THE PICTUREBOOKS – Mit Papa Grabke im Studio

Ihr Debüt "List for people to kill" hat ein Raunen in den einschlägigen Foren hinterlassen. Ihr Auftritt als Einheizer für 65DAYSOFSTATIC im Headcrash war ein gefundenes Fressen für Jens und mich, den drei Newcomern aus dem Grabke-Umfeld auf den Zahn zu fühlen.

[F] Ihr seid eine deutsche Band. Warum singt ihr auf Englisch, nicht auf Deutsch?
[A]Gute Frage! Die haben wir noch nie bekommen. Wir selbst haben uns die aber auch noch nie gestellt. Es war irgendwie von Anfang an klar,auf Englisch zu singen.

[F] Ihr sollt euch ja auch nicht entschuldigen.
[A] Es hat einfach damit zu tun, dass wir auf jeden Fall größere Ziele haben als Deutschland. Wir wollen halt raus aus Deutschland. Diese typisch deutsche Bandidee, Erfolg in Deutschland haben zu wollen, hatten wir nie. Zudem hören und lieben wir englische Musik. Dann ist es auch klar, dass man englische Texte macht.

[F] Picturebooks klingt auch cooler als Bilderbücher!
[A] Au Scheiße, die Antwort hätten wir nehmen müssen! Ja, auf jeden Fall!

[F] Bleiben wir gleich mal beim Bandnamen. Man liest ja hier und dort, dass der Name einem Song der KINKS entnommen wurde. Ist das so? Musikalisch lässt sich dieser Bezug ja nicht so ohne weiteres herleiten.
[A] Das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Mehr als eine Inspiration war es nicht. Man braucht halt einen guten Bandnamen, er passte, und niemand hieß bisher so.

[F] Welche Einflüsse sind aus eurer Sicht prägent für euren Stil?
[A] Oh, da kommt viel. Wenn man jetzt mit Bands anfängt, wird das ’ne lange Liste. Ganz grob gesehen hören wir alle alles von den 60ern bis heute. THE CURE, KRAFTWERK, etc., das haben wir halt auch alles mitbekommen. Aber wir interessieren uns natürlich auch für all die neuen Bands. Da gibt es im Moment ja einen gewissen Überfluss, aber irgendwie ist das auch super. Wir sind Skateboardfahrer, kennen all die coolen Videos, das hat uns natürlich auch beeinflusst. Jetzt aber da die genaue Inspirationsquelle herauszufinden, ist nicht möglich. Es ist mehr von allem etwas.

[F] Ihr skatet heute also auch noch?
[A] Ja, klar! Nicht mehr so viel wie früher, nicht mehr so ernsthaft. Nur noch so aus dem Spaßfaktor heraus.

[F] Sind bei euch Inlineskater ganz weit oben auf der "list for people to kill"?
[A] Ganz weit oben! (Gelächter). Nein, natürlich nicht. Wir haben nichts gegen Inlineskater. Es gibt zwar diese Rivalität, aber es soll halt Spaß machen, wie und womit auch immer. Wir sind da keine Die-Hard-Skateboarder mehr. Wir sind Fun-Skateboarder.

[F] Auf der großen Halfpipe in der Roten Flora gibt es zum Beispiel ein Inlineskaterverbot.
[A] Eigentlich finden wir das auch ganz gut. Die Inlineskater wachsen immer alles ein. Wenn man sich mal auf die Fresse legt, dann weil zuviel Wachs von den Inlineskatern auf der Piste war.

[F] Euer Album hat einen relativ auffallenden Sound. Alles ist gezielt leicht übersteuert aufgenommen. Hat sich das so während der Aufnahmen ergeben, oder war das von vorn herein der Masterplan?
[A] Wir wollten von vorn herein einen eigenen Sound finden. Wir sind eine junge, dreckige Band und wollten dieses Dreckige haben. Wir sind, wir man hören kann, ja auch ein bisschen Brit-Popper, aber wir sind auch ziemlich garagig, grungig und deswegen musste das einfach auch mit rein. Man hat DAVID BOWIE gehört, THE CURE, IGGY POP & THE STOOGES. "Three imaginary boys" von THE CURE war natürlich riesig, aber man hat auch "Search & destroy" gehört (von RAW POWER – die Red.). Das sollte schon gleichzeitig auf unser Album einfließen.

[F] Mit wem habt ihr aufgenommen?
[A] (Fynn Grabke:) Mit meinem Papa. Wir haben das mit ihm produziert und gemixt.

[F] Mit Claus Grabke also … der Promo-CD konnte man das nämlich nicht entnehmen.
[A] (F.G.) Mir wurde letztens die Frage gestellt, ob ich das bewusst verheimliche, dass er mein Vater ist, da es nicht in unserer Bandbio steht. Hey, mein Name ist Fynn Grabke, und ich spiele in dieser Band. Ich verheimliche doch nichts. Das sollte man einfach nicht überbewerten. Er ist der beste Kumpel der Band. Er arbeitet mit uns, so wie wir auch alle für seine Band arbeiten. Das ist halt wie eine große Familie.

