem ich einfach nichts mit ihr anfangen kann, denn vom spielerisch-künstlerischen Aspekt her sind sie wahrscheinlich gar nicht mal schlecht. Aber, ich entschuldige mich erneut, nein, dieses ständige Griffbrett rauf und runter… nein. Nicht meins. Wird es auch nicht, so sehr sich SUN TRIGGER bestimmt bemühen. (3)
https://www.facebook.com/suntriggermusic/

SYNTONIC – „[mo-zey-ik]“ (Label: Recordjet, VÖ 27.11.2020)
(bc) Okay, ich bring ihn: „Ey Barkeeper, ein Syn-Tonic, bitte!“. Haha. Blendet man die regelrechte Einladung des Bandnamens zum Kreieren von schlechten Wortwitzen jedoch einmal aus, gibt es auf [mo-zey-ik] eine sphärische Mischung aus Post-Rock, Indie und elektronischen Elementen zu hören. Stellenweise klingt mir der Sound etwas zu unterkühlt, mir fehlen ein wenig die mitreißenden Momente. Oder wie der imaginäre Barkeeper vermutlich sagen würde: Die Gurkenscheibe, die das Geschmackserlebnis erst so richtig abrundet. (5,5)
https://de-de.facebook.com/syntonic.music/

THE BESNARD LAKES – The Besnard Lakes are the last oft he great thunderstorm warnings (Label: Full time hobby, VÖ: 29.01.2021)
(so) THE BESNARD LAKES lassen sich Zeit. Viel Zeit. Über 70 Minuten für nur elf Songs. So ein bisschen schwappt das Singer/Songwritergefühl mancher PINK FLOYD-Songs durch das Album, ebenso wäre es hervorragend als Hintergrund für ein elegisches Computerspiel (sagt man das eigentlich noch so?) geeignet. Maximaler Hall auf allem, verschwommen rauschend, irgendwie hypnotisch, aber irgendwie auch anstrengend. Auch thematisch sicherlich nicht ganz einfach, beschäftigt sich „THE BESNARD LAKES are…“ doch in der Hauptsache mit dem Tod – und dem vielleicht doch wartenden Licht auf der anderen Seite. Elegisch, verhallt, träumerisch, durchaus auch elektronisch, mit interessanten Gesangslinien (insbesondere, was die Höhe angeht), aber eben auf eine Art auch schwer zugänglich. (6)
https://www.facebook.com/thebesnardlakes

THE ENTREPRENEURS – Wrestler (Label: Crunchy Frog, VÖ: 26.02.2021)
(jg) Wann handelt es sich bei einem Tonträger um eine EP und wann um ein Album? Über die Frage gibt es wohl nicht immer Einigkeit, zum Teil haben sich dabei sogar schon die Band und das veröffentlichende Label in die Haare gekriegt. Mit dem Ergebnis, dass die Band (GREGOR SAMSA) ihre Platte am Ende „27:36“ nannte, um potenzielle Käufer darauf hinzuweisen, dass es sich doch um ein recht kurzes „Album“ (Wunsch des Labels) handelte.
„Wrestler“ wird als zweites Album von THE ENTREPRENEURS tituliert, kommt allerdings mit acht Songs auch nur auf eine Gesamtspielzeit von einer knappen halben Stunde. Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Shoegaze und antikem Indierock. Hier und da hört man die SMASHING PUMPKINS oder SONIC YOUTH heraus, MY BLOODY VALENTINE sind sicherlich auch keine Unbekannten. Mit „Sweet“ gelingt THE ENTREPRENEURS sogar ein richtiger Hit, der Rest bewegt sich aber eher im Mittelmaß. (6,5)
https://theentrepreneurs.bandcamp.com/album/wrestler-2

TWANGMEN – Triskelle and cascades (Label: EMG, VÖ: 12.03.2021)
(jg) Wäre mir gar nicht aufgefallen, hätte man mir dieses Album unter dem Namen „MOTORPSYCHO“ untergejubelt. Wobei es doch einen kleinen, für viele Menschen aber nicht ganz unbedeutenden Unterschied gibt: TWANGMEN verzichten bei ihrer progrockartigen Rockmusik komplett auf den Gesang. Spannend bleibt es trotzdem, am besten gefallen mir die groovigen Passagen, die postrockartigen Aufbauten zwischen laut und leise, weniger hingegen die 70er Prog-Ausflüge. Also alles wie bei MOTORPSYCHO. Sogar die Melodiefindung könnte von Hans „Snah“ Magnus Ryan stammen. Als ob man die Herren vom Vorarlberg nach Trondheim verschifft hätte. (6,5)
https://twangmen.bandcamp.com/album/triskele-and-cascades