THE HIRSCH EFFEKT – Konzeptionelles Röhren

Rechtzeitig zum spektakulären Debüt von THE HIRSCH EFFEKT gibt es auch ein Mini-Interview mit Nils (Gitarre/Gesang).

[F] Euer Album wirkt auf den Zuhörer wie ein Konzeptalbum, trotzdem werden auch die früheren Stücke von der EP in dieses Konzept eingebunden. Wie passt das zusammen?
[A] Die beiden Lieder auf der EP haben praktisch den Grundstein für das Konzept des Albums gelegt. „Epitaph“ liegt ein gesellschaftliches Thema zu Grunde und „Epistel“ handelt von einer Beziehungskiste. Auf dem Album wird das fortgesetzt: Diese Beziehungskiste wird auf dem Album praktisch chronologisch erzählt. Deshalb beginnt das Album auch mit „Epistel“. Die anderen Stücke, die sich mit einer gesellschaftlichen Thematik auseinandersetzen, durchsetzen den Handlungsstrang, verweben sich mit ihm und beeinflussen die Geschichte. Ich verrate schon wieder viel zu viel … Jeder soll für sich selbst versuchen, das Album zu verstehen. Wir haben die Hoffnung, dass das Album dazu genug Anregungen und Ideen bietet.

[F] In vielen Rezensionen wird euch eine zu große Nähe zu THE MARS VOLTA oder THE FALL OF TROY und damit das bloße Nachahmen dieser verkopften Musik vorgeworfen. Könnt ihr diesen Vorwurf nachvollziehen? Wie geht ihr damit um? Was grenzt euch aus eurer Sicht von diesen Bands ab?
[A] Ich finde gar nicht, dass THE FALL OF TROY verkopfte Musik machen. Egal…
Ich versuche, mir keine großen Gedanken zu machen, wem wir ähneln und wie wir uns abgrenzen oder womöglich abgrenzen können. Musik steht immer und ganz natürlich – wie jede andere Kulturform auch – in Beziehung zu alledem, was es auf diesem Gebiet schon vorher gegeben hat. Aber was soll uns das nützen, wenn wir uns damit beschäftigen, welche Bands man mit uns assoziiert?
THE HIRSCH EFFEKT erfinden das Rad sicher nicht neu. Soviel ist sicher. Und wenn jetzt jemand für sich feststellt, dass unsere Musik überflüssig ist, weil diese von THE MARS VOLTA oder THE FALL OF TROY bereits gemacht wurde, so ist das völlig in Ordnung, da es immer nur eine Frage der Perspektive ist. Aus meiner Perspektive klingt „Holon : Hiberno“ nur nach und wie THE HIRSCH EFFEKT. Wenn ich diese Eigenschaft bei den neuen Songs aus meiner Perspektive auch erkennen kann, werden wir auch ein zweites Album veröffentlichen.

[F] Steht eure offensichtlicht professionelle Musikausbildung der Musik von THE HIRSCH EFFEKT manchmal im Wege oder wirkt sich diese eher positiv aus?
[A] Unsere Ausbildungen – ob musikalisch oder nicht – haben ja keinen direkten Einfluss auf das, was unsere Rollen bei THE HIRSCH EFFEKT sind. Ich glaube, wenn wir unser in der Ausbildung erlerntes Wissen für THE HIRSCH EFFEKT gebrauchen können, greifen wir einfach darauf zu. Insofern steht unsere Ausbildung uns also nicht im Wege.

[F] Gibt es Pläne, das Line-Up live zu komplettieren, anstatt ausschließlich mit Effekten und Samples zu arbeiten?
[A] Wir haben uns das für die November-Tour vorgenommen: Ein Konzert ohne doofe Loopstation. Das Chez Heinz hat auch schon Interesse bekundet, dieses doch recht aufwändige Unterfangen zu veranstalten. Hoffentlich klappt das.
Generell möchte ich allerdings nicht mit mehr als zwei Leuten auf der Bühne stehen. Ich treff Ilja so schon ständig mit meinem Gitarrenhals. Wo wir grad dabei sind: „Ilja, nochmal gute Besserung von dieser Stelle! Kopf hoch, das wird schon.“

[F] Was steht als nächstes musikalisch bei euch an? Seid ihr schon mit neuen Songs oder Projekten beschäftigt? Wird das wieder in Richtung Konzeptalbum gehen oder was plant ihr stattdessen?
[A] Wir beschäftigen uns mit neuen Songs. Momentan ist es schwer, da wir so viele Konzerte spielen und deshalb noch so im alten Album drinstecken. Wir haben uns bei „Holon : Hiberno“ die Zeit gelassen, die es gebraucht hat. So wird es hoffentlich beim zweiten Album auch sein.

Vielen Dank sagt Henrike Rohloff.

http://www.myspace.com/thehirscheffekt