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DIE NERVEN – 28.02.2026, E-Werk (Erlangen)

DIE NERVEN habe ich in den letzten 15 Monaten dreimal gesehen – viele würden sich da vielleicht nicht mehr riesig auf ein viertes Konzert in so kurzer Zeit freuen. Bei mir stellt sich jedoch überhaupt keine Müdigkeit ein. Das liegt einfach an ihrer souveränen und tighten Live-Wucht.
Anlass für ihren erneuten Besuch in der Region war ihr Ende 2025 veröffentlichtes Live-Album „Live im Elfenbeinturm“. Dieses spielten sie allerdings nicht einfach nach, sondern präsentierten eine Auswahl aus allen sechs Studioalben, darunter auch „Die Bösen“ vom Debüt „Fluidium“.
Im Erlanger E-Werk gibt es bekanntlich mehrere Bühnen, und ich hatte eigentlich gedacht, dass DIE NERVEN inzwischen die größte davon bespielen würden. Dem war jedoch nicht so: Die mittlere Clubbühne war mit rund 350 Besucherinnen sehr gut gefüllt. Die Leute hatten Bock – durften zuvor aber noch dem Support-Act VERBRENNUNG 3. GRADES lauschen.
Die Schweizerin Salomé Käsemodel singt und rappt zu selbstgemachten Beats vom Band. Stilistisch würde ich das Ganze grob unter Electro-Punk einordnen. Gleich im ersten Song „Hildegard von Bingen“ stellt sie selbstbewusst klar: „Ich bin die Neue“ – und vermittelt sofort den Eindruck, dass sie ihr Ding durchzieht, egal wie die Reaktionen vor der Bühne ausfallen. In Erlangen zeigt sich das Publikum jedoch sehr wohlwollend und applaudiert höflich, auch wenn nicht jeder Ton sitzt und nicht jeder Beat knallt. Das macht aber nichts, denn ihre Musik soll schließlich aufrütteln und unterhalten. Nebenbei gibt es noch den Tipp, an welcher Straßenbahnstation man in Zürich besonders gut weinen kann – und einen Gastauftritt von DIE NERVEN-Schlagzeuger Kevin Kuhn.

Nach kurzer Pause geht es dann auch schon los mit „Neue Wellen“ – einem eher ruhigen Opener für ein DIE-NERVEN-Konzert. Das ist vielleicht gar nicht schlecht, denn der Sound ist zunächst noch nicht wirklich perfekt. Spätestens beim dritten Lied „Das Glas zerbricht und ich gleich mit“ passt dann jedoch alles: Der Sound ist druckvoll und klar, und das Publikum beginnt nicht nur zu tanzen, sondern singt die Zeile „Warum hab ich Angst, aber Du nicht?“ frenetisch mit. Für mich ist dieser Song ohnehin einer der stärksten im Repertoire der Band – mit seinem groovigen Sog, der einen sofort in den Bann zieht, und diesem großartigen Refrain zum Mitsingen.
Danach gibt es eine längere Ansage von Gitarrist Max Rieger, denn es stehen gleich mehrere Jubiläen an. Erstens hat ein Fan sein X-tes Konzert besucht (genau weiß ich es nicht mehr, aber es waren deutlich über 20), zweitens hat ein Tour-Roadie Geburtstag – inklusive Ständchen –, und drittens handelt es sich um das 400. Konzert der Band überhaupt. Dass dieses Jubiläum nicht untergeht, ist Bassist Julian Knoth zu verdanken, der akribisch über alle Auftritte Buch führt. Witzigerweise war der letzte Auftritt der Band in Erlangen an gleicher Stelle ihr 200. Konzert. Ab sofort heißt es also nicht mehr Universitätsstadt Erlangen, sondern Jubiläumsstadt Erlangen.
Die Stimmung ist entsprechend gut und die Band bestens aufgelegt. Einzig Kevin Kuhn am Schlagzeug wirkt heute etwas zurückhaltender als sonst – weniger clowneske Einlagen und Ansagen. Vermutlich liegt das daran, dass er nicht ganz fit ist, möglicherweise auch an den Strapazen von zwölf Konzerten in 17 Tagen. Gegen Ende des Sets steigen seine beiden Bandkollegen sogar kurz zu ihm auf das Drum-Podest, um sich abzusprechen. Es geht aber weiter, und gegen Konzertende entschuldigt sich Kuhn beim Publikum für seinen Zustand – was eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, denn das Konzert ist inklusive dreier Zugaben wirklich sehr gut. Außerdem gibt es Aussicht auf Erholung: Der heutige Gig ist der Abschluss der Tour.
Das Set mit insgesamt 18 Songs ist dann auch viel zu schnell vorbei. Besonders „Niemals“ und „Barfuß durch die Scherben“ haben mir wieder einmal außerordentlich gut gefallen. Leider fehlt „Achtzehn“ auf der Setlist – für mich ein absolutes Highlight ihres letzten Studioalbums. Ansonsten gehe ich aber wunschlos glücklich nach Hause.
Wobei – wenn ich jetzt noch einmal darüber nachdenke: Für ihr nächstes Konzert wünsche ich mir am Merchstand vielleicht noch schönere Shirts. Shirts, die einem Jubiläum würdig sind. 😉