BACKYARD BABIES – s/t

Wie verärgert wahre Fans doch sein können. Das letzte Album bekam ich als gebrannten Rohling in die Hand gedrückt, mit dem Hinweis „Hör dir das mal an!“ und dem dezenten Vermerk „Crap“ darauf. Verehrer von „Total 13“ hatten es schwer mit den letzten Platten der BACKYARD BABIES. Ich zähle mich vollends dazu. Gebändigte Energie, geschliffene Produktion, Stadionrock. Alles, was „Total 13“ ausmachte, war auf einmal verschwunden, und die Corporate-Rock-Schiene wurde vollends ausgelebt. Klar verliert man damit seine Anhänger, für die Punk-Attitüde „Dagegen“ heißt. Eine Band, die dabei ebenso auf den Glitzer und Glamour der Pudel-Bands der Achtziger schielt, aber gerne die Street-Credibility von SOCIAL DISTORTION hätte, hat es nun einmal nicht leicht, die Balance im eigenen Sound zu finden. Persönlich habe ich allerdings das Gefühl, dass sich der Kreis jetzt zu schließen scheint. Zehn Jahre nach ihrer Referenzplatte knüpfen sie zwar produktionstechnisch nicht an die alten Zeiten an, was auch nicht zu erwarten war, doch haben sie diesmal einfach gute Songs geschrieben. Diese haben tolle Hooks, ohne Ende knackige Gitarren-Soli, Refrains, die zum Mitsingen animieren, und Melodien, die in den Ohren hängen bleiben. Nicke Borg leiht sich die Gesangsnuancen dieses Mal nicht nur von Mike Ness, sondern auch verstärkt von Axl Rose. Ohne Falsett versteht sich. Mir gefällt das. So skeptisch ich am Anfang auch war, um so begeisterter bin ich jetzt, denn die Platte gefällt mir mit jedem Hören besser, und der Lautstärkeregler wird dabei arg strapaziert. Die Texte vergessen wir hier mal ganz schnell, doch mehr als „Bret Michaels“-Niveau lässt sich nicht feststellen. Wen soll das aber interessieren, wenn die erste Single schon „Fuck off & die“ fordert. Auch das gefällt mir. Die Helden der BACKYARD BABIES sind zum Glück nicht POISON oder CINDERELLA, sondern oben Genannte, womit sie auf jeden Fall richtiges Gespür beweisen. Gute Songs können sie nun auch wieder alleine schreiben.

1000-Ohren-Test sagt:

Keith, 34: Going no-where. Bad bad lyrics. Total shit. (0)

Marco, 30: Ist mir zu sehr Standard-Rock, da gibt’s bessere Bands (in dem Bereich), z.B. auch ältere Sachen der BACKYARD BABIES. (3)

Bewertung: 7,5/10

Veröffentlichungsdatum: 22.08.2008