[F] Hat euch diese Familienbande zu Nois-o-lution gebracht?
[A] Nein, unser Labelchef ist ein absolut ehrlicher Typ. Wenn er etwas scheiße findet, dann findet er das auch scheiße. Wir haben einen Song hingeschickt, und er war so begeistert, dass er direkt noch mehr haben wollte. So enstand der Kontakt.

[F] Die Tatsache, dass dein Vater auch auf Nois-o-lution ist, hat also keine Rolle gespielt?
[A] Nein, wir haben halt das Demo hingeschickt, "Prince trafficlight" war das damals, und dann kam die Antwort zurück: "Ich halte den Finger drauf. Macht man erstmal weiter, aber ich möchte im Boot bleiben". Er ist dann im Boot geblieben, und im Endeffekt war es auch die beste Entscheidung, zu nois-o-lution zu gehen.

[F] Trotz der garagigen Produktion habt ihr keine Angst vor Melodien.
[A] Es ist ganz wichtig für uns, dass unsere Musik nicht einfach nur so ein Rumgekreische ist und zu emotional wird. Haben wir eben emotional gesagt? (Gelächter)
Es sollte halt nicht nur in eine oder zwei Richtungen gehen, sondern in viele Richtungen. Da haben wir Bock drauf, da wollen wir uns nicht limitieren. Und wenn wir beim nächsten Album mit einem Streichorchester kommen, dann weil wir Bock darauf haben.

[F] Streicht ihr denn beim Songwriting auch mal Passagen, wenn Ihr denkt, die wären nun doch zu poppig?
[A] Nö, wenn der Song gut ist, warum soll man ihn nicht nehmen? Wir streichen nur etwas, wenn es uns wie ein Abklatsch von irgendetwas vorkommt. Wir wollen keine Coverband sein. Das bringt nichts.
In England würde sowas einfach nicht akzeptiert werden. Ich glaube, hier fehlt uns sowas. Hier will man immer die deutsche Version von einem internationalen Top-Act haben. Jetzt wird hier doch bestimmt erstmal die deutsche Lady Gaga produziert.

[F] Kommen wir noch zu eurem Albumtitel. Im aktuellen Konsenz klingt der sehr provokant. Zufall oder Absicht?
[A] Es gab diesen Song vorher, ein langsamer, akustischer Song. Der war aber irgendwie nicht so stark. Da kam diese Textzeile drin vor und so entstand der Titel. Irgendwann hatten wir dann eine andere Melodie, die zu diesem Text passte. Etwas tieferes wollten wir mit dem Titel nicht ausdrücken, auf gar keinen Fall "Schnapp Dir ’ne Knarre, geh in die Schule und mach alle platt!" Ganz im Gegenteil. Wir sind z.B. alle Vegetarier. Bei uns nebenan ist eine Fleischerei, und natürlich ist der dann auch auf der eigenen Kopfliste der Leute, die man umlegen könnte. So eine Liste hat doch jeder im Kopf. Für mich ist das aber eher symbolisch und nicht mit einer konkreten Absicht verbunden. Wir würden niemals zu Gewalt gegen Menschen aufrufen. Wenn du morgens zur Arbeit willst und deine Scheißkarre nicht anspringt, dann steht die Karre auch auf deiner Liste. Wir haben aber ein krasses Album, und da musste auch ein krasser Titel her.

[F] Wonach wurdet ihr häufiger gefragt: nach eurem Bandnamen oder nach eurem Albumtitel?
[A] Das hält sich die Waage.

[F] Der Bandname passt auf den ersten Blick ja nicht so recht zu eurer Musik…..
[A] Ja, auf den ersten Blick scheint das ein Gegensatz zu sein. Aber warum müssen Bilderbücher immer schöne Bilder beinhalten? Man assoziiert Bilderbücher immer mit etwas Gutem, aber es sind die schlechten Bilder, aus denen wir lernen. Das macht einen stärker. Das assoziieren wir mit "Picturebooks".

[F] Welche Frage habt ihr bisher in jedem Interview vermisst?
[A] Die gibt es nicht. Wir sind ja auch noch ganz frisch dabei. Wir sind jung, uns gibt es erst seit drei Jahren. Für uns ist das alles komplett Neuland. Wir feiern einfach jeden Tag ab, an dem irgend eine Kleinigkeit mit uns passiert.
Jetzt sind wir zum Beispiel gerade die ganze Zeit auf Tour, und jeder Gig ist wieder der Hammer.
Man muss uns eigentlich nur den ganzen Tag bremsen, weil wir immer kreativ drauf sind. Als jetzt zum Beispiel das Thema Merchandise kam, hatten wir gleich eine ganze Modekollektion.
Wie gesagt, eigentlich muss man uns im Moment nur ununterbrochen bremsen.

[F] Das wollen wir aber jetzt nicht, denn ihr müsst gleich auf die Bühne. Vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß gleich.

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