BOY OMEGA – Im Prinzip Hoffnung

Dieses Interview mit Martin Hernrik Gustavsson, dem Chef von BOY OMEGA, die mit „The black tango“ gerade ein wunderschönes Album hingezaubert haben, sollte, so war es besprochen, via MSN stattfinden. An diesem Abend hatte ich, nachdem ich den Messenger auf meinem PC installiert hatte, eigentlich nur vorgehabt, nach einem Termin dafür zu fragen. Ich gebe also den Namen in die Kontakt-Liste ein und keine halbe Minute später bin ich schon mitten drin, denn er ist schon da:

[A]Hallo, du bist der von Blueprint, richtig?

[F]Ja genau. Bist du das auf dem Foto?
[A]Ja, das bin ich. Danke für die Review. Ich habe versucht, es mit Altavista Babelfish zu übersetzen und so viel wie möglich zu verstehen. Das Programm taugt nicht besonders viel. Aber bei 8 von 10 Punkten war es wohl eine gute Kritik.

[F]Ja, ich mag "The black tango" sehr, mittlerweile habe ich auch das erste Album gehört und finde es ebenfalls wunderbar.
[A]Danke. Ich selbst bin nicht mehr sehr glücklich mit dem ersten Album, der Art, wie es gespielt ist, der Produktion. Wenn wir diese Songs heutzutage mit der ganzen Band spielen… Wir denken daran, irgendwann ein "Redux"-Album zu machen mit den alten Stücken in neuen Versionen. Mal sehen.

[F]Ich muss gestehen, dass ich nicht vorbereitet bin. Eigentlich wollte ich mit dir nur einen Termin abmachen, aber wir können gern weitermachen, wenn du die Zeit hast.
[A]Fein. Dann machen wir weiter.

[F]Fein. Zurück zu der Band, das wäre nämlich in der Tat meine erste Frage gewesen: Inwieweit sind BOY OMEGA eine Band oder eben ein Solo-Projekt?
[A]Im Moment ist es beides, ich schreibe nach wie vor die Songs, aber mittlerweile gehören auch einige andere Personen, die Streicher zum Beispiel, zum festen Kreis der Band. Zu unserer dritten Platte haben sie auch einige Arrangements beigesteuert. Sie gehören mittlerweile fest zu BOY OMEGA dazu, und ich möchte sie nicht mehr missen. Früher habe ich immer mit wechselnden Musikern gespielt.

[F]Ich wollte auch auf die dritte Platte zu sprechen kommen, die, wie zu lesen war, auf City Slang erscheinen wird. Sind die Songs für den Nachfolger schon geschrieben?
[A]Ja, die Songs sind geschrieben, und die meisten sind sogar schon fertig aufgenommen. Zwölf Songs werden es sein. "Hope on the horizon" wird das Album heißen.

[F]Das ist interessant. In meiner Besprechung zu "The black tango" zitiere ich, wie es im letzten Song heißt "This is the end and i feel stronger". Ist das dann die Hoffnung am Horizont?
[A]Die meisten Songs für das neue Album, das Anfang kommenden Jahres erscheint, wurden zur selben Zeit geschrieben wie die von "The black tango", es handelt sich also nicht um einen anderen Lebensabschnitt, aber es gibt definitiv mehr Licht in den neuen Songs.

[F]Ich finde, deine Musik klingt bei aller Melancholie nie zu traurig oder gar depressiv, sie ist schön, was ja ein großer Unterschied ist. Ich persönlich mag den Song "Explode" am meisten, welcher ja ein richtiger Pop-Song ist. Wird es davon noch mehr geben auf dem nächsten Album?
[A]Danke für das Kompliment. Ja, "Hope on the horizon" wird wie gesagt, nicht so schwarz sein wie "The black tango" und nicht so experimentell.

[F]Wenn jemand, wie nun ich zum Beispiel, dir sagt, wie schön er deine Musik findet, kannst du dich darüber freuen, oder denkst du daran, wie traurig du warst, als die Lieder geschrieben wurden?
[A]Das ist eine schwierige Frage. Das hängt stark von der Tagesform ab. Manchmal fällt es mir sehr schwer, über meine Texte zu sprechen, weil sie sehr persönlich sind. Insbesondere mit fremden Menschen.

[F]Es ist aber damit zu rechnen, dass du Fragen wie diese noch häufiger gestellt bekommen wirst.
[A]Und ich werde sie auf die eine oder andere Weise beantworten. Die Texte stehen immer im Booklet abgedruckt. Jeder Hörer kann sie verschieden interpretieren. Das ist auf jeden Fall in Ordnung. Manchmal verstecke ich sehr viel in meinen Texten, Dinge die ich nie jemandem erzählen werde.

[F]Ich mag den Satz "Somewhere i´m human". Fühlst du dich manchmal nicht als Mensch, dass du das extra erwähnst? Ich finde alles an dieser Platte klingt sehr menschlich.
[A]Manchmal, das geht wohl jedem so, habe ich keine Lust, an diesem Business namens "Leben" teilzunehmen. Aber es geht auch um etwas anderes in dem Lied, dort heiß es auch "don´t put me on a plate for i´m not your hot meal". Ich mag Tiere, und in diesem Satz schreibe ich aus der Perspektive eines Tieres. Die Fleischindustrie ist so bescheuert, das macht mich sehr traurig.

[F]Ich dachte, das Lied handelt von einer Beziehung, in der du deine Partnerin daran erinnern musst, dass du ein Mensch bist, weil du nicht so behandelt wirst.
[A]Ja, davon auch. In einer Beziehung kommt man manchmal an einen Punkt, an dem man den anderen nur noch scheinbar ernst nimmt.

[F]Ist deine Musik eine Art Therapie für dich?
[A]Definitiv. Meine Familie, meine Freunde und das tägliche Leben sind sehr wichtig, wenn ich Texte schreibe. Ich schreibe auch viel in Tagebücher. Ich denke, es ist wichtig, die Dinge festzuhalten, die man erlebt.

[F]Kannst du die Vergleiche mit Connor Oberst noch hören?
[A]Meine Musik wird immer in einem Zusammenhang mit den BRIGHT EYES, ELLIOTT SMITH oder THE CURE gesehen, aber darüber denke ich nicht nach, wenn ich Musik höre oder Stücke schreibe. Ich höre nur mich selbst dabei, ich denke, meine Einflüsse stammen mehr von anderen Künstlern. Aber es macht mir nichts aus, wenn diese Namen genannt werden – es sind alles Künstler, die ich sehr schätze. Aber ich habe meinen eigenen Weg des Ausdrucks gefunden.

[F]Wann werdet ihr das nächste Mal in Deutschland sein?
[A]Im Mai kommen wir für vier Shows nach Deutschland, nach Braunschweig, Hamburg, Köln und München. Wir werden zu sechst anreisen, fünf Musiker und ein Fahrer. Dieselbe Mannschaft, mit der wir gerade von einer Tour nach Hause gekommen sind.

[F]Ich bin sehr gespannt. Ich danke vielmals für das Gespräch, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.
[A]Ja, ich danke ebenfalls, es war ein sehr nettes Interview, ich habe nie zuvor eines via Internet gemacht!

Wir reden noch eine Weile weiter über alles Mögliche, in erster Linie Bands, als Herrn Gustavsson eine Mail erreicht, in der steht, dass "The black tango" vom österreichischen Sender Radio FM4 zum Album der Woche gewählt wurde. Ich gratuliere. Ihm zu dieser Ehre und FM4 zu gutem Geschmack.