Krautwave also. Ja, das trifft es ziemlich gut. Und wo wir gerade bei gut sind: Wie gut, dass KRATZEN nicht mehr machen, als man man machen muss, wie sie selbst sagen. Denn diese Reduktion, diese „nächtliche Kühle“, die machen den Sound und die Wirkung dieses Albums, dieser Band aus.
Schon mit „Reichtum“ zeigen die drei Musiker:innen, wo die Reise hingehen wird. Der monotone Bass und das knallende, dennoch nicht zu vordergründige Schlagzeug, wie es auch in „Immer“ zu hören ist, die Gitarre, die sich keine Soli gönnt, sondern das macht, wofür sie bezahlt wird: Melodien hervorzaubern. Und darüber ein Gesang, der sich zwischen den Künstler:innen abwechselt und mal nach NDW, dann wieder nach JOY DIVISION oder WIR SIND HELDEN klingt, mal spricht, mal erzählt, mal singt.
Wie es KRATZEN gelingt, bei doch recht starker Monotonie so abwechslungsreich und interessant zu klingen, darf gerne ihr Geheimnis bleiben, solange sie es weiterhin so perfekt in Szene setzen. KRATZEN verzichten auf Schnörkel, auf Sperenzchen, auf alles, was von dem eigentlichen Song ablenken könnte – und das ist einfach gut. „Nur so“ eben. Das Trio begeistert sicherlich nicht nur Fans von düsterer, deutscher Wavemusik, sondern auch solche, die eher aus dem Rock, NDW oder auch Pop kommen. Wer nicht spätestens – und wirklich spätestens! – von „Zeichen“ begeistert ist, diesen Menschen ist dann leider musikalisch nicht mehr zu helfen.
Dieser dritte Streich ist KRATZEN verdammt gut gelungen. Ein Album, das mir als altem Goth-Indie-Elektro-Menschen nicht nur ein Lächeln, sondern eher ganz viele ins Gesicht gezaubert hat und auch noch zaubern wird.
