DONOTS – Selbst & Ständig

Das neue Album „The long way home“ ist gerade erschienen und die Tour in vollem Gange. Zudem wurde Schlagzeuger Eike zum zweiten Mal Vater. Viel zu tun im Hause DONOTS. Da blieb leider auch keine Zeit, das Interview vor Ort zu machen, sondern die gute alte E-Mail musste ran. Web 1.0, aber dennoch ausführlich, was Gitarrist Alex da so zum neuen Album erzählt.

[F] Die erste Nachricht zum neuen Album war die Nummer 1 der iTunes-Charts, dann folgten die Gesamtcharts und ausverkaufte Termine. Man könnte vermuten, ihr seid recht zufrieden…
[A] Mehr als das. Wir haben gerade unseren 16. Bandgeburtstag gefeiert, und alles fühlt sich gerade so aufregend an, als wäre es das erste Mal. Gerade die Reaktionen jetzt auf Tour sind wohl die intensivsten, die wir überhaupt je hatten. Ich schiebe das einfach mal auf das Material unserer letzten beiden Alben und die damit raus polternde alte neue, neue alte Spielfreude unsererseits sowie auf das extrem gute Aussehen unserer knackigen Waden.

[F] Man hat euch auf der Bühne angemerkt, dass ihr extrem viel Lust hattet, das neue Album zu spielen. War das schon beim Songwriting so oder hat sich das Album erst als fertiges Produkt für euch zusammengefügt?
[A] Ach guck, als hätte ich das nicht gerade auch genauso begründet – lustig, ich hab die Frage echt nicht vorher gelesen, versprochen! Wir haben die Songs für das Album einfach danach ausgewählt, welche von ihnen uns auch nach Wochen und Monaten noch kicken. Wir hatten ja sooooo viele Demos, aus denen wir wählen mussten – da ist auf den Bauch hören das beste Hilfsmittel. Und live merken wir gerade, dass wir wohl so falsch nicht lagen.

[F] Mein erster Eindruck war, dass „The long way home“ schon ein wenig experimenteller ist, als ältere Alben. Wenn man mich fragen würde, klingt es eher nach „Comeback“-Album als der Vorgänger. Wie ist das Album entstanden, und warum habt ihr so viel mit neuen Elementen experimentiert?
[A] Wir haben es nicht drauf angelegt, zu experimentieren, aber wir haben es halt auch nicht nicht drauf angelegt. Insgesamt waren wir ein Jahr lang mit Schreiben und Aufnehmen beschäftigt, da kam halt viel zusammen und vor allem auch unterschiedliche Herangehensweisen. Und da wir Zeit zum Probieren hatten, haben wir eben auch mal zu neuen Instrumenten gegriffen, wieder mal um die ganze Sache auch für uns spannend und frisch zu halten.
Gerade die folkigen Songs wie „Years gone by“, „Dead man walking“ mit Guido am Gesang oder auch „Let it go“ machen mir momentan live am meisten Spaß. Ist halt wie Urlaub in einem Land, in dem man bisher noch nicht war 🙂

[F] Im letzten Interview habt ihr euch über doch unkonventionellere Arbeitsweisen im Studio gefreut und ihre Wirkung auf das Album. Wie war es dieses Mal? Gab es wieder ein Erlebnis wie bei „Stop the clocks“?
[A] Naja, analog zu „Stop the clocks“, welches ja das letzte aufgenommene Lied von „Coma chameleon“ war, haben wir diesmal mit dem Einpacken der Instrumente „Calling“ aufgenommen, welches im Endeffekt die erste Single wurde. Man scheint gegen Ende der Aufnahmen nochmal unbeschwerter ans Songwriting ranzugehen, da man ja im Grunde alles schon im Sack hat.
Was die allgemeine Arbeitsweise angeht, haben wir auch einen für uns neuen Ansatz gewählt. Nachdem „Coma chameleon“ von A bis Z aus der Hüfte geschossen und in einem Atemzug geschrieben und recorded wurde, haben wir diesmal so viele Demos geschrieben wie nie zuvor und dann knallhart ausgesiebt. So à la zehn Songs schreiben, ein bis zwei auswählen und aufnehmen. Heißt also: wochenlang Proberaum, dort Songs schreiben, wirken lassen, auswählen, ein paar Tage aufnehmen, wieder Songs schreiben und alles von vorne. War eine sehr spannende, sehr kreative, sehr anstrengende aber auch sehr befriedigende Zeit!

