Das beginnt gewaltig, fast episch. „Eyes of the living night“ startet mit „The saga and the storm“ – und so wie der Titel, so ist auch der Song: Eben episch, eine echte Klang-Saga, die vermuten lässt, dass es hier eventuell gleich schneller werden könnte, lauter auch. Doch weit gefehlt. JONATHAN HULTÉN steigt mit uns und der ersten Single des Albums, „Afterlife“, in hymnische Sphären hinauf, die den Folk mit Psychedelic mischen, Ahnungen von „Neverending story“ treffen auf LOREENA MCKENNIT.
„Eyes of the living night“ kann es aber auch wesentlich zurückhaltender, wesentlich reduzierter, wie etwa „Falling mirages“ zeigt, das eher zart und edel daherkommt. Das Album könnte problemlos als Filmmusik eines wunderschönen Fantasyfilmes dienen oder auch als Hintergrund für eure nächste D’n’D-Runde, wenn die Kerzen brennen und die Gedanken reisen.
Der schwedische Singer/Songwriter huldigt mit seinem zweiten Album dem folkigen Pop, wird dabei opulent, aber auch zirpend, kann das große Drama und das kleine Glück. Manchmal rutscht er zu sehr in die Klischeekiste ab und bedient sich beim Herausklettern auch noch mehrfach aus ihr. Das ist etwas schade und nimmt dem Album teilweise seine eigentliche Wirkung. Insgesamt aber bleibt „Eyes of the living night“ ein interessantes Album, das sich zwischen NICK DRAKE und Folkoper einen sicheren, verdienten Platz erspielt.
Definitiv etwas für Rollenspieler und Fantasyfans.
