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EFTERKLANG – 29.07.2022, Uebel & Gefährlich (Hamburg)

 
In der Corona-Zeit habe ich angefangen, die von mir besuchten Konzerte – soweit noch nachvollziehbar – in einer Excel-Liste festzuhalten. Bei mehr als 3.000 Konzerten ein ziemlich mühseliger Akt. Und wozu der ganze Aufwand? Keine Ahnung. Aber in diesem Zusammenhang konnte ich beispielsweise feststellen, dass ich WILL SAMSON bereits vor zehn Jahren schon mal live gesehen habe: im Hafenklang als Vorband von PINBACK. Hätte ich sonst nicht mehr gewusst. Heute also auch wieder Support, diesmal vor EFTERKLANG und in Begleitung einer Violinistin. Musikalisch klang das gar nicht so unähnlich zu den ruhigen Songs von EFTERKLANG, und die akzentuiert eingesetzte Geige passte ebenfalls gut dazu. WILL SAMSON selbst sang, bediente die Synthies, mal ein Becken, mal eine Gitarre. Insgesamt eher minimalistisch, aber durchaus atmosphärisch. Ein wenig mehr Abwechslung in der Dramaturgie, und das Ganze wäre noch ausdrucksstärker. Aber auch so ein durchaus würdiger Einstieg in einen schönen Abend, den sich auch die Musiker von EFTERKLANG aus dem Publikum ansahen.

EFTERKLANG selbst betraten gegen neun Uhr die Bühne, Sänger Casper Clausen mit einer Regenjacke, Shorts, Crocs und stylishen Socken bekleidet. Als ob er just einem Hamburger Schrebergarten entsprungen und den Switch auf die Bühne zeitlich nicht mehr ganz geschafft hatte. Was aber dennoch von Beginn an da war, war seine sehr präsente und über alles erhabene Stimme. Los ging es mit „Uden ansigt“ und „I dine øjne“, zwei Songs des dänischsprachigen Albums „Altid sammen“ aus dem Jahre 2019. Und bereits beim zweiten Song sang das Publikum lautstark mit, als ob sie alle zuvor einen VHS-Kurs in Dänisch belegt hatten. Überhaupt war die Stimmung bei diesem Konzert ausgelassen gut, keine Selbstverständlichkeit in der Corona-Zeit, wo viele Konzerte nur spärlich besucht sind. Weiter ging es mit „Colour not my love“ und im Anschluss mit drei Stücken ihres 2012-Albums „Piramida“ bevor die offizielle Show mit „Cutting ice to snow“ abgeschlossen wurde. Doch Schluss war noch lange nicht, und nach einer kurzen Pause folgten gleich eine Handvoll Songs von ihrem letzten Album „Windflowers“. Besondere Erwähnung gebührt an dieser Stelle auch ihrer Schlagzeugerin Siv Øyunn Kjenstad, die nicht nur an den Drums einen hervorragenden Job machte, sondern auch als Backing Vocalistin mit einer tollen Stimme auffiel. Schließlich kündigte Casper an, dass sie den folgenden Song „Åbent sår“ noch für eine Live-Performance auf dem Burg-Herzberg-Festival am nächsten Tag ausprobieren müssten, wofür er sich inmitten des Publikums setzte, selbiges ebenfalls zum Hinsetzen animierte, bevor das Stück nach etwa drei Minuten in einen wahren Disco-Track abdriftet, Casper zurück auf die Bühne stürmte und die Musiker gemeinsam eine beeindruckende Tanzperformance hinlegten. So viel zu dem Thema „Bands, die sich ständig wiederholen“ – EFTERKLANG gehören keinesfalls dazu. Nachdem mit „Step aside“ schließlich der letzte Song des Abends ertönte, war der Applaus immer noch so immens, dass die Band sich genötigt sah, etwas zu tun, was sonst als absolutes No-Go gilt. „Wir haben keine Songs mehr übrig – wir spielen „Living other lives“ einfach noch einmal, wenn das okay ist!?“ Natürlich war das okay, und anschließend wurde das Publikum nach anderthalb Stunden glücklich in die Nacht entlassen.