[F] Beim ersten Hören war ich mir nicht sicher, wie ich das Album finden sollte. Gerade auch, weil der Anfang einen nicht sofort mitnimmt. Habt ihr bei der Reihenfolge der Songs lange herum probiert?
[A] Nee, da waren wir uns eigentlich auf einen Schlag alle einig. Ich glaub aber, ich verstehe, was du meinst. Vielleicht holt es dich ja mittlerweile schon etwas mehr ab 🙂

[F] Ich muss ja offen zugeben, dass ich mit „Calling“ so meine Probleme habe. Aus meiner Sicht ist es ein wenig wie „Whatever happened to the 80s“, was breite Öffentlichkeit bringt und auf dem Album etwas „außen vor“ wirkt. Habt ihr den Song speziell als Single gemacht, oder wie kam es dazu?
[A] Ups, auch die Frage habe ich oben schon beantwortet, oder? Der Song war nicht als Single und nicht mal überhaupt geplant, er ist vielmehr am Ende der Aufnahmen passiert. Ich kann dir sagen: den Song im Proberaum und vor allem auch live zu spielen, macht einfach sausausauviel Spaß. Und ich finde, er passt perfekt zwischen dem Opener „Changes“ und dem nachfolgenden „Forever ends today“. Den Synthiesound haben wir aber auch diskutieren müssen – aber der kam absolut zufällig da rein (Ingo hat irgendwann so nebenbei auf den Tasten rumgedrückt, und der Sound war aus irgendeinem Grunde eingestellt), und da waren wir uns einig: So soll er bleiben! Käsig hoch drei und ein Grinsen im Gesicht.

[F] Der Song wurde mittlerweile auch von TV-Sendern aufgegriffen. Wie fühlt es sich – auch für euer eigenes Label – an, dass ihr plötzlich in den Massenmedien wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt?
[A] Für uns als Label natürlich wichtig, weil man eine Menge Leute erreicht. Als Band sind wir da nicht besonders eitel, aber natürlich freut man sich, auch mal zufällig über die eigene Musik zu stolpern.

[F] Vor zwei Jahren habt ihr euch alte Vertraute und Freunde geschnappt und das neue Album auf den Markt gebracht. Wie hat sich das jetzt zum zweiten Album verändert, auch im Bezug auf den Veröffentlichungsprozess?
[A] Wir haben letztes Mal eine Menge gelernt und konnten das bei dieser Veröffentlichung mit einbringen. Vieles lief strukturierter, und man wusste, was so ungefähr auf einen zukommt. Ein ULTRAberg Arbeit ist es aber auch diesmal gewesen (und ist es noch). Aber man weiß halt immer, wofür man es macht, und das ist jeden Tag aufs Neue sehr beglückend.

[F] Herrschte nach „Coma chameleon“ eher Ernüchterung oder Euphorie, direkt wieder weiterzumachen? Ihr habt ja nun auch die 30 überschritten und teilweise Familie…
[A] Wir haben das durch „Coma chameleon“ ausgelöste Feuer und diesen Rappel, der plötzlich in der Band herrschte, mehr denn je im Blut – was eben auch an all den tollen Reaktionen liegt. Gerade „Stop the clocks“ hat uns sehr ermutigt, Scheuklappen links liegen zu lassen und einfach drauflos zu komponieren. Von daher: ganz klar Euphorie.

[F] Ihr wart schon immer eine Band, die sehr offen und freundlich gegenüber ihren Fans auftritt. Wie ist es jetzt für euch im Zeitalter von Facebook und Co, wenn die Leute noch einfacher und mehr mit euch in Kontakt treten können?
[A] Zum einen perfekt passend, zum anderen gibt es nunmehr so viele Schnittstellen, dass wir selbst sie kaum mehr alleine handhaben können. Wir haben vor allem großen Spaß an unserem Youtube Channel, über den wir am besten Hallo sagen können.

[F] Euer Tourauftakt war ja schon relativ gelungen, zumindest, was die Stimmung angeht. Wurmt es euch, wenn live Dinge mal nicht so richtig klappen, oder seid ihr da nicht so kritisch? Wie geht ihr damit um, wenn vielleicht auch der Sound in der Halle nicht so gut ist?
[A] Den Sound in der Halle bekommen wir ja leider nicht mit, da oben auf der Bühne. Da vertrauen wir unserem Soundmann. Es ist allerdings wirklich so, dass man manchmal nichts gegen die örtlichen Soundgegebenheiten machen kann und der Leidtragende ist dann der Zuschauer. Also, in dem Fall: gleich beim Veranstalter meckern, damit er die Technik für zukünftige Konzerte aufstockt 🙂
Wenn Dinge schiefgehen oder nicht richtig klappen, ist das bei uns nicht das große Ding, das passiert gar nicht so selten. Genervt hat mich nur bei Tourauftakt die verstimmte Akustikgitarre für das große Finale bei „Parade of one“… zumal ich das verflixte Ding auch minutenlang nicht gestimmt bekommen habe. Das war auch kein Weltuntergang, aber genau das wünscht man sich nicht für einen Tourstart.

[F] Zum Abschluss noch eine Frage: Das Video zu „The right kind of wrong“, also komm, was ist denn das bitte? Zu viel Softpornos in der Jugend gesehen oder unerfüllte Sehnsüchte? 😉
[A] Haha, da frag am besten mal unseren Stammregisseur Magnus Härdner, der sich das Ganze ausgedacht hat. Für Ingo war es auf jeden Fall traumhaft 🙂 Wir anderen standen den ganzen Tag nur in unseren blöden Ritterrüstungen herum und haben Steine ins Meer geschmissen, bis wir irgendwann auch mal gefilmt wurden. Zweiklassengesellschaft sag ich nur.